Nachfrage übersteigt Angebot

Baubranche leidet unter Holzmangel - Handwerker aus Landkreis Kassel fordern Politik zum Handeln auf

Holz wird für viele Bauprojekte benötigt – aber das Material ist derzeit kaum verfügbar. Das Foto entstand Anfang des Jahres in Naumburg beim Kita-Neubau in Holzständerbauweise.
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Holz wird für viele Bauprojekte benötigt – aber das Material ist derzeit kaum verfügbar. Das Foto entstand Anfang des Jahres in Naumburg beim Kita-Neubau in Holzständerbauweise.

In Deutschland ist derzeit kaum noch Holz auf dem Markt verfügbar – die Nachfrage übersteigt das Angebot, vor allem wegen des Bau-Booms im In- und Ausland. Das macht sich auch im Landkreis Kassel bemerkbar.

Kreis Kassel – Betroffen sind davon fast alle Branchen, die mit Holzverarbeitung zu tun haben. Peter Hellmuth fordert die Politik zum Handeln auf, weil er befürchtet, dass sich das Problem von allein nicht lösen lassen wird. Er ist Zimmermeister mit einem eigenen Holzbaubetrieb in Baunatal, außerdem Obermeister der Zimmerer-Innung Kassel.

Die Preise seien in die Höhe geschossen und das Material knapp. Dabei werde Holz dringend benötigt: „Wir können keine Energiewende schaffen, wenn wir nicht mit Holz bauen“, sagt er, denn Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Die Preise steigen laut Hellmuth nicht nur für die Betriebe, sondern letztendlich auch für den Kunden – das könne beim ein oder anderen die Baufinanzierung kippen.

„Das Holz, was im Wald liegt, ist nicht das, was wir gebrauchen können“, sagt Hellmuth. Es müsse getrocknet und bearbeitet werden. Stefan Walther, Vorsitzender der Waldinteressenten Großenritte, bestätigt, dass das Holz für den Bau gewisse Qualitätsanforderungen erfüllen muss. Die Annahme, dass in den Wäldern aufgrund der Trockenheit und des Borkenkäfers genug Holz für den Markt zur Verfügung steht, sei ein Trugschluss.

Walther ist zudem auch Bauherr: Gerade baut er ein Mehrfamilienhaus in Großenritte mit Mietswohnungen. Bei seinem Bauprojekt habe er den Holzmangel noch nicht zu spüren bekommen. Allerdings hätten die Firmen, die auf der Baustelle tätig waren, davon berichtet, dass sich massive Veränderungen bemerkbar machen.

Das bestätigt Christian Abendroth, Architekt aus Schauenburg: Firmen könnten aktuell fast ausschließlich Tagespreise ohne Bindefristen anbieten. „Einige geben schon keine Angebote mehr ab, weil sie nicht wissen, ob sie im Sommer die Ausführung überhaupt garantieren können“, berichtet Abendroth. Seine aktuellen Baustellen seien nicht in Gefahr, weil sich die Handwerker um Vorlieferanten bemühten, die teilweise noch Holz im Lager haben. Manche große Händler warten laut Abendroth jedoch auf mehrere hundert Kubikmeter Holz.

„Alternativen zum Holz gibt es zum Beispiel beim Holzrahmenbau, der mittlerweile 50 Prozent meiner Projekte betrifft, leider nicht“, sagt der Schauenburger Architekt. Er glaube nicht, dass durch die Holzknappheit der klassische Massivbau wieder an Bedeutung gewinnt.

Der Holzmangel betrifft nicht nur Menschen mit privaten Bauprojekten, sondern auch Kommunen: Für die Sanierung und den Anbau der Kita Königsfahrt in Ahnatal-Weimar hatte die Gemeinde eine Million Euro eingeplant (wir berichteten). Nun kommt eine Kostensteigerung von mehr als 500 000 Euro hinzu, wie Bürgermeister Stephan Hänes (SPD) berichtet. Denn der Anbau und das Dach sollen in Holzständerbauweise errichtet werden – eine verbreitete Bauweise für Fertighäuser mit kurzer Bauzeit, die ohne die üblichen tragenden Wände auskommt. Unter anderem aus diesem Grund liegen die Pläne für den Kita-Ausbau erst einmal auf Eis.

Dachdeckermeister Peter Bärwald mit eigenem Betrieb in Fuldatal kennt das Problem auch: „Wir wissen derzeit nicht, wann und zu welchen Preisen wir unsere Holz- und Dämmstoffmaterialen bekommen. Dies gefährdet mittlerweile die Existenz von einigen Betrieben und macht uns das tägliche Arbeiten schwer.“ Er sieht, wie Hellmuth, die Verantwortung bei der Politik – etwa mit Handelsbeschränkungen und Zöllen. „Es kann doch nicht sein, dass wir aus der USA keinerlei Impfstoff erhalten, während die US-Amerikaner uns das Holz zollfrei wegkaufen“, so Bärwald.

Bau-Boomsorgt für steigende Preise bei Holz

Der Grund für die Holzknappheit ist der anhaltende Bau-Boom – Holz ist als nachwachsender und damit nachhaltiger Rohstoff immer mehr gefragt. „Allein in Deutschland wuchs die Zahl der genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser im Januar knapp um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ebenso wie der Bau von Kitas, Büros und dem Hochbau“, heißt es dazu vom Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie.

Auch die Nachfrage nach deutschem Holz auch im Ausland steigt. Hauptabnehmer sind derzeit China und die USA. Viele große Sägewerke exportieren derzeit große Holzmengen – was sich wiederum auf den Preis auswirkt, der massiv steigt.

Laut dem Bundesverband ist durch die gute Baukonjunktur und durch Corona-Sondereffekte die Holzverwendung 2020 in Deutschland von 19,4 Millionen Kubikmeter auf 21 Millionen Kubikmeter angewachsen. Der Bundesverband geht für 2021 davon aus, dass die weltweite Nachfrage die globale Produktion übersteigen wird. (Lara Thiele)

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