Ein Hurrikan im Wohnzimmer

23-jähriger Student zerlegte seine Einrichtung – 1200 Euro Strafe

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„Das war schon mehr ein Hurrikan als ein Kleinsturm, der da durch die Wohnung getobt ist.“ Mit diesen Worten kommentierte Amtsrichterin Ferchland die Strafe von 1200 Euro für einen 23-jährigen Studenten wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung.

Der junge Mann hatte gestanden, im Mai seine möblierte Wohnung in Ahnatal ziemlich umfassend zerlegt zu haben: Er zerschlug mehrere Stühle und einen Tisch, zertrümmerte die Mikrowelle auf dem Boden, zerdepperte eine Fensterscheibe und die Scheibe des Backofens und beschädigte sechs Türen. Weil er am Heizungskörper herumriss, floss Wasser aus, das 18 Quadratmeter Parkett zerstörte. In den Wänden blieben großflächige Wunden zurück.

Als Grund für den Amoklauf nannte er familiäre Probleme. Außerdem habe er an Depressionen gelitten. Näher erläutern wollte der Politikstudent den Hintergrund seines Ausrasters nicht.

Nach dem abendlichen Wohnungssturm sei er auf den Hof gekommen und habe ihr völlig ruhig gesagt, dass Wasser aus dem Heizkörper ausgelaufen sei, schilderte die Vermieterin gestern als Zeugin den Sachverhalt.

Als sie die völlig verwüstete Wohnung sah, habe sie unverzüglich ein Platzverbot ausgesprochen. Den beiden Mitbewohnerinnen, die später heimkamen, gab sie in ihrer Wohnung ein vorläufiges Dach über dem Kopf.

Die Vermieterin räumte auf, entsorgte die Trümmer, renovierte die Wohnung in Eigenleistung und präsentierte dem jungen Mann eine Rechnung über 4224,16 Euro.

Davon allerdings hat er bis heute keinen Cent bezahlt. Er habe die Verhandlung abwarten wollen. Richterin Ferchland gab dem Angeklagten einen kleinen juristischen Grundkurs über den Unterschied zwischen strafrechtlichen und zivilrechtlichen Verhandlungen. Die Feststellung des angerichteten Schadens sei nicht ihre Aufgabe, versuchte Ferchland dem jungen Mann zu erläutern. Mit den 4200 Euro sei er aber mit Sicherheit sehr gut bedient.

Dem schlaksigen Angeklagten war die ganze Sache sichtlich peinlich, zumal der Zuschauerraum mit einer kompletten Schulklasse gefüllt war. Geständnis und fehlende Vorstrafen bescherten ihm ein relativ mildes Urteil. Das hätte noch günstiger für ihn ausfallen können, hätte er eine gewisse Reue spüren lassen und sich vielleicht eine Entschuldigung bei seiner früheren Vermieterin abgerungen.

Er tat es nicht, bat nur um die Möglichkeit der Ratenzahlung. Außerdem ließ er die Geldstrafe in gemeinnützige Arbeitsstunden umwandeln.

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