Kritik an der Politik 

Pflegedienst errichtet 2019 nur sieben Plätze und drei Seniorenwohnungen in Ahnatal

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Hier ruht die Planung: Das Gelände unterhalb der Hausgemeinschaften (im Vordergrund) gehört schon teilweise dem Pflegedienst. Er will noch einen Streifen zum Bachlauf der Ahna hin von der Gemeinde kaufen. Es handelt sich um den ehemaligen Bolzplatz. 

Ahnatal. Der G&G Pflegedienst wird ab dem kommenden Jahr bauen. Geplant ist ein Anbau mit sieben weiteren stationären Pflegeplätzen sowie drei Seniorenwohnungen. Kritik übt das Unternehmen an der Politik. 

Eine gute und eine schlechte Nachricht für ältere Menschen in Ahnatal und Umgebung, die eine stationäre Pflegebetreuung benötigen oder eine altengerechte Wohnung suchen: Der G&G Pflegedienst wird ab dem kommenden Jahr bauen. Geplant ist ein Anbau mit sieben weiteren stationären Pflegeplätzen sowie drei Seniorenwohnungen, für die man ambulante Pflegeleistungen buchen kann, am rückwärtigen Teil der bestehenden Hausgemeinschaften des Pflegedienstes an der Straße „Im Kreuzfeld“.

Doch für ihr weitaus größeres Projekt, den seit fast drei Jahren geplanten Bau eines großen Komplexes für 36 weitere Pflegeplätze sowie zwölf Senioren-Mietwohnungen, haben sich die Inhaber Marion und Kai Gnidtke eine Denkpause verordnet. Dieses Vorhaben werde erst im Laufe des nächsten Jahres wieder angegangen, teilte Marion Gnidtke auf Anfrage mit.

Ursprünglich wollte der Pflegedienst, der in Ahnatal stationäre und ambulante Leistungen sowie Tagespflege anbietet, schon im Frühjahr 2017 mit diesem Millionen- Projekt loslegen. Schon damals gab es eine Warteliste von mehr als 80 interessierten Senioren. Doch dann begann in der Gemeindevertretung ein Tauziehen um den Preis, den die Gemeinde für das Grundstück des ehemaligen Bolzplatzes zwischen Ahna und den schon bestehenden Hausgemeinschaften mit dem Pflegedienst vereinbaren sollte. Dieser sei mit 18,50 Euro pro Quadratmeter nun mit der Gemeinde fest vereinbart, sagte Kai Gnidtke.

Doch nun hätten sich die Rahmenbedingungen für das Vorhaben verschlechtert. „Der Pflegenotstand ist nun auch in unserer Region angekommen“, sagt Marion Gnidtke. Es werde händeringend Pflegepersonal gesucht. Und das gehe nicht dem G&G Pflegedienst allein so. Das Personal ist aber aus Sicht der Gnidtkes nicht das einzige Problem. Es gehe auch um den Kostendruck in der Branche privater Pflegedienste und die Ungewissheit darüber, mit welchen Instrumenten die Bundespolitik dem Pflegenotstand begegnen wird. Ihr Pflegedienst erhalte täglich Anrufe von Senioren oder deren Angehörigen, die Pflegeleistungen benötigten. Sie habe eine Warteliste mit 140 Namen, es sei schon belastend, Hilfebedürftigen absagen zu müssen, sagt Marion Gnidtke.

Der barrierefreie und rollstuhlgerechte Anbau an das bestehende Pflegewohnhaus soll laut den Gnidtkes möglichst bis Mitte nächsten Jahres fertig werden und über einen verglasten Verbindungsgang an die Infrastruktur des vorhandenen Gebäudes angeschlossen werden, erklärte Kai Gnidtke. Es seien zwei Etagen mit einem Flachdach geplant. Der Bauantrag sei bereits in Arbeit.

G&G beklagt, dass Politik nicht die richtigen Weichen für Pflege stelle

Marion Gnidtke, die auch Vorstandsmitglied in der Landesgruppe Hessen des Bundesverbands Privater Anbieter sozialer Dienst e. V. ist,

Marion Gnidtke, die auch Vorstandsmitglied in der Landesgruppe Hessen des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienst ist, kritisiert, dass die Bundesregierung nicht die richtigen Weichen stellt, um den Pflegenotstand zu beheben. „Die Politiker reden und reden statt zu handeln. Die Zeit läuft uns davon“, sagt sie. Als Beispiel nennt Gnidtke unter anderem die geplante Vereinheitlichung der Pflegeausbildung: Pflegekräfte sollen künftig sowohl in der Altenpflege als auch in der Kranken- und Kinderpflege einsetzbar sein. Damit drohe aber eine weitere Abwanderung von Fachkräften aus der Altenpflege. Denn in Krankenhäusern würden teilweise bis zu 600 Euro pro Monat mehr Gehalt bezahlt. Und die Klinken suchten ebenfalls weiteres Pflegepersonal. 

Daneben stünden die privaten Pflegedienste besonders unter Druck, weil die pauschalisierten Erstattungen der Pflegekassen die Kostensteigerungen der Betriebe nicht annähernd abdeckten. Die Erstattung berücksichtige auch nicht in ausreichendem Maße die Besonderheiten im Pflegekonzept von privaten Diensten. Theoretisch könnten private Dienstleister Vergütungen mit den Kassen

auch einzeln aushandeln. Aber das sei ein langer, steiniger Weg. Die Pflegereform – die Umstellung der Vergütung von Pflegestufen auf Pflegegrade – stelle das innovative Konzept der Hausgemeinschaften von G&G vor zusätzliche Probleme. Denn in den Gemeinschaften lebten viele noch relativ rüstige alte Menschen, deren Pflege nun oft schlechter als bisher vergütet werde. Schließlich fordert Gnidtke, dass das Image der Pflege aufgewertet werden müsse. Vielfach sei zu hören, dass diese Branche ihre Mitarbeiter schlecht bezahle. Das stimme aber nicht. In Zeiten des Fachkräftemangels könne man sich als Arbeitgeber so etwas gar nicht leisten.

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