1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel
  4. Ahnatal

Spenden für Ahnataler Brandopfer übertreffen alle Erwartungen

Erstellt:

Von: Lutz Herzog

Kommentare

Große Hilfsbereitschaft in Ahnatal: Alina Kusnezov (von links), die Betroffene Lilly Huss und Silvia sowie Vanessa Damm sortieren die Spenden.
Große Hilfsbereitschaft in Ahnatal: Alina Kusnezov (von links), die Betroffene Lilly Huss und Silvia sowie Vanessa Damm sortieren die Spenden. © Lutz Herzog

In Heckershausen brannte ein Mehrfamilienhaus in der Nacht vom 12. auf 13. September aus. Die Opfer erhalten nun viel Unterstützung.

Ahnatal – Wenn Lilly Huss von dem erzählt, die sie bei dem Hausbrand durchlebte, läuft einem ein Schauer über den Rücken. Es ist schwer nachvollziehbar, was die 18-Jährige und zehn weitere Personen in dieser Nacht mitmachen mussten. In wenigen Momenten verloren sie fast alles, was sie besaßen.

Wenige Tage später kann die junge Frau schon wieder lächeln. Doch beim Erzählen wird sie ernst. Huss verbrachte den Abend bei ihrem Freund Malte Roschild, als der Brand im Erdgeschoss ausbrach, und sich rasend schnell nach oben ausbreitete. „In wenigen Sekunden war alles voller Rauch und Qualm“, sagt sie. „Wir bekamen kaum noch Luft und wussten nicht wohin – es gab keinen Fluchtweg.“

Ihre Verzweiflung war so groß, dass Lilly Huss ihre Eltern anrief, um sich zu verabschieden. Sie hatte Todesangst. „Mein Freund behielt zum Glück die Ruhe, schnappte sich seine im Zimmer liegende Taucherbrille, band sich ein Shirt um den Mund, und suchte für uns eine Fluchtmöglichkeit“, sagt die 18-Jährige. In einem anderen Raum, der nicht so stark verqualmt war, konnten sie an den Fenstern stehend nur hoffen, dass bald Hilfe naht.

Über eine Drehleiter der Feuerwehr konnten die beiden schließlich gerettet werden, bevor auch das Dachgeschoss in Flammen aufging. Mitnehmen konnten sie nur wenige persönliche Gegenstände wie Handy oder Brieftasche.

Auch Freunde und Bekannte erkannten sofort, dass die Betroffenen dringend Hilfe brauchen, denn alles Hab und Gut wurde ein Raub der Flammen – die Betroffenen standen vor dem Nichts. Vanessa Damm, eine gute Freundin von Lilly Huss, kam auf die Idee, nach Weimar zu fahren, um das Nötigste zu besorgen. Edeka-Marktleiter Egon Ackermann spendete 100 Euro, für die sie einkaufen konnte. Zunächst Hygieneartikel, Getränke und Lebensmittel. Schnell erkannte Damm, dass dies nicht ausreicht. Mit weiteren Helfern startete sie einen Aufruf über die sozialen Medien, der alle Erwartungen übertraf. „Innerhalb weniger Stunden spendeten die Ahnataler alles, was die erste Not linderte“, erzählt Damm. Die Gemeinde habe Räume im Dorfgemeinschaftshaus zur Verfügung gestellt. Schnell füllten Bekleidung, Schuhe, Decken, Bettwäsche, Hygieneartikel aber auch Hunde- und Katzenfutter, sowie Haushaltsartikel die Fläche. „Damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt Damm. „Die Hilfsbereitschaft hat alle Erwartungen übertroffen“. Rund 1000 Euro kamen noch hinzu. „Es lagen Umschläge mit Geld anonym einfach vor der Tür“, staunt sie Tage später immer noch.

Die Betroffenen sind inzwischen alle bei Verwandten und Freunden untergebracht. Zurück in seine Wohnung kann keiner mehr – Einsturzgefahr. Noch bis Ende der Woche können sich Betroffene an den Spenden bedienen. „Wir müssen die Aktion dann abschließen“, sagt Damm. Alles, was dann noch übrig ist, soll anderen Hilfsorganisationen zugutekommen.

Auch interessant

Kommentare