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Wenn der Hund Aquafitness macht: Ahnataler vertreibt Unterwasserlaufbänder für Vierbeiner

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Von: Valerie Schaub

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Fitness für den Hund: Bei Jochen Huffnagel in Ahnatal können Hundebesitzer ihre Tiere auf einem Unterwasserlaufband trainieren. Sein Hund Gobi ist schon eifrig dabei.
Fitness für den Hund: Bei Jochen Huffnagel in Ahnatal können Hundebesitzer ihre Tiere auf einem Unterwasserlaufband trainieren. Sein Hund Gobi ist schon eifrig dabei. © Valerie Schaub

Fitness für Hunde – damit hat sich ein Ahnataler selbstständig gemacht. Auf seinem Unterwasserlaufband können Hundebesitzer ihre Vierbeiner trainieren.

Ahnatal – Der Golden Retriever Gobi aus Ahnatal ist mit seinen 13 Jahren für einen Hund zwar schon alt, dafür aber noch ganz schön fit. Mit Gassigehen begnügt er sich schon lange nicht mehr, bei ihm steht Krafttraining auf dem Plan. Seit der Diagnose Arthrose geht der Hund zum Aquajogging. Seine Lebenserwartung hat sich laut Herrchen damit schon erhöht.

Klingt verrückt? Für Jochen Huffnagel aus Ahnatal ist Fitness für Hunde mittlerweile zum Berufsalltag geworden. Er vertreibt das passende Fitnessgerät dazu: ein Unterwasserlaufband.

In seinem Büro am Kammerberg steht das Schwergewicht: ein leerer Glaskasten mit Hebeln, Schläuchen und Skalen. Huffnagel klappt die lange Seite herunter und lässt seinen Hund über eine Gummimatte in den Kasten spazieren. Dann dreht er einen Hahn auf, es gluckert und Wasser sprudelt um Gobis Beine. „An dieser Stelle werden Hunde meist nervös“, sagt Huffnagel. Für Gobi ist das längst Routine.

Seine Wassertrainingshöhe beträgt 18 auf der Skala am Beckenrand, seine Wohlfühlgeschwindigkeit 4,5. Das entspricht etwa zwei Stundenkilometern, erklärt Huffnagel. „Es geht nicht um Schnelligkeit.“ Er stellt das Laufband an und Gobi läuft mit. Weil er es so toll macht, gibt Huffnagel ihm ein Leckerli.

Zehn solcher Trainingseinheiten hatte der Tierarzt dem Rüden bei der Diagnose verschrieben, erinnert sich sein Herrchen. Durch den Verschleiß in seinen Gelenken habe er sich nicht mehr bewegen wollen, weil er Schmerzen hatte. „Bei der Wasserhöhe trägt er nur 15 bis 20 Prozent seines Körpergewichts und die Tiefenmuskulatur wird trainiert.“

Huffnagel kennt sich mit Wasser aus: Der studierte Sportwissenschaftler hat 14 Jahre lang den Unterwasserladen an der Wilhelmshöher Allee in Kassel betrieben. Als sein Retriever krank wurde, war er gerade dabei, den Job zu wechseln. Für die Trainingseinheiten von Gobi fand er keinen Tiertherapeuten, und so kam eins zum anderen.

Und so sieht es in Aktion aus: Bei dieser Wasserhöhe hat der Hund nur einen Bruchteil seines Körpergewichts zu tragen.
Und so sieht es in Aktion aus: Bei dieser Wasserhöhe hat der Hund nur einen Bruchteil seines Körpergewichts zu tragen. © Heiko Meyer/NH

Mittlerweile reist der 54-Jährige in alle möglichen Tiereinrichtungen, um das Laufband zu verkaufen. Zuletzt hat er ein Hundehospiz bei Cottbus besucht. Auch Polizeihunde aus Niedersachsen nutzen das Laufband laut dem Ahnataler. Der Großteil seiner Kunden sind Tierphysiotherapeuten, aber auch Tierkliniken und -ärzte. Nur ein kleiner Teil sind Privatkunden, sagt er. Kein Wunder, denn die günstigste Version liegt bei 20 000 Euro.

Dafür hat Huffnagel eine Lösung: Er nennt sie „Huffys fit“, die erste Fitnesskette für den Hund. In einer Kooperation mit Sagaflor werden die Geräte in Tiermärkten aufgebaut. Besitzer können Trainingseinheiten buchen und, nachdem sie eine Einweisung mit einem Hydrotrainer bekommen haben, selbstständig das Band bedienen. Auch am Kammerberg trainieren bereits zehn weitere Hunde.

Gobi hat es für heute geschafft, er darf im Frottee-Hundebademantel entspannen. Und wer sich jetzt fragt: Reicht nicht das Gassigehen? Dem antwortet Huffnagel: Der Mensch neigt zur Trägheit. 20 Minuten Training im Wasser seien effizienter als zwei Stunden Spaziergang.

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