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Unter Wasser auf Bojen-Jagd

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Von: Peter Dilling

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Unter Wasser nicht allein: Taucherin Eva Mayer und Signalmann Kai Göbel testen, ob die Telefonverbindung funktioniert.
Unter Wasser nicht allein: Taucherin Eva Mayer und Signalmann Kai Göbel testen, ob die Telefonverbindung funktioniert. © Peter Dilling

DLRG-Taucher stiegen in ihre Neoprenanzüge und übten mit Einsatzfahrzeugen die Rettung von untergegangenen Schwimmern in Ahnatal/Vellmar

Ahnatal/Vellmar – Während eines feucht-fröhlichen Grillabends am Bühl verleiht der genossene Alkohol einem der Feiernden scheinbar Flügel: Erklettert auf den Felsen, der steil in den Natursee abfällt, und stürzt sich kopfüber ins Wasser – und taucht nicht wieder auf.

Das ist ein Schreckensszenario, das am Bühl glücklicherweise noch keine Realität geworden ist. An so etwas könne er sich jedenfalls nicht erinnern, sagt Jan Credé aus Vellmar, Leiter des 25 Löpfe zählenden Wasserrettungszugs der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Landkreis Kassel. Allerdings habe sich vor ein paar Jahren ein Schwimmer bei solch einem Sprung einen Arm gebrochen. Er habe sich noch selbst ans Ufer retten können.

Am Montagabend sah es wieder so aus, als sei der Rettungszug dabei, einen Schwimmer aus dem See zu retten. DLRG-Einsatzfahrzeuge des Ortsvereins Vellmar standen auf dem Schotterplatz vor dem Kiosk, DLRGler schleppten ein Notstromaggregat, Schweinwerfer, Stromkabel und andere Ausrüstungsgegenstände eilig zum Bühl hinunter. Taucher schlüpften in ihre Neoprenanzüge, rückten ihre Atemmasken im Gesicht zurecht und kontrollierten den Druck ihrer Pressluftflaschen „Ist denn etwas Schlimmes passiert?“, fragte besorgt ein vorbeikommender Angler des Ahnataler Vereins, der den Bühl gepachtet hat.

Falls der Winter kalt genug wird, werden die Wasserretter im Bühl den Ernstfall proben

„Nur eine Übung“, konnte ihn Credé beruhigen. Bei der Wasserrettung kommt es auf Minuten an. Die DLRG-Taucher müssen lernen, sich unter Wasser schnell zu orientieren. Das muss regelmäßig geübt werden. Zumal der Ernstfall im Landkreis Kassel eher selten ist. Das sehe in den Kreisen Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner schon anders aus, erklärt Credé. Dort gebe es einfach mehr Gewässer.

Inzwischen haben Taucher, die von Einsatzleiter Bernhard Partsch dirigiert werden, kleine gelbe Bojen die an Gewichten hängen an verschiedenen Stellen am Grund des Sees versteckt. Sechs DLRG-Aktive, die noch in Tauchausbildung sind, sollen sie aufspüren. In der Schlickbrühe, die sie in mehr als zehn Metern Tiefe erwartet, ist das nicht so einfach. Früher erhielten die Taucher ihre Kommandos, indem ein Mann an Land an der mit den Tauchern verbundenen Sicherungsleine zog und dadurch eine Art Morsezeichen gab. „Inzwischen haben wir mit Unterstützung des Landkreises Kassel und der Sparkassenstiftung drei Tauchertelefone für insgesamt 12000 Euro anschaffen können“, berichtet Credé.

Falls der Winter kalt genug wird, werden die Wasserretter – gemeinsam mit der Feuerwehr – im Bühl den Ernstfall proben: Ein Spaziergänger, der sich auf brüchiges Eis auf dem See begeben hat, ist unter der Eisdecke verschwunden. Vielleicht sehen Badende DLRG-Retter auch in der nächsten Saison wieder. Die Gemeinde Ahnatal habe angefragt, ob die DLRG einen Wachdienst am See übernehmen könne, berichtet Credé. Ob es so kommt, sei noch nicht entschieden.

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