Vorbereitung für Wettbewerb

Ein Faible für Wildpferde - Trainerin aus Ahnatal will in 120 Tagen einen Mustang zähmen

Magischer Moment: Die erste Berührung zwischen Pferdetrainerin Sina Lippe und dem Mustang.
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Magischer Moment: Die erste Berührung zwischen Pferdetrainerin Sina Lippe und dem Mustang.

Sina Lippe aus Ahnatal hat eine ganz besondere Aufgabe vor sich: Innerhalb von 120 Tagen will sie einen Mustang für einen Wettbewerb vorbereiten.

Ahnatal – Ruhig steht Sina Lippe vor dem Mustang, den Führstrick hält sie locker in der linken Hand. Mit ruhigen, fließenden Bewegungen streckt sie ihm ihre rechte Hand entgegen, zieht sie zurück und streckt sie erneut vor. Immer wieder kommt der Wallach ein winziges Stück auf sie zu, weicht zurück und nähert sich ihr wieder an. Dann ist es soweit.

Ganz langsam neigt der Mustang seinen Kopf und berührt mit den Nüstern für einen kurzen Moment die ausgestreckte Hand von Sina Lippe. Ein ganz besonderer Augenblick – die erste Berührung zwischen dem Wildpferd aus Amerika und seiner Trainerin aus Ahnatal.

Nur wenige Stunden zuvor hatte Sina Lippe den Mustang am Frankfurter Flughafen in Empfang genommen. 120 Tage hat sie nun Zeit, um ihn auszubilden. Dann wird er beim Finale der diesjährigen Mustang-Makeover-Trainer-Challenge in Aachen zeigen, was er gelernt hat. Er ist einer von 15 Mustangs, die im Rahmen der Challenge in den kommenden Wochen von Trainern aus mehreren europäischen Staaten ausgebildet werden. Diese hatten sich im Vorfeld um die Teilnahme beworben.

Sina Lippe ist bereits zum dritten Mal dabei. Die Veranstaltung soll laut den Organisatoren auf die schwierige Situation der Mustangs aufmerksam machen, die in Amerika in freier Wildbahn leben. Da die Flächen längst nicht genug Nahrung und Wasser für alle Wildpferde bieten, werden immer wieder Teile der Herden eingefangen und in Auffangstationen versorgt. Das Mustang-Makeover soll zum Schutz der Mustangs beitragen und ihnen ein neues Zuhause jenseits der Auffangstationen vermitteln. Im Anschluss an das Finale werden die Tiere versteigert.

„Das Besondere an Mustangs ist, dass sie noch vollkommen natürlich und ehrlich agieren und reagieren“, beschreibt Sina Lippe ihre Faszination für die Wildpferde. „Ich arbeite gezielt mit Körpersprache und Energie und bekomme von den Mustangs ein viel schnelleres Feedback als bei Pferden, die schon lange von Menschen geprägt sind.“

Da Sina Lippe bereits viel Erfahrung mit Mustangs hat, trainiert sie dieses Mal ein Wildpferd, das laut der Charakterbeschreibung zwar freundlich, aber auch schreckhaft und unsicher ist, sich gern mal losreißt und sich eher verletzen würde statt nachzugeben. Mit der ersten Begegnung ist sie sehr zufrieden. „Er ist zugänglich, war total aufmerksam und hat das, was ich gemacht habe, sehr gut verarbeitet“, erklärt sie.

In den nächsten Tagen hat der Mustang erst einmal Zeit in Ruhe anzukommen, sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen und zu merken, dass von seiner Trainerin keine Gefahr ausgeht. Bei der Arbeit mit dem Mustang wird es Sina Lippe dann im ersten Schritt darum gehen, ihm Sicherheit und Führung zu vermitteln. „Dann kommt das Vertrauen. Das Pferd lernt, dass es sich bei mir entspannen kann und ist bereit, mir zu folgen. Das ist die Basis. Darauf baue ich alles auf“, sagt Sina Lippe.

Zur Person Sina Lippe

Sina Lippe (32) lebt in Ahnatal und arbeitet als selbständige Pferdetrainerin. Sie ist ausgebildete Horsemanship-Trainerin, Pferdeosteopathin und Pferdephysiotherapeutin. Derzeit absolviert sie zudem eine Weiterbildung im Bereich der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) für Pferde und Hunde. Sie bietet Pferdetraining und osteopathische sowie physiotherapeutische Behandlung für Pferde an sowie Reitkurse in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (Meike Schilling)

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