Ärger im Paradies

Verbote missachtet: Am Bühl in Ahnatal gibt es immer wieder Konflikte

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Ein Naturparadies: Im Sommer ist der Bühl in Ahnatal ein beliebtes Ausflugsziel für Menschen aus der ganzen Region. 

Ahnatal. Am Bühl gibt es immer wieder Ärger zwischen Badegästen, weil Verbote missachtet werden. Am Wochenende musste sogar dreimal die Polizei anrücken. 

Wochenlange Hitze, da hilft zur Abkühlung nur der Sprung ins kühle Wasser. Kein Wunder also, dass der Bühl in diesen Sommerferienwochen so gut besucht ist wie sonst selten. „Das ist schon eine Ausnahmesituation“, sagt Dieter Semdner, Leiter Zentrale Dienste und Soziales im Ahnataler Rathaus. „So voll ist es hier selten.“ Aber viele Menschen an einem winzigen Flecken Erde in sengender Hitze birgt jede Menge Konfliktpotenzial. Vor allem, wenn es Regeln gibt, die nicht von allen beachtet werden.

Wünscht sich Badespaß für alle: Hannah Weidmann aus Espenau kommt seit Jahren an den Bühl.

Hannah Weidmann kommt seit fünf Jahren regelmäßig an den Bühl. Und auch wenn sie nicht aus Ahnatal, sondern aus dem benachbarten Espenau anreist – sie fühlt sich verantwortlich für den See. Doch jetzt ist dieses kleine Paradies gefährdet. So jedenfalls empfindet es die 50-Jährige. „Die Grenze dessen, was der Bühl vertragen kann, ist erreicht.“

So sieht es auch Jutta Seminara. Die 62-jährige Ahnatalerin kommt seit ihrer Kindheit an den Bühl. „Ich möchte nicht klein Manhattan hier haben“, sagt Seminara. Das Problem: Es gäbe zwar eine Bühl-Verordnung, die regele, was erlaubt und verboten sei am Natursee, aber wenige hielten sich auch daran. Sie stört sich an lauter Musik, dem Benehmen vieler Badegäste, Alkohol, Müll, der nicht weggeräumt wird, freilaufenden Hunden und Gästen, die trotz Waldbrandgefahr am See grillen würden.

Alles verboten am Bühl. So steht es auf den Schildern, die an den Eingängen zum See stehen, aber offenbar ignoriert oder nicht gelesen werden. Hunde dürfen zum Beispiel weder auf die Liegewiesen mitgenommen werden noch im See baden. Und trotzdem halten sich einige Hundebesitzer nicht an diese Regel.

Hannah Weidmann gehört zu den Menschen, die sich nicht nur still aufregen, sondern aktiv werden. „Ich sag halt was“, dafür sei sie mittlerweile bekannt. Zurzeit sei es für sie kein Badespaß mehr, sondern nur noch anstrengend. „Man ist nur noch unterwegs und klärt die Leute auf.“ Und sie rufe die Polizei, wenn Badegäste uneinsichtig seien.

Brachte seinen Hund nach Hause: Ronald Blobner aus Kassel kommt gern an den See.

So wie am Sonntag, als dreimal die Polizei anrücken musste. Einen Einsatz hatte Ronald Blobner verursacht. Der 36-Jährige ist Rettungssanitäter und studiert derzeit in Kassel. Er komme häufig mit seinen Freunden an den See. „Wir wollen uns einfach entspannen.“ Hannah Weidmann liegt nicht weit von der Gruppe entfernt. „Mit der Frau gibt es nur Konflikte“, sagt Blobner. Am Sonntag hatte er seinen Dackel Knut mit an den See gebracht – unerlaubterweise, das weiß der 36-Jährige. „Aber er war angeleint und ich habe alle Leute um mich herum gefragt, ob der Hund sie störe.“

Hanna Weidmann störte das Tier. Blobner erzählt, Weidmann hätte ihm gesagt, er müsse mit seinem „Köter“ verschwinden. „Ich muss erst mal gar nichts“, habe er geantwortet. Das Wort Köter verbiete er sich. Bei der Polizei, die Weidmann rief, hätte sie behauptet, er habe sie beleidigt. Dem sei nicht so. „Ich bin einsichtig, wenn man mit mir redet.“ Es sei verständlich, dass es Regeln geben müsse. „Aber man muss ja nicht sofort die Polizei rufen. Das nervt.“ Die kam und Blobner brachte Knut nach Hause. Am Montag waren Blobner und seine Freunde wieder am See. Ohne Knut. Und ohne Konflikte.

Hunde verboten: Die Hinweisschilder stehen an den Zugängen zum Seegelände.

Polizei appelliert an die Vernunft 

Mit Blick auf den Bühl gäbe es bislang aus polizeilicher Sicht keine Auffälligkeiten im Vergleich zu anderen Seen, erklärt Polizeisprecher Matthias Mänz auf Anfrage der HNA. Beschwerden seien bis zur vergangenen Woche nur vereinzelt eingegangen. „Straftaten sind bis dahin in diesem Sommer am Bühl nicht angezeigt worden.“ 

Seit vergangener Woche hätten sich aber die bei der Polizei eingegangen Beschwerden gemehrt. „Das nehmen wir ernst und gehen dem im Einzelnen nach.“ So wurden am vergangenen Sonntag die Beamte des Polizeireviers Nord im Laufe des Tages insgesamt drei Mal von zwei Beschwerdeführerinnen zum Bühl gerufen. In zwei Fällen sei es dabei um frei umherlaufende Hunde gegangen. „Die Hundebesitzer wurden von den Beamten auf das bestehende Verbot hingewiesen und verwarnt.“ Im dritten Fall sei ein am See geparkter Roller Anlass der Beschwerde gewesen. „Die Streife stellte zudem fest, dass verschiedene Personen tragbare Grills mitführten, die daraufhin auf das Grillverbot und die derzeit hohe Brandgefahr hingewiesen wurden und sich einsichtig zeigten“, erklärt Mänz. 

Am vergangenen Freitagvormittag hätten zudem zwei stark alkoholisierte Männer mehrere Badegäste im Bereich des Bühls belästigt. Einer von Beiden, ein 20-Jähriger, randalierte dann auf einem Parkplatz am Bühlweg unterhalb des Freizeitgeländes, und beschädigte dabei zwei Pkw und zwei Roller. Beide Männer wurden festgenommen. Den 20-Jährigen nahmen die Beamten anschließend zur Ausnüchterung in Polizeigewahrsam. Er muss sich zudem wegen Sachbeschädigung verantworten.

Dieses Video ist ein Inhalt der Plattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt. 

Da der Bühl im Sommer ohnehin als beliebter Treffpunkt bekannt ist, werden die Beamten des Reviers Nord nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Mänz ihre Streifentätigkeit am Bühl entsprechend erhöhen. Darüber hinaus stünden sie bereits im engen Austausch mit der Gemeinde Ahnatal. „Nicht zuletzt bleibt jedoch der Appell an die Vernunft jedes Einzelnen, sich an die bestehenden Verbote zu halten und Rücksicht auf andere Besucher der Freizeitanlage zu nehmen.“

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