60 Prozent mehr Holzeinschlag

Bäume im Reinhardswald leiden unter Wasserstress

Kahle Waldstücke, gefällte Bäume: So sieht es im Reinhardswald nahe der Sababurg aus. Das Foto entstand im Dezember 2020.
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Kahle Waldstücke, gefällte Bäume: So sieht es im Reinhardswald nahe der Sababurg aus. Das Foto entstand im Dezember 2020.

Der Zustand von Hessens Wäldern hat sich nach Einschätzung von Förstern 2020 noch einmal verschlechtert. Wir berichten über den Zustand in den Wäldern des Landkreises - heute im nördlichen Landkreis Kassel.

Kreis Kassel – Der Wald im Forstamtsbezirk Reinhardshagen leidet – insbesondere durch die warmen Sommer der vergangenen drei Jahre, erklärt Klemens Kahle vom zuständigen Forstamt Reinhardshagen. Damit einher gingen zu niedrige Niederschläge in den Vegetationsperioden, also in dem Jahresteil, in dem eine Pflanze aktiv wächst. Gerade in den tieferen Bodenschichten, bei etwa einem Meter Tiefe, fehle das pflanzenverfügbare Wasser.

„Die Waldbäume leiden deshalb unter Wasserstress“, berichtet Kahle. Dadurch seien die Nadelhölzer anfällig für den Borkenkäfer und beim Laubholz führe es zu Laubverlusten und Schäden an der schützenden Baumrinde. Durch sie könnten laut Kahle holzzersetzende Pilze eindringen, „die den Laubbaum, hier vor allem die bei uns am häufigsten vorkommende Buche, zum Absterben bringen“.

Im Jahr 2020 seien im Forstamtsbezirk Reinhardshagen fast 200 000 Kubikmeter Schadholz angefallen. Unter normalen Bedingungen dürfe das Forstamt nur 130 000 Kubikmeter Holz einschlagen. „Das heißt, der Holzeinschlag liegt 60 Prozent über dem normalen Holzanfall“, erklärt Kahle.

Über 3000 Hektar baumlose Kahlflächen seien seit 2018 entstanden. Der Nadelholzbestand, der durch den Borkenkäferbefall abgestorben ist, aber noch steht, liege bei rund 1000 Hektar – das mache fast 20 Prozent der Staatswaldfläche aus.

Sollte auch 2021 zu wenig Niederschlag fallen, „verschärft sich der Trockenstress der Bäume mit Folgeschäden weiterhin“, befürchtet Kahle – der Schadensumfang würde weiter zunehmen. Niederschläge, die auch die tieferen Bodenschichten erreichen, seien wichtig. Nur so könne das Wasser durch die Baumwurzeln aufgenommen werden. (Lara Thiele)

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