Für viele Betriebe kaum Auswirkungen

Bauhandwerker im Landkreis Kassel haben trotz Coronakrise volle Auftragsbücher

Bau- und Ausbauhandwerker wie beispielsweise Dachdecker haben in der Krise kaum einen Auftragseinbruch verzeichnet. Manche hatten sogar mehr zu tun.
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Bau- und Ausbauhandwerker wie beispielsweise Dachdecker haben in der Krise kaum einen Auftragseinbruch verzeichnet. Manche hatten sogar mehr zu tun.

Viele Betriebe leiden während der Pandemie. Manche haben aber trotz der Ausnahmesituation viel zu tun, beispielsweise die Bau- und Ausbauhandwerker.

Kreis Kassel – „Viele Menschen haben ihr Geld im Lockdown in die eigenen vier Wände investiert, statt es zum Beispiel für den Urlaub oder andere Konsumgüter auszugeben“, erklärt Barbara Scholz von der Handwerkskammer Kassel. Hinzu komme, dass Bau- und Ausbaubetriebe entweder draußen oder nicht in direktem Kontakt mit ihren Kunden arbeiten.

„Wir haben eine durchweg gute Auftragslage“, sagt Konrad von Berlepsch, Meister in der Holzmanufaktur Kassel in Fuldabrück. Bei dem Betrieb handelt es sich um eine Werkstattgemeinschaft mit vier Meistern und mehreren Mitarbeitern. Teilweise sei es fast eher schwierig, alle Aufträge zu erfüllen. Die Holzmanufaktur als Möbel- und Bautischlerei macht laut von Berlepsch ausschließlich Sonderanfertigungen, sowohl für Privatkunden als auch für öffentliche Einrichtungen.

Bei der Auftragslage habe es keinen Einbruch durch Corona gegeben – die einzige Veränderung sei, dass man mit Maske beim Kunden arbeite. Auch die Auszubildenden seien weiterhin im Betrieb. „Wir sind immer auf der Suche nach Mitarbeitern“, sagt von Berlepsch, auch wenn die Holzmanufaktur im Moment gut ausgestattet sei.

„Wir haben nicht groß unter Corona gelitten“, sagt Andreas Jung von der Firma „Jung Solar“ in Schauenburg, die im Bereich Fotovoltaik, Solarwärme und Energieberatung tätig ist. Es habe sogar Mehrarbeit gegeben, weil viele im Bereich der erneuerbaren Energien Fördermittel in Anspruch genommen hätten. Im ersten Lockdown habe es etwas weniger zu tun gegeben, aber kein Mitarbeiter habe in Kurzarbeit geschickt werden müssen. Einzig die Praktika fielen weg, weil die Schulen sie in der Krise absagten.

Der Dachdeckermeisterbetrieb Bärwald und Zinn in Fuldatal hat die Krise „im letzten Jahr kaum gemerkt“, sagt Geschäftsführer Andreas Zinn. Lediglich im April habe es ein paar Verzögerungen gegeben, was aber im zweiten Halbjahr wieder aufgeholt worden sei. Dass es jetzt im Winter weniger Aufträge gibt, sei witterungsbedingt normal im Dachdeckergewerbe.

Finanziell hat der Betrieb laut Zinn die Krise überhaupt nicht gemerkt, „wir mussten auch keine Hilfen in Anspruch nehmen“. Durch Corona sei lediglich ein Mehraufwand entstanden, was die Planung angeht: Es gebe unterschiedliche Anfangszeiten und feste Kolonnen, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Die Wartezeit für einen größeren Auftrag habe im Schnitt etwa acht bis zwölf Wochen betragen.

Sorge um Nachwuchs – Kontakt zu jungen Menschen fehlt

„Die Betroffenheit wächst, je länger die Pandemie andauert“, berichtet Barbara Scholz von der Handwerkskammer Kassel (HWK). Mittlerweile wachse auch die Zahl der Kunden, die Aufträge für Arbeiten am und im Haus aufschieben. Dabei betrieben viele Firmen einen großen Aufwand, um alle Regeln zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern umzusetzen.

Zur personellen Situation sagt Scholz, dass durch die Kurzarbeit die meisten Mitarbeiter in Handwerksbetrieben gehalten werden konnten. „Sorge macht die Gewinnung der Nachwuchskräfte“, so die HWK-Sprecherin. Weder Berufsorientierung an Schulen noch Nachwuchswerbeaktionen der Betriebe hätten stattfinden können. Direkte Kontakte zwischen Firmen und jungen Menschen seien kaum möglich. Deshalb sei die digitale Begegnungsplattform „Komm ins Team Handwerk“ ins Leben gerufen worden. (Lara Thiele)

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