Auf Tuchfühlung mit dem Eiskoloss

Kaufunger Fotografenpaar Pfaff beobachtet gigantischen Eisberg in der Antarktis

Auf Tuchfühlung mit dem riesigen Eisberg: Elvira und Hans-Gerhard Pfaff präsentieren ihr
+
Auf Tuchfühlung mit dem riesigen Eisberg: Elvira und Hans-Gerhard Pfaff präsentieren ihr

Das Kaufunger Fotografenpaar Elvira und Hans-Gerhard Pfaff traf bei einer Antarktis-Expedition auf den gigantischen Eisberg, der jetzt auf Kollisionskurs in Süd-Georgien ist und dort zu einer Gefahr für viele Tiere wird.

Kaufungen – „Es ist ein gewaltiger Brocken. Auch wenn er nicht so riesenhoch aus dem Wasser ragt. Seine Ausdehnung ist unvorstellbar groß. Wir sind stundenlang an dieser Eiswand entlang geschippert, ohne ein Ende zu sehen.“ Den nachhaltigen Eindruck, den der Anblick von Eisberg „A68a“ auf Hans-Gerhard Pfaff hinterließ, ist dem Kaufunger auch ein knappes Jahr später noch deutlich anzumerken. Damals, im Dezember 2019, befand sich der Reisejournalist und Buchautor gemeinsam mit Ehefrau Elvira an Bord der „Hanseatic Nature.“ Die Jungfernfahrt, welche das brandneue deutsche Expeditions-Kreuzfahrtschiff von Südamerika aus in die Antarktis führte. Diese Premierentour mit weiteren 200 Passagieren, darunter der bekannte TV-Naturwissenschaftler Ranga Yogeshwar, sollten die Pfaffs für die Reederei Hapag Lloyd dokumentieren.

Eine Aufgabe, welche die Nordhessen bereits auf dem Vorgängerschiff übernommen hatten. Doch diesmal mit einer spektakulären Wende. „Um den riesigen Eisklotz, der sich vom Schelfeis des Südpol-Kontinents gelöst hatte, in Augenschein zu nehmen, fuhr unser Kapitän extra einen Umweg, um uns dieses Schauspiel zu bieten. Wir näherten uns bis auf 200 Meter, waren also fast auf Tuchfühlung mit dem Eisberg“, schildert Elvira Pfaff die Begegnung der besonderen Art. Ein Naturereignis, welches das Kaufunger Ehepaar sozusagen „auf den letzten Drücker“ erleben durfte. „Nach uns war durch Corona bald Schluss mit Fahrten in die Antarktis, und das gilt bis heute“, erklärt Hans-Gerhard Pfaff. Dieses exklusive Treffen erhält in diesen Tagen noch einmal eine besondere Bedeutung. Bilder des europäischen Weltraum-Satelliten „Sentinel 2“ haben gezeigt, dass „A68a“ – so die wissenschaftliche Bezeichnung – direkt auf die Inselgruppe Südgeorgien zutreibt. Da der riesige Eisklotz mit einer Ausdehnung von 4200 Quadratkilometern fünfmal so groß ist wie Berlin, würde ein Zusammenstoß mit der Hauptinsel (3756 km²) fatale Folgen haben. „Es wäre eine Naturkatastrophe größten Ausmaßes. Für tausende junger Pinguine, Robben und Seeelefanten wäre das der sichere Tod“, sagt Pfaff.

Falls „A68a“ vor Südgeorgien strandet, würde dort nicht nur der Seeboden völlig zerstört, auch die Jagdgründe der Tiere wären versperrt. „Dadurch müssten sie so lange Umwege nehmen, dass sie ihren Nachwuchs nicht mehr rechtzeitig füttern könnten.“ Das wäre ihr sicherer Tod, so malt Pfaff ein düsteres Bild von der Zukunft der Fauna auf dem kargen Eiland im stürmischen Südatlantik.

Doch noch gibt es Hoffnung. Das sturmumtoste, zu riesigen Wellenbergen aufgepeitschte Meer des Südatlantiks könnte den Eiskoloss aus seiner bisherigen Bahn lenken. Nördlich vorbei an Südgeorgien, hinein in die Weiten des Atlantischen Ozeans, wo er langsam zu Wasser abschmelzen würde.

Von Rolf Wiesemann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.