App bietet perfekt gegarte Eier

Lichtenberg-Schüler entwickeln Programm, das eigenständig lernt und arbeitet

Die Schüler der Lichtenberg-Schule in Kassel (von links) Timo Robrecht, Torben Köhler und Youssef Gude mit einem Handy vor der Lichtenberg-Schule.
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Wollen ihr Wissen im maschinellen Lernen weitergeben: die Schüler der Lichtenberg-Schule in Kassel (von links) Timo Robrecht, Torben Köhler und Youssef Gude.

Torben Köhler aus Immenhausen beschreibt sich selbst als technikaffinen Menschen. Der 18 Jahre alte Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule hat im Chemie-Unterricht eine App entwickelt.

Kreis Kassel – Mit der Handy-Anwendung wird es vereinfacht, chemikalische Zusammenhänge zwischen Elementen, die Salzverbindungen bilden, zu verstehen. Während die App mittlerweile an mehreren Schulen im Landkreis Kassel eingesetzt wird, präsentiert der 18-Jährige bereits sein nächstes Projekt.

Gemeinsam mit seinen beiden Mitschülern Timo Robrecht und Youssef Gude will Torben Köhler das Wissen um das maschinelle Lernen mit anderen Menschen teilen. Dafür haben die Schüler in ihrer Freizeit die App EierML entwickelt, die es kostenlos über den Apple-Store gibt. „Wir dachten uns, wie wäre es, wenn wir einer Maschine beibringen, Eier zu kochen“, erklärt Köhler die Idee.

Was für Laien erst einmal abstrakt klingt, haben die Schüler dann in die Tat umgesetzt. Dafür haben sie erst einmal eine große Menge an Daten gesammelt, aus denen der Computer lernen kann. 60 Eier wurden gekocht, deren Härtegrade notiert und akkurat in eine Datenbank eingebaut. „Auf dieser Grundlage haben wir die App entwickelt, die nun berechnen kann, wie lange ein Ei braucht, um exakt den gewünschten Härtegrad zu erzielen“, erklärt Köhler.

Die App eignet sich bestens zum Eierkochen und ist in der Bedienung relativ leicht. Zuerst wird die Größe des Eis auf einer Schablone bestimmt, die von der App angezeigt wird. Per Regler kann die Größe angepasst werden. Ist dies geschehen, kann der Nutzer auf einer Skala von eins bis zehn den gewünschten Härtegrad zwischen weich und hart einstellen. Dann startet ein Timer und es klingelt, wenn das Ei fertig ist.

„Das Ergebnis kann nie falsch sein, weil Maschinen sich nicht irren, wenn die Daten korrekt sind. Das ist auch das große Potenzial, das im maschinellen Lernen liegt“, sagt Youssef Gude. Die Schüler ermöglichen mit der App aber nicht nur perfekt gegarte Eier, sondern wollen damit auch Wissen vermitteln und dazu anregen, durch maschinelles Lernen eigene Projekte zu erschaffen. So gibt es zur App eine Homepage mit Tutorial, das alle Schritte und Informationen rund um die Entwicklung der App zum Verstehen und Nachvollziehen bietet. Auch innerhalb der App finden Nutzer jede Menge Informationen und Abbildungen.

Gefunden haben sich die jungen App-Entwickler durch Zufall. Torben Köhler leitet die Informatik-AG, dort traf er auf seine beiden Mitschüler Timo Robrecht und Youssef Gude, die daran interessiert waren, ihre Kenntnisse im Programmieren zu erweitern und dies in ein Projekt münden zu lassen. Torben Köhler arbeitet bereits mit einer Firma in Kalifornien in Sachen App-Entwicklung zusammen. Auch Youssef Gude könnte sich vorstellen, später in dem Bereich zu arbeiten, Tim Robrecht hingegen nicht. „Für mich ist das ein Hobby, das ich nebenher betreibe“, sagt der 17-Jährige.

Neben aller Begeisterung für maschinelles Lernen müsse man sich aber vor allem damit auseinandersetzen, was geht, und was nicht geht. „Codes und Programme sind nie gefährlich, sie können nichts missinterpretieren, solange der Erschaffer ethische Grundsätze beachtet“, sagt Torben Köhler. (Daniel Göbel)

Die App und den dazu gehörigen Blog gibt es unter eierml.ml-projects.de

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