Autofahrer sollen mehr zahlen

Höherer CO2-Preis würde mehr als 50 000 Pendler im Kreis treffen

Die Debatte um höhere Spritpreise nimmt an Fahrt auf: Bereits jetzt sind die Kosten für einen Liter Benzin oder Diesel im Zuge des CO2-Preises gestiegen.
+
Die Debatte um höhere Spritpreise nimmt an Fahrt auf: Bereits jetzt sind die Kosten für einen Liter Benzin oder Diesel im Zuge des CO2-Preises gestiegen.

Die Kosten für einen Liter Benzin müssen bis 2023 um 16 Cent pro Liter steigen, hat die Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock angekündigt und damit teils Empörung ausgelöst. Allerdings wird der Preis für Kraftstoffe ohnehin in den kommenden Jahren steigen.

Kreis Kassel – Die Bundesregierung hat eine Staffelung des CO2-Preises bis zum Jahr 2025 beschlossen, die bereits jetzt schon Auswirkungen auf alle Kraftstoffpreise hat. Das trifft besonders Menschen, die täglich zur Arbeit pendeln müssen. Im Landkreis Kassel fahren täglich 52 118 Menschen zu ihrer Arbeitsstätte in einen anderen Landkreis. Das geht aus dem Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit hervor. Die Top-Ziele sind demnach die Stadt Kassel, der Schwalm-Eder-Kreis und Göttingen.

Die Grünen im Kreis Kassel stehen hinter der Forderung ihrer Bundesspitze. „Wir wollen früher und schneller die Klimaschutzziele erreichen, zum Schutz künftiger Generationen“, sagt Edmund Borschel, Sprecher der Grünen-Kreistagsfraktion auf Nachfrage unserer Zeitung. Man habe aber auch den sozialen Aspekt im Blick und wolle Pendler mehr entlasten. „Nach den Plänen der Bundesregierung sollen die Bürger nur durch eine Senkung der EEG-Umlage sowie durch die Anhebung der Pendlerpauschale entlastet werden. Wir Grüne wollen hingegen die Einnahmen aus dem CO2-Preis vollständig als Energiegeld an die Menschen auszahlen“, so Borschel.

Im Landkreis seien die Alternativen zum Autofahren in vielen Fällen noch immer unzureichend. „Deshalb wollen wir Radwege und den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ausbauen. Dies haben wir auch im Koalitionsvertrag für den Landkreis Kassel mit der SPD so festgeschrieben und werden für Verbesserungen des Verkehrsangebotes abseits des Autos sorgen.“

Der Nordhessische Verkehrsverbund plant laut Sprecherin Sabine Herms zum Fahrplanwechsel im Dezember eine deutliche Angebotserweiterung. Aber auch in den vergangenen Jahren habe sich in Sachen Streckenerweiterung schon einiges getan, sagt Herms. Beispiele seien eine schnelle Direktverbindung von Hofgeismar nach Kassel beziehungsweise Nordrhein-Westfalen, die 2018 mit dem Rhein-Ruhr-Express geschaffen wurde. Im vergangenen Dezember richtete der NVV zudem die neue Linie 151 von Wolfhagen über Naumburg/Emstal nach Fritzlar ein. Zudem wurde die Linie 152 (jetzt 153) von Emstal/Schauenburg nach Großenritte zur Tram wieder eingerichtet.

Die Spritpreis-Debatte erhitzt auch die Gemüter an der Zapfsäule. „Man kann nur hoffen, dass Frau Baerbock nicht Bundeskanzlerin wird. Für Berufstätige, die auf das Auto angewiesen sind, ist das eine Schweinerei“, sagt Achim Richter aus Baunatal an der Westfalen-Tankstelle in der Knallhütter Straße an der A 49. „Man merkt es jetzt schon, dass man beim Tanken tiefer in die Tasche greifen muss“, sagt Hans Joachim Schalow aus Felsberg, der nach eigenen Angaben das Auto beruflich wie privat sehr viel nutzt. „Elektroautos sind derzeit leider noch keine Alternative. Die Infrastruktur ist noch nicht ausreichend vorhanden“, so Schalow.

Wieviele Ladesäulen es im Landkreis Kassel gibt, wird laut Sprecher Harald Kühlborn beim Landkreis nicht verzeichnet. Laut dem Onlineportal Ladesäulenregister gibt es in Stadt und Kreis Kassel insgesamt 95 Ladepunkte an 42 Stationen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.