Kritik an Agil

Eltern kümmern sich ums Essen: Seit Sommer fehlt Mittagsbetreuung in Heckershausen

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In der Grundschule Heckershausen in Ahnatal müssen die Eltern derzeit die Mittagsessen-Betreuung eigenständig organisieren. Von links beim Mittagessen: Janes Stein, Kerstin Ullmann (Mutter), Lotte Mauersberger, Lana Ullmann, Gioia Giambalvo, Erfan Yaghobi und Eliah Körber.

Eigentlich müsste sich Küchenpersonal um das Mittagessen in der Grundschule Heckershausen kümmern. Doch daran hapert es schon seit einer Weile. Die Eltern müssen ran. 

Es ist kurz nach 12 Uhr als die ersten Kinder in die Küche schauen und fragen, wann es endlich Essen gibt. „Wir haben Hunger“, sagt die achtjährige Lotte Mauersberger. Genau wie etwa 30 andere Kinder isst sie täglich in der Grundschule Heckershausen zu Mittag. Heute gibt es Suppe und zum Nachtisch Streuselkuchen mit Vanillesoße.

Als Kerstin Ullmann in die Küche kommt, geht es los. Sie löffelt Suppe auf tiefe Teller, räumt die Spülmaschine ein, kümmert sich darum, dass alle etwas zu essen bekommen. Ullmann arbeitet eigentlich im Rathaus der Gemeinde, aber seit dem Spätherbst hilft sie nebenbei mit anderen Eltern und einer Oma ehrenamtlich in der Mittagsausgabe der Nachmittagsbetreuung.

Normalerweise wird die Essensausgabe in der Grundschule durch finanziell geförderte Arbeitskräfte gestellt, die von Agil unterstützt werden. Agil ist die Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel. Bis August arbeitete eine Frau in der Essensausgabe, deren Förderung auslief. „Das war aber lange absehbar“, sagt Olaf Dortants, Vorsitzender des Elternbeirats. Er kritisiert, dass Agil es bis heute nicht geschafft habe, personellen Ersatz zu finden.

„Wir versuchen seither verzweifelt, jemanden zu finden“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Bereits Ende August hätte es das erste Vorstellungsgespräch gegeben, die Personen seien aber nicht in Betracht gekommen. Anfang November wurde das zugesagte Vorstellungsgespräch abgesagt. Zu einem weiteren Gespräch Anfang des Jahres seien die vier eingeladenen Personen erst gar nicht erschienen. 

Selber nach Personal suchen oder es anstellen kann der Landkreis jedoch nicht. „Wir sind darauf angewiesen, dass uns das Jobcenter jemanden zuweist“, erklärt Kühlborn. Für alles was der Landkreis freiwillig leiste – und dazu zählt die Mittagessensausgabe in den Schulen, die keine Ganztagsschulen sind – muss die Verwaltung Fördermittel suchen.

Geld gibt es zum Beispiel aus der Förderung „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ des Bundes. Damit sollen Menschen, die seit mindestens sechs Jahren arbeitslos sind, wieder eine Chance am Arbeitsmarkt bekommen. „Meine Mitarbeitenden suchen weiterhin nach möglichen Bewerbern für eine Stellenbesetzung an der Grundschule in Heckershausen“, erklärt Gregor Vick, Geschäftsführer des Jobcenters Landkreis Kassel. Viele der Kunden seien allerdings für die Stelle nicht geeignet oder die Anfahrtszeiten in Relation zur Arbeitszeit nicht zumutbar.

Zweieinhalb Stunden täglich von kurz vor 12 bis kurz nach 14 Uhr müsste sich die Person um die Essensausgabe kümmern. Nach den Sommer- und bis zu den Herbstferien sind die zwei Betreuer der Nachmittagsbetreuung eingesprungen. „Aber die können sich auch nicht zerteilen“, sagt Dortants. Nach den Herbstferien fiel das Mittagessen ein paar Wochen aus, bis die Eltern die nötigen Papiere zusammen hatten. „Das war sehr schade“, sagt der achtjährige Janes Stein, der jeden Tag gerne in der Schule isst.

„Die Küche ist ein Treffpunkt für alle Klassen“, sagt Dortants. Wenn der wegfalle, fehle etwas. Deshalb hoffen er und die anderen Eltern, dass sich schnell eine Aushilfe finden lässt. Die jetzige Situation sei ein Systemfehler.

Das macht die Arbeitsförderungsgesellschaft Agil

Die Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel (Agil) ist eine hundertprozentige Tochter des Landkreises Kassel und eine gemeinnützige Gesellschaft. Seit 1994 bündelt der Landkreis dort als Träger Beschäftigungs-, Ausbildungs- und Qualifizierungsprojekte. In Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern entwickelt die Agil spezielle Beschäftigungsprojekte und akquiriert dazu Fördermittel von EU, Bund, Land, Agentur für Arbeit und Kommunen, wie es auf ihrer Webseite heißt. Hauptgeschäftsfelder der Agil sind: 

  • Die Qualifizierung und Beschäftigung von erwerbslosen Menschen in gesellschaftlich nützlichen Betätigungsfeldern;
  • Ausbildung von jungen Menschen, insbesondere mit Förderbedarf;
  • Jugendberufshilfe;
  • Umsetzung von Jugendhilfeprojekten im Landkreis Kassel.

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