Norbert Künzel vertritt den erkrankten Rathauschef Stephan Hänes

Plötzlich Bürgermeister in Ahnatal

Er nimmt auch jetzt vor dem Schreibtisch Platz: Norbert Künzel ist seit vier Monaten Erster Beigeordneter in Ahnatal und übernimmt derzeit die Geschäfte von Bürgermeister Stephan Hänes, der aufgrund eines Herzinfarkts pausieren muss.
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Er nimmt auch jetzt vor dem Schreibtisch Platz: Norbert Künzel ist seit vier Monaten Erster Beigeordneter in Ahnatal und übernimmt derzeit die Geschäfte von Bürgermeister Stephan Hänes, der aufgrund eines Herzinfarkts pausieren muss.

Als Rentner hat man eigentlich viel Zeit. Aber als bei Norbert Künzel am 3. August das Telefon klingelte, da war es auf einen Schlag mit der Ruhe vorbei. Denn Ahnatals Bürgermeister Stephan Hänes, den Künzel als Erster Beigeordneter in Urlaubszeiten oder bei Notfällen vertritt, hatte einen Tag zuvor einen Herzinfarkt und musste ins Krankenhaus.

Ahnatal - Mittlerweile geht es Stephan Hänes wieder gut. Derzeit erholt er sich in der Reha. Und Künzel übernimmt seither die Geschäfte im Rathaus – und das nur vier Monate, nachdem er das Amt des Ersten Beigeordneten in Ahnatal übernommen hat. Sein Wunsch: Er will dem Bürgermeister alles „so gut vorbereiten wie möglich, sodass er das Gefühl hat, er war nie weg, wenn er wieder zurück ist“.

Im ersten Moment habe er schon gedacht: „Was macht der Hänes mit mir“, sagt Künzel und lacht. Aber das Team im Rathaus unterstütze ihn sehr. Und auch Hänes selbst ist nach seinem Krankenhausaufenthalt regelmäßig im Rathaus vorbeigekommen, um sich mit Künzel auszutauschen.

Ganz abschalten, das fällt dem Rathauschef schwer, der sonst immer in Bewegung ist. Aber auch wenn Hänes sicherlich das Telefon in der Reha immer griffbereit hat, „ich rufe ihn da nicht an, ich lasse ihn ganz in Ruhe an der See“, sagt der 65-Jährige. Schließlich stünden derzeit auch keine größeren Entscheidungen an, die eine Absprache nötig machten.

Für den sportbegeisterten Vater von zwei Söhnen ist das Leiten und Führen von Menschen nichts Neues. 14 Jahre lang hat er eine Einrichtung des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland geleitet, zuletzt war er an der Schule in Oberurff im Kellerwald tätig. Dazu gehöre eine große Portion Dienstleistungsgedanke, die ihm jetzt zugutekommt. Denn täglich rufen Ahnataler Bürger mit ihren Anliegen im Rathaus an. Dem einen ist der Bürgersteig an einer Stelle im Ort zu hoch, der andere weist darauf hin, dass irgendwo eine Hecke dringend geschnitten werden muss oder ein Sendemast zu nah an seinem Haus steht.

Seit anderthalb Jahren ist Künzel in Rente und hat jetzt somit genügend Zeit für sein Ehrenamt. Obwohl er natürlich auch so gut ausgelastet ist. Denn er macht nicht nur gerne Sport, er trainiert auch seit vielen Jahren Nachwuchsfußballer. Zehn Jahre lang war er Jugendtrainer im SVW 06 Ahnatal, wo er früher auch selbst gespielt hat, und seit zwei Jahren betreut er nun die B-Jugendlichen in der Verbandsliga beim OSC Vellmar.

Drei Mal die Woche steht er da abends auf dem Platz, natürlich auch jetzt. „Ich möchte die positiven Erfahrungen, die ich durch Mannschaftssport erlebt habe, an andere weitergeben“, erklärt er seine Motivation. Jupp Heynckes, der legendäre Fußballspieler und -trainer, habe mal gesagt, dass einen guten Trainer vor allem die soziale Kompetenz ausmache, für jeden Einzelnen da zu sein. „Das nehme ich mir als Richtschnur“, sagt Künzel.

Überhaupt ist er ein Teamplayer, der mit kleinen Gesten das lebt, was er sagt. Im Rathaus vertritt er jetzt zwar den Bürgermeister, aber auf den Chefsessel will er deshalb noch lange nicht. Ganz im Gegenteil. Er nimmt vor dem Schreibtisch des Bürgermeisters Platz, auch wenn er in dessen Büro arbeitet. „Dahinter sitzt der gewählte Bürgermeister, der wegen unglücklicher Umstände derzeit nicht da ist“, erklärt der Erste Beigeordnete. „Ich unterstütze ihn nur und sitze vor dem Schreibtisch.“

Das wird dann auch in ein paar Wochen wieder so sein, wenn Hänes aus der Reha zurück ist und die Geschäfte im Rathaus wieder aufnimmt. (Amira El Ahl)

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