In Kassel Geimpfte gingen leer aus

300 Menschen wollen Eintrag in den Impfpass

Gina Krafzik aus Fuldabrück zeigt im umfunktionierten Gewächshaus zufrieden ihren Impfausweis mit dem frischen Corona-Impfeintrag.
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Wartezeit lohnte sich: Gina Krafzik aus Fuldabrück zeigt im umfunktionierten Gewächshaus zufrieden ihren Impfausweis mit dem frischen Corona-Impfeintrag.

Kurz vor 19 Uhr am Donnerstagabend bildet sich eine lange Schlange von Menschen vor einem großen Gewächshaus an der Oberzwehrener Straße in Kassel. So als gäbe es hier im Ausbildungs- und Qualifizierungszentrum des Landkreises Gemüse- und Salatpflanzen zu Ramschpreisen zu ergattern. Dabei ging es um einen Eintrag in den Impfpass.

Kreis Kassel – Doch die geduldig im Regen Wartenden wollen nur einen Eintrag und eine Arztunterschrift in ihrem Impfpass, die bescheinigen, dass sie bereits die zweite Corona-Schutzimpfung erhalten haben. Der Landkreis hatte die Impfung zunächst nicht in den Impfpass eingetragen. Nun gibt es den Eintrag doch.

Mitarbeiter des Kreises haben dafür Gärtnerei-Utensilien beiseite geräumt, um Platz für eine Reihe von Tischen aufzustellen. Dort müssen die Besucher ihre Personalien und Impfdaten kontrollieren lassen, um dann am letzten Tisch den ausgefüllten Ausweis ausgehändigt zu bekommen.

Etwa 300 Geimpfte aus dem Landkreis sind es am Ende, die den begehrten Eintrag im Impfpass erhalten. Die ersten hätten bereits am Morgen nachgefragt, viele auch schon über eine Stunde vor der Öffnung des Gewächshauses, berichtet Peter Stahl, ärztlicher Leiter des Impfzentrums Calden. Eine Reihe von Besuchern, die sich in die Schlange einreihen wollen, müssen allerdings ohne den begehrten Impfpass-Eintrag nach Hause gehen. Teilweise werden sie schon vom Security-Dienst abgewiesen.

Denn nur Landkreisbewohner, die sich im Impfzentrum Calden haben impfen lassen, erhalten den begehrten Eintrag. Wer sich die Pikse im Impfzentrum Kassel an der Eissporthalle geholt hat, geht leer aus. So erklärt es auch Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises, den Leuten in der Schlange. Dafür haben nicht alle Verständnis.

Warten im Regen: Vor dem Gewächshaus im Ausbildungszentrum des Landkreises bildete sich eine lange Schlange.

„Jetzt habe ich eine dreiviertel Stunde umsonst gewartet, um für meinen 84-jährigen Schwiegervater den Nachweis zu bekommen“, sagt Wolfgang Preuß aus Baunatal. Er ist sichtlich aufgebracht. Schließlich sei doch wohl nur der Nachweis der Impfung an sich entscheidend, nicht der Ort. Die Chargen-Nummern der Kasseler Impfungen könne man nicht überprüfen, versucht Kühlborn zu erklären. Hätte man diese Daten nicht mit dem Kasseler Impfzentrum abgleichen können, fragt der Mann. Das gehe aus Gründen des Datenschutzes nicht, erklärt der Kreissprecher.

„Das kann nicht sein, da stehen doch schon andere Impfungen drin“, schimpft Pia Winter, die aus Wattenbach gekommen ist, um für eine Angehörige den Impfpass-Eintrag zu bekommen. Obwohl sie alle Unterlagen dabei hat, scheitert sie daran, dass sie nur einen alten Notfallausweis hat. Für einen Corona-Impfeintrag sei dieser nicht geeignet, heißt es.

Es gibt jedoch auch viele, die mit der Abwicklung zufrieden sind. Zumindest einer Reihe von ihnen geht es bei dem Eintrag im Impfpass gar nicht darum, die künftigen kleinen Freiheiten für Geimpfte zu nutzen. „An Urlaub denke ich dieses Jahr noch nicht. Es gibt momentan Wichtigeres. Erst muss alles wieder ins Lot kommen“, sagt Gina Krafzik. Die junge Frau ist schon geimpft, weil sie in der ambulanten Pflege in Fuldabrück arbeitet. Den Pass-Eintrag habe sie rein vorsorglich machen lassen, falls eine Impfpflicht oder ein digitaler Impfpass komme.

Franz Siemen aus Vellmar sagt, den Eintrag habe er nur machen lassen, weil das Dokument, das das Impfzentrum ihm ausgestellt hat, zu unhandlich sei, um es ständig bei sich zu tragen. Auf Freiheiten setze er noch nicht. Es sei ungerecht, wenn Geimpfte Vorteile hätten, während die Übrigen unverschuldet noch weiter warten müssten.

Von Peter Dilling

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