Welche Wunschkennzeichen sind erlaubt?

Ohne Absicht in rechter Ecke: Mann erhält Kennzeichen mit der Ziffer 88 

Ungewollte Anspielung bei Wunschkennzeichen: Ludwig Lachnit aus Ahnatal-Heckershausen wusste nicht, dass sich in der Zahl 88 auch die Anspielung auf HH, also den Gruß „Heil Hitler“ verbirgt. In der Zulassungsstelle hatte ihn niemand darauf hingewiesen. Nun will er es umtauschen, muss aber die Gebühren dafür zahlen.
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Ungewollte Anspielung bei Wunschkennzeichen: Ludwig Lachnit aus Ahnatal-Heckershausen wusste nicht, dass sich in der Zahl 88 auch die Anspielung auf HH, also den Gruß „Heil Hitler“ verbirgt. In der Zulassungsstelle hatte ihn niemand darauf hingewiesen. Nun will er es umtauschen, muss aber die Gebühren dafür zahlen.

Wer ein Fahrzeug zulässt, kann sich ein Kennzeichen auf dem Nummernschild wünschen. Doch nicht alle Kombinationen sind erlaubt – aus gutem Grund. Ein Überblick.

Ahnatal – 88, 28, SD – hinter all den Abkürzungen schlummert eine Verbindung mit der rechten Szene, zumindest für die, die das wissen. Wer es nicht weiß, und sie verwendet – etwa auf dem Nummernschild – steht rasch in der rechten Ecke, auch wenn das gar nicht seine Absicht war.

So geht es Ludwig Lachnit, nachdem er vor Kurzem sein neues Wohnmobil angemeldet hat. Die Idee des Heckershäusers war, wegen geschlossener Hotels mit dem Heim auf vier Rädern in den Urlaub zu fahren. Um das neue Wohnmobil zu verschönern, sollten seine Initialen im Kennzeichen stehen: LL. Passend dazu wären zwei, statt drei Zahlen, dachte sich Lachnit, der beruflich eine Versicherungsagentur leitet. Als die Mitarbeiterin auf der Zulassungsstelle die 88 nennt, stimmt Lachnit zu. „Ich dachte, eine Schnapszahl, das ist ok“, sagt der 59-Jährige.

Nummernschilder: Ziffer 88 kann Fahrer ungewollt in die rechte Ecke schieben

Doch als Freunde und Bekannte das neue Gefährt mit der 88 sahen, gab es die ersten Hinweise. 88, das hieße doch auch „Heil Hitler“. H ist der achte Buchstabe im Alphabet, daher der Bezug. Doch Lachnit war das nicht bekannt. Bei Gesprächen mit seiner Frau und Internetrecherchen lesen sie immer mehr darüber, erfahren, dass ein Deutscher in Österreich wegen einer 88 auf dem Nummernschild verklagt worden sei.

„Wir wollen damit Urlaub machen. Was, wenn wir auf dem Campingplatz in die rechte Ecke gestellt werden? Was, wenn das erste Hakenkreuz auf dem Wohnmobil landet?“, fragt sich Lachnit. Es wundert ihn, dass niemand in der Zulassungsstelle etwas gesagt habe. „Ein Hinweis hätte doch gereicht, dann hätte ich gegoogelt und mich dagegen entschieden.“

Nicht jedes gewünschte Kennzeichen ist auch erlaubt – Bezug zu Zeit der Nationalsozialisten

Ändern könne er das Kennzeichen zwar, erfährt er von einem Abteilungsleiter bei einem Anruf bei der Zulassungsstelle. Aber die Bearbeitungsgebühren und das neue Schild müsse er natürlich bezahlen, schließlich habe er für „LL88“ unterschrieben. Für Ludwig Lachnit ist klar, dass er das Nummernschild ändern wird, auch wenn ihn das noch mal 60 Euro kostet. Den Termin hat er schon. Doch er hätte sich mehr Kulanz und Bürgernähe gewünscht. Andere Nummernschilder wie „SS“ seien ja auch verboten.

Und wer sich als Geburtstag 18 oder 28 auf sein Kennzeichen wünscht, sollte wissen, dass 28 auch für das verbotene rechtsextreme Netzwerk „Blood and Honour“ steht, 18 für die Initialen Adolf Hitlers.

Stadt Kassel: Änderung am Kennzeichen nur gegen Gebühr

Ludwig Lachnit seien verschiedene freie Zahlenkombinationen zur Auswahl genannt worden, teilt die Stadt Kassel in Rücksprache mit der Sachbearbeitung der Zulassungsstelle mit. Er habe sich für die 88 entschieden. Wenn er nun aus nachvollziehbaren Gründen damit nicht mehr einverstanden sei, könne er das ändern. Die anfallenden Gebühren dafür müsse er zahlen, teilt eine Sprecherin mit.

Laut entsprechender Gebührenordnung sei das kein Fall für eine Gebührenbefreiung. „Ein ähnlicher Wunsch wie der von Herrn Lachnit wurde hier von anderen Haltern bisher nicht geäußert“, heißt es. Und: „Wir werden bei solchen Anfragen in Zukunft noch intensiver auf die Problematik hinweisen.“

Wunschkennzeichen: Was erlaubt ist und was nicht

In Stadt und Landkreis Kassel sind einige kritische Buchstaben- und Zahlenkombinationen erlaubt, andere nicht. Fragen und Antworten:

Wie wird geregelt, welche Kennzeichen erlaubt sind?

Das regelt jedes Bundesland anders. So hätte der Ahnataler Ludwig Lachnit in Sachsen-Anhalt und in Brandenburg keine 88 auf sein Nummernschild bekommen, auch nicht im Schwalm-Eder-Kreis – dort ist diese Zahlenkombination verboten. In Rheinland-Pfalz ist die 88 nur in Verbindung mit der Buchstabenkombination HH verboten. Selbst das ginge im Landkreis Kassel.

Gibt es keine einheitlichen Regeln?

Eine bundesweite Regelung gibt es dazu nicht. Allerdings steht in Paragraf 8 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung, dass die Kombination nicht gegen die guten Sitten verstoßen darf. Laut Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung heißt es: „Es liegt im Ermessen der jeweiligen Zulassungsbehörde, im Einzelfall zu entscheiden, ob eine Kombination allgemein als anstößig empfunden wird und ob der Fahrzeughalter mit ihr einer politischen Gesinnung Ausdruck verleihen will.“

Hat die Zulassungsstelle spezielle Richtlinien?

Die Pressestelle der Stadt verweist auf die in Hessen geltenden Regeln. „Darüber hinaus gehende Sperrungen durch die gemeinsame Zulassungsbehörde von Stadt und Landkreis Kassel existieren zur Zeit nicht“, heißt es.

Was gilt in Hessen?

In Hessen sind einige wenige Kombinationen via Erlass verboten. Dazu gehören HJ (für Hitlerjugend), KZ (Konzentrationslager), NS (Nationalsozialismus), SA (Sturmabteilung), SD (Reichssicherheitsdienst) und SS (Schutzstaffel). Die Liste geht zurück auf eine Empfehlung des Bundesverkehrsministeriums aus den 90er-Jahren.

Was gilt in anderen hessischen Städten und Kreisen darüber hinaus?

Im Schwalm-Eder Kreis beispielsweise ist die 88 auf Nummernschildern nicht erlaubt, ebenso wenig wie AH, HH und IS, weder einzeln noch in Kombination. In Darmstadt ist IS gesperrt. (Valerie Schaub)

WOH-HH-88 – mit diesem Kennzeichen ist ein junger Mann im Kreis Kassel gefahren. Hier war die Provokation gewollt.

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