Corona hat Absatzmärkte verädnert

Jetzt wird der Müll teurer - Entscheidung über höhere Abfallgebühren im Landkreis Kassel

Entsorgt das Altpapier: Landkreis-Mitarbeiter Markus Kraft mit einer Altpapiertonne an der Wilhelm-Leuschner-Schule in Niestetal-Heiligenrode.
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Entsorgt das Altpapier: Landkreis-Mitarbeiter Markus Kraft mit einer Altpapiertonne an der Wilhelm-Leuschner-Schule in Niestetal-Heiligenrode.

Ob Papier, Plastik oder Restmüll: Um ihren Abfall entsorgen zu lassen, müssen die Bürger des Landkreises Kassel ab 1. Januar 2021 wohl tiefer in die Tasche greifen.

Kreis Kassel - Das teilen Landrat Uwe Schmidt und Uwe Pietsch, Leiter des Eigenbetriebs Abfallentsorgung, mit. Noch muss der Kreistag am 2. Dezember über die Erhöhung entscheiden, diskutiert wurde sie aber schon. Stimmen die Abgeordneten für die Preissteigerung, zahlen die Bürger künftig für alle Tonnen von 80 bis 1100 Liter mehr (Hintergrund). Grund für die „moderate Erhöhung“ sind laut Schmidt und Pietsch gestiegene Kosten und sinkende Vermarktungspreise. Maßgeblich dafür sei die Corona-Pandemie. Sie habe zum Einbruch der Absatzmärkte geführt.

Die Situation lässt sich am Altpapier veranschaulichen: Der Vermarktungspreis für Altpapier sei um rund 40 Euro pro Tonne gesunken und so niedrig wie nie in den vergangenen 25 Jahren. „Allein dadurch reduzieren sich unsere Einnahmen gegenüber 2019 um rund 800 000 Euro“, sagt Pietsch. Gleichzeitig bekam der Kreis früher Geld für Altholz, nun zahlt er 30 Euro pro Tonne für die Verwertung. Das sorge für 50 000 Euro Mehrkosten pro Jahr.

Obendrein, erklärt Pietsch, wirke sich die neue Düngegesetzgebung aus. Nun dürften weniger Kunststoffpartikel in einem Kubikmeter Komposterde enthalten sein. Der größere Aufwand koste 250 000 Euro mehr im Jahr.

Zuletzt waren die Gebühren zum Januar 2020 erhöht worden. Die erneute Anpassung der Gebühren begründet Schmidt: „Was wir nicht absehen konnten, waren die Auswirkungen der Pandemie auf die Märkte für Abfälle und Wertstoffe.“

In den Jahren zuvor waren die Kosten stetig gesunken: 2012 hatte der Landkreis die Gebühr um 13,7 Prozent gesenkt, 2017 noch mal um 3,3 Prozent. „Wir hatten in den Jahren erhebliche Rücklagen angesammelt“, sagt Pietsch. Zu viel dürfe aber nicht angespart werden. „Daher haben wir die Gebühren jeweils gesenkt.“ Angesichts gesunkener Rücklagen und der gestiegener Kosten müsse nun erneut erhöht werden. Pietsch hoffe, die Gebühren auch in den kommenden drei Jahren stabil halten zu können.

Die neuen Abfallgebühren

Die Kosten für die Leerung des 80-Liter-Behälters steigen monatlich von 15,90 Euro auf 17,20 Euro; für den 120-Liter-Behälter zahlen die Bürger statt 23 Euro 24,88 Euro; die 240-Liter-Tonne wird statt für 44,29 Euro für 47,91 Euro geleert. Und für den 1100-Liter-Behälter fallen statt 168,66 Euro künftig 182,44 Euro an.

In der Abfallgebühr sind inbegriffen: jeweils 26 Leerungen des Restmüllbehälters sowie der gestellten Biotonne pro Jahr und eine Papiertonne mit 13 Abfuhren pro Jahr. Außerdem ist die Entsorgung von Sperrmüll, Elektrogroß- und Kleingeräten, metallischem Sperrmüll und Sonderabfälle in der Gebühr inbegriffen. Die Kommunen Baunatal, Fuldabrück, Kaufungen und Reinhardshagen haben zwar dieselben Gebühren, müssen sie aber noch einmal für sich festlegen, da sie eigene Müllgebührensatzungen haben.

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