Fuldataler Ehepaar soll 25 000 Euro zahlen

„Auf Schockanrufe fallen wir nicht herein“

Ältere Frau am Telefonhörer
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Trickbetrüger sorgten am Telefon für Panik: Betrüger gaukelten einem Fuldataler Ehepaar vor, dass ihre Tochter und einen Unfall verwickelt war.

Herzzerreißend hätte die Frau ins Telefon geschluchzt, als sie vor knapp zwei Wochen bei Familie Schmidt (Name von der Redaktion geändert) anrief und sich als deren Tochter ausgab. Sie hätte einen tödlichen Unfall verursacht, die Polizei hielte sie fest, sie bräuchte dringend Hilfe und Geld.

Fuldatal – „Da ist uns das Herz erst mal in die Hose gerutscht“, sagt Ursula Schmidt (74), die den Anruf entgegennahm. Was sie und ihr Mann in dem Moment noch nicht wussten: Es handelte sich um einen sogenannten Schock-anruf. Am Telefon, welches auf Lautsprecher geschaltet war, war nicht etwa die Tochter des Ehepaares, sondern Betrüger, die auf diesem Wege an Geld kommen wollten. „Wir dachten immer, auf so etwas fallen wir nicht herein“, sagt Manfred Schmidt (81). Schließlich hätten sie in den vergangenen sieben Jahren schon vier Enkeltrick-Anrufe erhalten und es jedes Mal direkt gemerkt.

Doch dieser Anruf sei anders gewesen. „Die Frauenstimme am Telefon klang nicht exakt wie unsere Tochter“, berichtet Ursula Schmidt, doch durch das viele Schluchzen sei sie sich unsicher gewesen. Ein Mann hätte das Telefonat übernommen und sich als Polizist ausgegeben. Auf mehrfache Nachfrage nannte er den Namen Müller und die Polizeistation Vellmar.

Der vermeintliche Polizist schilderte dem Ehepaar erneut die Lage: „Wir haben Ihre Tochter festgenommen. Gegen 25 000 Euro Kaution lassen wir sie wieder frei“, seien in etwa seine Worte gewesen. Das sei ihnen merkwürdig vorgekommen, sagt der 81-Jährige. Doch dass Unfallverursacher in Deutschland nicht direkt festgenommen werden und zur Freilassung keine Kaution gefordert wird, hätten sie bislang nicht gewusst.

„Der falsche Polizist fragte die Adresse unserer Tochter zum Datenabgleich bei mir ab“, sagt Ursula Schmidt und schüttelt dabei fassungslos den Kopf. Die Tochter würde sich wegen des Schocks in psychologischer Betreuung befinden und sei nun nicht mehr zu sprechen.

Besonders makaber – vor einigen Jahren kam Ursula Schmidts Bruder bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Ihre weinende Schwester rief damals an, um von dem Unfall zu berichten. Der Schockanruf brachte also viele schlechte Erinnerungen zurück. „Außerdem lebt unsere Tochter in Vellmar, es hätte also tatsächlich passiert sein können“, sagt Ursula Schmidt. Auch, wenn sie sich sicher sei, dass ihre Tochter niemals mit Handy am Ohr Auto fahren würde.

Die Betrüger hätten großen psychischen Druck aufgebaut am Telefon, schildert Manfred Schmidt die Situation. Die Rentner waren in Sorge und fuhren nach dem etwa zehnminütigen Telefonat zur Polizeistation in Vellmar. Dort beruhigten die Einsatzkräfte das Paar und nahmen eine Anzeige gegen Unbekannt auf. „Kaum vorzustellen, wie es ausgegangen wäre, würde unsere Tochter weiter weg leben“, sagt Manfred Schmidt. „Dabei sind wir sonst immer so vorsichtig.“

Die Fuldataler hätten noch versucht, die Telefonnummer zurückzuverfolgen, doch auf dem Display ihres Festnetztelefons seien statt einer Nummer nur Buchstaben angezeigt worden. Ihrer Tochter ginge es zum Glück gut, auch hätten sie kein Geld bezahlt. Doch der Schock sitze tief. „Wir hoffen, dass das der letzte Anruf dieser Art war“, sagt Ursula Schmidt.

Von Theresa Lippe

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