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Amphibien-Wanderung kommt im Landkreis Kassel kaum in Gang

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Von: Daniel Göbel

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Kröten auf einer Wiese.
Jedes Jahr wandern Kröten und Lurche zu ihren Laichgewässern. In diesem Jahr läuft die Wanderung aber aufgrund der Witterungsverhältnisse nur schwer an. © Karlheinz Germandi

Die Amphibienwanderung kommt in diesem Jahr in Hessen laut Naturschutzverbänden kaum in Schwung. Nachdem es zunächst vor allem nachts zu kalt gewesen sei, mache derzeit vor allem die Trockenheit den Tieren zu schaffen. Das bestätigen auch die Nabu-Gruppen in der Region. Zwar seien die Tiere in einigen Bereichen bereits aktiv, größere Wanderungen blieben aber bislang aus.

Kreis Kassel – Wie das Kasseler Regierungspräsidium auf Nachfrage bestätigt, liegen der Oberen Naturschutzbehörde bisher nur vereinzelt Meldungen über Wandergeschehen in der Region vor, wie Sprecher Hendrik Kalvelage erklärt. Aktuell liegen demnach Meldungen aus dem Raum Helsa vor. „Insgesamt gehen wir aber davon aus, dass die alljährliche Straßenquerung unmittelbar bevorsteht“, so Kalvelage.

Zwischen Helsa und Friedrichsbrück seien die Kröten und Lurche bereits fleißig dabei, zu ihren Laichplätzen zu wandern, wobei sie die Straße queren müssen. „Wir sind quasi mittendrin“, sagt Martin Lange, Vorsitzender der Nabu-Gruppe Kaufungen/Lohfelden. Gemeinsam mit seiner Frau und weiteren Naturschützern kümmert er sich um den sicheren Transport der Tiere.

Morgens und abends werden die Tiere aus Eimern an einem Schutzzaun eingesammelt und über die Straße zu den Laichgewässern getragen. „So konnten wir in diesem Jahr bereits über 1000 Tieren über die Straße helfen“, sagt Lange. Er rechne jedoch nicht damit, dass in den kommenden Wochen noch viele weitere Tiere folgen werden. „Es soll ja noch mal richtig kalt werden, das wird sie aufhalten.“

Eine Möglichkeit zum Schutz von Verkehrsteilnehmern und Amphibien sind Straßensperrungen während der Nachtstunden. Im Landkreis ist davon die Landesstraße zwischen Helsa und Friedrichsbrück betroffen. Gesperrt werden die Straßen nur dann, wenn tatsächlich Amphibien unterwegs sind. Naturschützer der beteiligten Umweltorganisationen entscheiden vor Ort kurzfristig und tageweise, ob eine behördlich angeordnete Straßensperrung in Kraft gesetzt oder vorübergehend wieder aufgehoben wird. Dazu stimmen sie sich eng mit den Verkehrs- und Naturschutzbehörden ab, erläutert Kalvelage.

Auch Werner Bellon, Vorsitzender des Nabu Fuldatal, sieht die Krötenwanderung in diesem Jahr nur schwer in Gang kommen. „Es gab Mitte Februar eine Wärmeperiode, wo wir gedacht haben, wir müssten jetzt schon Zäune aufstellen. Dann folgte ein Kälteeinbruch mit nächtlichem Frost“, erklärt er die schwierigen Witterungsbedingungen für die Tiere. Das habe sich in der Nacht vom 26. auf den 27. März jedoch schlagartig geändert, weil es auch nachts relativ mild war. „Wir sind dann gesondert losgegangen, um die Tiere einzufangen“, berichtet Bellon, der mit weiteren Naturschützern zwei Zäune betreut. So habe man in Wilhelmsthal bisher 181 Tiere und in Fuldatal 233 sicher über die Straßen bringen können.

Noch keine intensiven Wanderungen gab es bislang an den Gewässern im südlichen Bereich des Landkreises. Bernd Enders von der Nabu-Gruppe Habichtswald ist dazu nichts bekannt. Auch er nennt als Grund dafür, dass die klimatischen Bedingungen bislang eher schwierig gewesen seien. Trockenheit und frostige Nächte hätten die Tiere vom Wandern abgehalten. Das könnte sich nun aber schon bald ändern. (Daniel Göbel)

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