Täter wollen Kontodaten ergaunern

Miese Masche: Telefonbetrug mit Amazon-Gutscheinen im Kreis Kassel

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Angeblich muss man Amazon-Gutscheine kaufen: Die neue Betrugsmasche wird übers Telefon abgewickelt. Dabei wollen Täter an die Kontodaten ihrer Opfer kommen.

Ahnatal. Mit einer dubiosen Telefonbetrugmasche sollten Menschen in Ahnatal im Kreis Kassel abgezockt werden. Die Täter forderten Amazon-Gutscheine. 

Aktualisiert am 5. Juli 2018 um 11.31 Uhr - Als Richard Langner (Name wurde von der Redaktion geändert) aus Ahnatal-Weimar seinen Anrufbeantworter abhört, kommt ihm die Nachricht auf dem Band sofort dubios vor. Der Anrufer teilt ihm mit, dass seine Akte in einer Kanzlei in Soest angekommen ist, man bittet um Rückruf, um die Auszahlungsmodalitäten seines Gewinnes in Höhe von 150.000 Euro zu besprechen.

Opfer sollte Amazon-Gutscheine kaufen

Langner und seine Frau können sich nicht daran erinnern, an einem derartigen Gewinnspiel teilgenommen zu haben. „Ich wusste gleich, dass da etwas faul ist“, erzählt er. „Ich habe trotzdem die Festnetznummer angerufen, weil ich wissen wollte, was dahinter steckt“. Eine Notarin habe ihm nach kurzer Wartezeit mitgeteilt, dass er zwei Gutscheine bei dem Onlineverkäufer Amazon im Wert von je 100 Euro kaufen müsse. 

Die auf den Gutscheinen aufgedruckten Codenummer solle er dann an die Kanzlei weiter geben. „Ihnen wird dann ein Sonderkonto bei der Sparkasse mit dem Gewinn eingerichtet“, erzählte ihm die angebliche Notarin. Langner beendete darauf hin das Gespräch. Doch offenbar ist der Ahnataler nicht der Einzige, der einen solchen Anruf erhalten hat. Die Haushaltshilfe der Familie hatte den Anruf mitgehört und erzählte daraufhin, dass sie auch so einen Anruf erhalten habe.

Begibt man sich auf Spurensuche, gerät man schnell in eine Sackgasse. Es gibt keine Anwaltskanzlei in Soest mit dieser Telefonnummer. Auch ähnliche Namen sind bundesweit in Telefonbüchern nicht zu finden – und die Internetsuchmaschinen finden auch nichts. 

Bei einem erneuten Anruf unter der Nummer meldet sich eine angebliche Sekretärin und verweist lediglich auf ein, nur dem Gewinner bekanntes Aktenzeichen, welches genannt werden solle. „Sie haben das nicht? Dann kann ich nichts für Sie tun. Auf Wiederhören.“

Betrugsmasche bei Polizei schon bekannt 

Polizeisprecher Torsten Werner teilte auf HNA-Nachfrage mit: „Die Masche ist bekannt und wird immer wieder variiert. Man sucht nach älteren Vornamen und ruft dort an. Ein Name wie Justin ist dann in 30 Jahren dran. Oft werden die Nummern in das Ausland geleitet und es entstehen hohe Telefonkosten“, warnt Werner. Deshalb rät die Polizei: Solchen Anrufen keine Beachtung schenken und das Gespräch beenden.

Auch der Verbraucherzentrale in Frankfurt sind derartige Fälle bekannt. Der Juztiziar teilte auf Anfrage mit, dass man über die Anfrufe auch an die Kontodaten gelangen will. „Es handelt sich eindeutig um unlauteren Wettbewerb“, erklärte er, den man bei der Bundesnetzagentur anzeigen könne.

Da der Anrufer Amazon-Gutscheine forderte, wurde eine schriftliche Anfrage diesbezüglich an den Internethändler gerichtet, der auf eine Hilfeseite verweist.

Eine andere Masche ist ebenfalls kürzlich im Kreis Kassel aufgetaucht: Niestetaler Senioren wurde ein Gewinn von 120.000 Euro versprochen. Alles eine Lüge: Dahinter steckten Betrüger.

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