Kita-Streit sorgt für Zündstoff

Stichwahl in Ahnatal: Michael Aufenanger (CDU) gegen Stephan Hänes (SPD)

Wollen Bürgermeister in Ahnatal werden: Michael Aufenanger (CDU) und Stephan Hänes (SPD)
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Wollen Bürgermeister in Ahnatal werden: Michael Aufenanger (CDU) und Stephan Hänes (SPD)

Am 22. November entscheiden die Ahnataler, wer Bürgermeister wird. Nur 68 Stimmen haben Amtsinhaber Michael Aufenanger (CDU) und Herausforderer Stephan Hänes (SPD) im ersten Wahlgang getrennt. Wir haben mit den Kandidaten über den Endspurt im Wahlkampf gesprochen.

Herr Aufenanger, wie erschüttert sind Sie über ihr Wahlergebnis?
Michael Aufenanger: Im ersten Moment war ich sehr erschüttert. Die Themen kannte ich natürlich. Vielleicht habe ich die schlechte Stimmung nicht wahrgenommen, obwohl ich sehr intensiven Häuserwahlkampf betrieben habe. Das hat mich überrascht.
Herr Hänes, Sie liegen mit nur 68 Stimmen hinter dem Amtsinhaber. Haben Sie mit so einem guten Ergebnis gerechnet?
Die Wechselstimmung im Ort ist sehr groß, das habe ich gespürt. Am Anfang war ich über die ersten Ergebnisse etwas irritiert, da hatte ich mir mehr erwartet, aber das hat sich am Ende dann gelöst. 
Herr Aufenanger, ihr bestes Ergebnis haben Sie am Kammerberg eingefahren. Ihr schlechtestes im Briefwahlbezirk Weimar. Was haben Sie richtig und was falsch gemacht?
Aufenanger: Das kann ich nicht so genau sagen. Die Kita Königsfahrt war sicher mit ausschlaggebend. Das pressiert in Weimar am stärksten und ist sicher einer der Hauptfaktoren. Herr Hänes war vielleicht in Heckershausen vom Ergebnis überrascht, das hat wiederum meinen Erwartungen entsprochen.
Herr Hänes, Sie haben ihr schlechtestes Ergebnis am Kammerberg eingefahren.
Am Kammerberg sind wir traditionell nicht so stark aufgestellt. Ich glaube, das hat nichts mit dem Kandidaten zu tun. In der Vergangenheit waren die Wahlergebnisse da nie zufriedenstellend. 
Welche Lehren ziehen Sie daraus?
Für mich ist wichtig zu verstehen, warum die Leute nicht wählen. Vielleicht sind auch viele SPD-Wähler dabei gewesen. Das betrifft den Kammerberg genauso wie Heckershausen. Dort sind wir etwas schwächer geworden, durch eine Veränderung in der Bevölkerungsschicht. Trotzdem muss ich die Bürger an die Urne bekommen. 
Dabei gab es mit knapp 65 Prozent eine extrem hohe Wahlbeteiligung.
Aufenanger: Wenn ein Thema polarisiert, dann gehen mehr Leute an die Urne. Ein Feedback für mich ist, dass viele das nicht haben kommen sehen. Das ist das, worauf ich ganz klar setze. Meine Hoffnung ist, die Wahlbeteiligung zu steigern, weil vielleicht meine Wähler zu Hause geblieben sind. Am Ende wird entscheidend sein, wer mehr Wähler mobilisieren kann, und wie sich die 8,22 Prozent verteilen, die Michael Goldbach geholt hat. 
Haben Sie unterschätzt, welch emotionales Potenzial der Kita-Streit birgt?
Aufenanger: Das Thema habe ich immer sehr ernst genommen und in vielen Gesprächen positive Rückmeldungen bekommen. Es ist anscheinend nicht rübergekommen, dass wir dem Bürgerbegehren inhaltlich stattgegeben und den Beschluss geändert haben. Stehengeblieben ist, dass das Begehren für unzulässig erklärt worden ist. Dabei wird die U3-Betreuung gar nicht ausgelagert.
Hänes: Da organisieren sich Menschen, sammeln Unterschriften und werden nicht wahrgenommen. Das hat zu dem Ergebnis geführt.
Aufenanger: Das ist definitiv nicht so. Ich stehe mit den Eltern in Kontakt. Wir haben wahrgenommen, was sie beschäftigt, und das in den Beschlüssen angepasst. Hänes: Es sind viele Fehler in der Kitapolitik gemacht worden. Deshalb habe ich in Weimar so deutlich zugelegt.
Herr Aufenanger, haben Sie Fehler gemacht?
Aufenanger: Wir haben 2018 die U3-Betreuung am Kammerberg eröffnet. Alle Kinder haben einen Platz. Wir haben 86 Plätze in den letzten drei Jahren geschaffen. Wir müssen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen.
Hänes: Der Bürgermeister sagt, dass 86 Krippenplätze geschaffen wurden. Er war aber nie aktiv, diese Dinge voranzubringen. Die SPD-Ahnatal hat 2015 den Antrag gestellt. Das wäre die Aufgabe des Bürgermeisters gewesen.
Aufenanger: 2015 hatten wir eine sehr schwache Auslastung. Da haben wir darüber nachgedacht, reguläre Gruppen in Krippengruppen umzuwandeln. Das hat sich verschoben, und wir haben gehandelt. Man muss immer die Ausgangssituation sehen.
Trotz Sanierungsbeschluss wollen Sie einen Neubau. Versprechen Sie Dinge, die Sie nicht halten können?
Hänes: Ich habe zur Finanzierung Stellung genommen. Es gibt für 0,56 Prozent auf 20 Jahre festgeschriebene Zinssätze und Fördermittel. Die Möglichkeit eines Neubaus besteht. Zumal ich es für falsch halte, während der Öffnungszeiten anzubauen. Ich sehe die Gefahr, dass die Plätze wieder nicht reichen. Deswegen bin ich für einen Neubau und eine Erweiterung.
Dann müssten Sie zusätzlich einen Neubau in die Wege leiten?
Hänes: Muss man mal sehen. Jetzt gibt es den Beschluss, und wenn saniert wird müssen wir schauen, was mit den Kindern passiert, die im Sommer aus der Helfensteinschule in die Kita kommen. Wie geht es denn weiter?
Aufenanger: Wir wollen nicht nur sanieren, sondern eine zusätzliche U3-Einrichtung bauen. Der Beschluss schafft drei zusätzliche Gruppen. Wir brauchen einen funktionalen Anbau als Puffer. Da die Krippe noch nicht errichtet ist, wird das nötig sein. Wir wollen den Anbau bis zum Sommer realisieren.
Herr Hänes, Sie haben sich auf die Kita-Betreuung fokussiert. Haben Sie andere Themen vernachlässigt?
Hänes: Wer meinen Flyer sieht, weiß, dass ich andere Themen keinesfalls vernachlässige. Ich habe die Themen aus dem Haustürwahlkampf aufgenommen, wie den Bühl und den Wunsch nach besseren Straßen. Das waren immer Themen und werden es auch bleiben.
Können Sie die Kritik nachvollziehen?
Aufenanger: Ja. Aber als ich angefangen habe, wussten wir nicht, wie die Straßen aussehen. Ich habe angestoßen, sie systematisch zu erfassen und zu sanieren. Wir machen jetzt jedes Jahr eine Straße.
Hänes: Wir haben zwar eine Aufnahme gemacht, aber vieles ist liegen geblieben. 2018 waren 300 000 Euro für die Sanierung vorgesehen, 2019 wieder 300 000 Euro. Es wurde aber nur geflickt. Jetzt haben wir 600 000 Euro. Jedes Jahr eine Straße reicht nicht.
Ist es denn so, dass Sie Geld im Haushalt bereitstellen und nicht abrufen?
Aufenanger: Nein, wir setzen Beschlüsse um und sind gut aufgestellt. Derzeit werden mit dem Glasfaserausbau die Gehwege gepflastert. Ein Großteil der Mittel, die Herr Hänes angesprochen hat, werden da umgesetzt. Unser Anteil beträgt über 200 000 Euro. Es gibt aber Großprojekte wie das Gemeindezentrum, wo wir Mittel veranschlagt haben und schauen müssen, alles abzuarbeiten und Fördermittel zu akquirieren.
Lassen sich Projekte wie die Stahlbergbaude überhaupt noch umsetzen?
Aufenanger: Ja, die Mittel stehen im Haushalt bereit, aber wir müssen sehen, wie es sich entwickelt. Deswegen müssen wir genau schauen, was können wir noch machen.
Sie wollen auch die Umsetzung. Wie unterscheidet sich Ihre Position?
Hänes: Jetzt geht es darum, dass der Beschluss umgesetzt wird. Das ist in Ahnatal nicht selbstverständlich. Es gibt Beschlüsse, die liegen Jahre zurück und sind nicht umgesetzt worden.
Das ist der Vorwurf, den die SPD oft vorbringt.
Aufenanger: Wir haben vielfach bescheinigt bekommen, auch von der Kommunalaufsicht, dass es keine Probleme gibt. Fakt ist, wir arbeiten an allen Beschlüssen und setzen sie um.
Lassen Sie uns in die Zukunft blicken. Sollten Sie Bürgermeister werden, was sind ihre Pläne?
Aufenanger: Corona wird uns vor Herausforderungen stellen. Wenn man das verschweigt, ist das wenig seriös. Es wird darum gehen, unsere Gemeinde, wie in der Finanzkrise, auf Kurs zu halten.
Hänes: Nebulöse Ankündigungen, wie die des Bürgermeisters, sind nicht meine Sache. Ich will mich um Transparenz und Bürgerbeteiligung kümmern und die Menschen mitnehmen. Und was geplant wird, wird auch angepackt und umgesetzt.
Wenn der Wähler am 22. November Stephan Hänes wählt, bekommt er…
...einen Bürgermeister, der wieder Bürgernähe nach Ahnatal zurückbringt.
Und wenn er Michael Aufenanger wählt, dann bekommt er…
... einen, der Bürgernähe seit zwölf Jahren lebt und vor allem über Themen spricht, die umsetzbar und finanzierbar sind.

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