Haushaltsloch größer als gedacht

Pläne für Kita-Ausbau in Ahnatal liegen auf Eis - Holzpreise lassen Kosten explodieren

Die Kita Königsfahrt in Weimar ist in die Jahre gekommen: Die Gemeindevertreter hatten beschlossen, die Kita zu sanieren und anzubauen. Doch durch eine massive Kostensteigerung liegt das Projekt nun auf Eis.
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Die Kita Königsfahrt in Weimar ist in die Jahre gekommen: Die Gemeindevertreter hatten beschlossen, die Kita zu sanieren und anzubauen. Doch durch eine massive Kostensteigerung liegt das Projekt nun auf Eis.

Die Lage bei der Kita-Betreuung in Ahnatal verschärft sich. Grund ist, dass der geplante Anbau an der Kita Königsfahrt in Weimar wesentlich teurer wird als ursprünglich geplant.

Ahnatal – Ursache dafür sind die steigenden Preise für Bauholz. Nun liegt die Sanierung vorerst auf Eis. So hatte sich Stephan Hänes den Start in den neuen Job vermutlich nicht vorgestellt. Denn schon im ersten Monat als Bürgermeister in Ahnatal muss der Rathauschef Lösungen für gleich zwei größere Probleme finden, von denen er eigentlich dachte, dass sie bereits in trockenen Tüchern sind.

Es zeichnet sich nämlich ab, dass die geplante Sanierung und der Anbau am Kindergarten Königsfahrt in Weimar wesentlich teurer werden, als ursprünglich vermutet – und auch das Loch im Haushalt ist wohl größer, als gedacht.

Für die Sanierung und den Anbau der Kita waren insgesamt eine Million Euro vorgesehen. „Es kommt nun eine Kostensteigerung von 521 000 Euro auf die Planung oben drauf“, sagt Hänes (SPD). Der Grund sei, dass der Anbau und das Dach des Kindergartens in Holzständerbauweise errichtet werden sollen. Doch die Kosten für Holz explodieren derzeit am Markt. „Es gibt kein Holz, und wenn es Holz gibt, dann ist es unbezahlbar teuer“, sagt Hänes.

Die Kostenexplosion kommt für Ahnatal zur Unzeit. Denn zwei weitere Faktoren verschärfen die Lage der Kinderbetreuung in Ahnatal. Die Gemeindevertreter hatten im vergangenen Jahr nicht nur beschlossen, die Kita Königsfahrt zu sanieren und anzubauen. Es sollte auch ein Neubau für unter Dreijährige in Weimar entstehen, getragen durch einen Freien Träger. Doch bisher habe das Kinderhaus Calden, das den Neubau plant, kein geeignetes Grundstück gefunden, erklärt Hänes.

Doch damit nicht genug der Probleme. „Es kommt hinzu, dass wir die Räume an der Helfensteinschule nicht mehr nutzen können“, sagt Hänes. Dort waren Kinder der Kita Königsfahrt in einer Interimslösung untergebracht. Doch ab dem neuen Schuljahr benötigt die Schule die Räume selber. „Ich stehe also unter großem Zeitdruck“, sagt der Bürgermeister. Er will jetzt das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen. „Ich hoffe, dass man uns die Räume noch ein weiteres Jahr zur Verfügung stellt.“

Zu allem Überfluss ist zudem auch das Loch im Haushalt größer, als bisher angenommen. „Das Defizit ist doch noch mal höher, als mir bei der Übergabe bekannt war“, sagt Hänes, der Ende März die Amtsgeschäfte von seinem Vorgänger Michael Aufenanger (CDU) übernommen hat.

Die Gemeindevertreter hatten im Februar mit knapper Mehrheit dem Haushalt und einer Anhebung der Grundsteuer zugestimmt, um das Minus von über einer Million Euro um die Hälfte zu senken. „Wenn das Defizit jetzt doch größer ist, müssen wir uns wieder in den politischen Gremien zusammensetzen und sehen, was wir machen“, sagt der Rathauschef. Denn die Kommunalaufsicht hatte bereits signalisiert, einen Haushalt mit höherem Defizit nicht zu genehmigen.

Die gestiegenen Kosten für die Kita-Sanierung haben allerdings keinen Einfluss auf das Minus im Haushalt 2021. Grundsätzlich finanziere die Gemeinde ihre Investitionen über Kredite. Das Defizit erhöhe sich dadurch zunächst nicht, erklärt Hänes. Die Kosten schlagen sich erst in den Folgejahren durch Abschreibungen und Zinsen nieder.

Trotzdem könnte die immense Kostensteigerung das Aus für die Sanierung bedeuten. Alles müsse noch mal auf den Prüfstand, sagt Hänes. „Die politischen Gremien müssen entscheiden, wie es mit der Sanierung weitergeht.“ Bis jetzt seien noch keine Wände rausgerissen, das sei „ein bisschen Glück im Unglück.“ Die Fraktionsvorsitzenden hat er bereits informiert. Es sei Konsens gewesen, offen nach Lösungen zu suchen. Die Frage, ob der Kindergarten saniert oder die Gemeinde einen Neubau finanzieren sollte, hatte im vergangenen Jahr zu hitzigen Debatten geführt und in weiten Teilen den Wahlkampf und die Wahl bestimmt.

Vor allem die Eltern hatten sich für einen kommunalen Neubau ausgesprochen und sogar ein Bürgerbegehren gegen die Entscheidung der Gemeindevertreter organisiert. Mit dem Elternbeirat hat sich Hänes gestern Abend getroffen, um über die Lage zu informieren.

Heute Abend kommt die neue Gemeindevertretung ab 19 Uhr zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Im Mai werden die Gemeindevertreter dann wieder einmal über die Zukunft der Kita Königsfahrt diskutieren.

Holzmarkt weltweit boomt - Preise steigen

Die Auftragsbücher sind voll aber die Lager leer. So sieht es derzeit in vielen Handwerksbetrieben aus. Holz ist ein knappes Gut. Grund ist der anhaltende Bau-Boom. Vor allem mit dem nachhaltigen Rohstoff Holz wird immer öfter gebaut, seien es Ein- und Zweifamilienhäuser, Büros oder Kitas. „Allein in Deutschland wuchs die Zahl der genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser im Januar knapp um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ebenso wie der Bau von Kitas, Büros und dem Hochbau“, heißt es dazu vom Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie.

Die Corona-Pandemie hat den Bau-Boom global noch einmal befeuert, wodurch die Nachfrage nach deutschem Holz auch im Ausland steigt. Hauptabnehmer sind China und die USA. Viele große Sägewerke exportieren derzeit massiv – was sich wiederum auf den Preis auswirkt. Bauen mit Holz wird immer beliebter und immer teurer.

Laut des Bundesverbandes ist durch die gute Baukonjunktur und durch Corona-Sondereffekte die Holzverwendung 2020 in Deutschland von 19,4 Millionen Kubikmeter auf 21 Millionen Kubikmeter angewachsen. Der Bundesverband geht für 2021 davon aus, dass die weltweite Nachfrage die globale Produktion übersteigen wird. (Amira El Ahl)

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