„Wir hatten ein Rekordjahr“ 

Altkreis Kassel: Unwetter und Unfälle sorgten 2019 für zahlreiche Einsätze der Feuerwehren 

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Einsatz an einem verschobenen Haus in Oberkaufungen: Dominik Lee Stolberg (links) und Sebastian Bach von der Feuerwehr Altenbauna halfen mit der Drehleiter.

Die Feuerwehren im Altkreis Kassel mussten 2019 häufiger ausrücken als im Vorjahr. Rudi Viehmann von der Kaufunger Wehr spricht von einem Rekordjahr. 

  • Die Feuerwehren im Altkreis Kassel mussten 2019 häufiger ausrücken als im Vorjahr. 
  • Die häufigste Art der Einsätze sind technische Hilfsleistungen
  • Unwetter im Frühjahr sorgten unter anderem für Einsätze bei Hochwasser.

Das Martinshorn war im vergangenen Jahr häufiger zu hören, denn Wehren im Altkreis Kassel mussten immer wieder ausrücken.

„Wir hatten sogar ein Rekordjahr“, sagt Rudi Viehmann, Sprecher der Kaufunger Wehr. 189 Mal schrillten für die Kaufunger Brandschützer 2019 die Alarmglocken – das sind 47 Einsätze mehr als noch im Vorjahr.

Feuerwehr Kaufungen: Mehr Einsätze wegen Drehleiter

Ein Grund für den starken Anstieg ist laut Viehmann, dass die Feuerwehr Kaufungen über eine Drehleiter verfügt. „Damit helfen wir den Nachbarwehren immer wieder aus, wenn sie mit ihrem Gerät nicht weiterkommen“, erklärt der Sprecher. 

So zum Beispiel auch am 21. Juli bei einem typischen Einsatz in Niestetal, als eine Katze aus einem Baum befreit werden musste.

Häufigste Einsatzart sind technische Hilfsleistungen

Für regen Betrieb bei den 51 Feuerwehrfrauen und -männern sorgten aber vor allem sogenannte technische Hilfeleistungen wie bei der Beseitigung von Ölspuren, bei Türen, die aufgestemmt werden mussten, aber auch bei Rohrbrüchen

„Auch da helfen wir über Kaufungens Grenzen hinaus aus, und das ist die häufigste Art von Einsatz“, sagt Viehmann.

Überflutet: Von der Fuldastraße im Niestetaler Ortsteil Sandershausen ist nichts mehr zu sehen. Das Bild entstand am 21. Mai. Auch hier war die Feuerwehr im Einsatz.

Auch in Baunatal mussten die Wehrleute häufiger ihre Schutzkleidung überstreifen als noch ein Jahr zuvor. „Wir hatten 215 Einsätze im vergangenen Jahr“, sagt Philipp Wagner, stellvertretender Stadtbrandinspektor. Das sei zwar nur ein leichter Anstieg, aber der Trend gehe nach oben.

Feuerwehren bekämpfen heute weniger Brände

Wie Wagner berichtet, habe sich die Feuerwehrarbeit grundlegend geändert. Feuer bekämpften die Baunataler Wehrleute kaum noch. „Früher hatten wir mehr Brände, heute leisten wir mehr technische Hilfe“, sagt Wagner und bestätigt die Aussage seines Kaufunger Kollegen Rudi Viehmann. 

Das liege an der ausgereifteren Elektronik, die immer seltener Feuer verursacht. „Auch Rauchmelder tragen dazu bei, dass es weniger Feuer gibt.“ Gleichzeitig sei bei Unfällen mehr Hilfe gefragt, beispielsweise wenn ein Lkw-Fahrer nach einem Aufprall aus dem Führerhaus befreit werden müsse.

Wenn die insgesamt 253 Wehrleute auch weniger Feuer zu löschen haben, steigt laut dem stellvertretenden Brandschutzchef die Zahl der Waldbrände. „Das liegt wohl auch am Klimawandel und es könnte in den kommenden Jahren noch schlimmer werden.“ 

Baunatal blieb von den Stürmen weitestgehend verschont

Jörg Granica und Verena Viehmann von der Feuerwehr Kaufungen retteten eine Katze aus einem Baum in Sandershausen.

Von den Stürmen im März und Mai seien die Baunataler Stadtteile bis auf wenige Ausnahmen weitestgehend verschont geblieben. „Das liegt unter anderem am Gebirgszug Langenberg, der einiges abhält“, erläutert Wagner.

Mehrere Unwetter in Vellmar

Im Kasseler Norden, in der Stadt Vellmar, wirke sich das veränderte Klima stärker in Form von Stürmen aus. „Ein- bis zwei Mal im Jahr fegt ein großes Unwetter hier rüber und sorgt für bis zu 30 Einsätze am Tag“, sagt Stadtbrandinspektor Pierre Besson. 

Vor allem bei den Unwettern im März und im Mai hätten seine Kollegen und er das zu spüren bekommen. Die Zahl der Einsätze sei aber dennoch in den vergangenen Jahren recht konstant geblieben.

153 Einsätze im Mai wegen Hochwasser

Beim Blick auf den gesamten Landkreis Kassel mit 28 Städten und Gemeinden wird deutlich, dass 2018 das Jahr mit den meisten Einsätzen war: 2400 Mal rückten die Wehren aus. 2019 belegt mit 2231 Einsätzen Platz zwei in einem Sechs-Jahres-Vergleich. Beim Blick auf 2019 sticht besonders heraus, dass die Wehrleute im Landkreis Kassel 245 Unwetter-Einsätze hatten. 

Das geht laut Kreisbrandinspektor Sebastian Mazassek vor allem auf den Sturm am 10. März zurück, bei dem Wehren aus 22 Kommunen im Einsatz waren. Das Hochwasser vom 21. und 22. Mai habe in Lohfelden, Kaufungen, Helsa und Niestetal für 153 Einsätze gesorgt. 

Kontinuierlich gestiegen sei die Anzahl der Unfälle, bei denen die Feuerwehrfrauen und -männer vor Ort waren: von 94 (2014) auf 177.

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