Neubau soll jetzt 2022 fertig sein

A44-Brücke: Mehrere Pannen sorgen für Verzögerung auf der Baustelle

Seit fast drei Jahren eine Baustelle: Die Brücke über die Straßenbahngleise zum VW-Werk und den Radweg nach Baunatal wird erneuert. Die südliche Hälfte – im Vordergrund – soll im Frühjahr fertig werden.
+
Seit fast drei Jahren eine Baustelle: Die Brücke über die Straßenbahngleise zum VW-Werk und den Radweg nach Baunatal wird erneuert. Die südliche Hälfte – im Vordergrund – soll im Frühjahr fertig werden.

Die Sanierung einer Brücke der A 44 in Höhe des VW-Werks wurde von mehreren Pannen begleitet. Der Fortbestand der Straßenbahntrasse unter dem Bauwerk ist ungewiss.

  • Mehrere Pannen sorgten bei einem Neubau einer A44-Brücke für Verzögerung
  • Der ursprüngliche Bauzeitplan kann nicht eingehalten werden
  • Der Neubau soll 2022 fertig sein 

Gleich mehrere Pannen beim Neubau einer Brücke der Autobahn 44 in Höhe des Baunataler VW-Werks haben für Verzögerungen im Bauzeitplan gesorgt. Die erste Hälfte der neuen Brücke – in Fahrtrichtung Osten – soll im Frühjahr fertig sein.

A44: Ursprünglich sollte die Brücke im herbst 2020 fertig sein 

Das erläutert Marco Lingemann, Sprecher der planenden Landesbehörde Hessen Mobil. Die Fertigstellung des Gesamtbauwerkes – ursprünglich für Herbst 2020 geplant -– kündigt er für Ende 2021, Anfang 2022 an.

„Der Terminplan entspricht nicht mehr der Ausgangslage“, so der Sprecher. „Verzögerungen aufgrund des Abbruchschadens vom Dezember 2017 und den Schwierigkeiten bei den Tiefgründungsarbeiten haben den Bauplan zurückgeworfen.“

Die A 44 musste für mehrere Tage gesperrt werden

Der Reihe nach: Beim Abriss der Brücke Ende 2017 war ein schweres Betonteil gegen einen Stahlpfeiler der Notunterstützung gerutscht. Die Statik der Autobahnbrücke musste daraufhin erneut geprüft werden. Die A 44 wurde über mehrere Tage voll gesperrt. Der Umleitungsverkehr, darunter viele tonnenschwere Lkw, schlängelte sich durch Kassel und Baunatal – unter anderem über die Tulpenallee mitten durch das Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe.

Erneut stoppten die Arbeiten an der Brücke ungewollt im Sommer 2018. Die mit dem Neubau beauftragte Baufirma verfügte offenbar nicht über das für die Bodenbeschaffenheit geeignete Bohrgerät. Nach Informationen der HNA verließen die Mitarbeiter daraufhin für Wochen die Baustelle. Bis heute wird zwischen Planungsbehörde und Firma über die Schuldfrage verhandelt. 

A44: Kosten für Neubau waren ursprünglich auf 12,5 Millionen Euro angesetzt

„Die Verantwortlichkeiten und damit verbundene Kosten sind nach wie vor nicht geklärt“, so Lingemann. „Aufgrund des laufenden Verfahrens möchten wir daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weitere Stellung nehmen.“ Ursprünglich waren die Kosten für den Neubau mit 12,5 Millionen Euro angesetzt worden.

Anfang 2019 nahm die Firma nach Gesprächen mit den Behörden die Bautätigkeit wieder auf. Mit dem passenden Bohrgerät wurden schließlich 15 Pfahlgründungen mit einer Tiefe von 22 Metern vorgenommen.

Und was passiert aktuell? „Auf der Baustelle werden derzeit in Fahrtrichtung Kasseler Westkreuz die letzten Arbeiten an Schalung und Bewehrung des Überbaus vorgenommen“, so Lingemann. „Im Februar soll der Überbau betoniert werden. Gleichzeitig werden die Brückenwiderlager hinterfüllt. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes ist für Frühjahr 2020 geplant.“

VW: Gleise zur Wendeschleife - Strecke laut KVG grundsätzlich entbehrlich

Übrigens: Mit dem Neubau der Brücke könnte ein historisches Element aus der Straßenbahnlandschaft im Raum Kassel verschwinden. Die Gleise zur Wendeschleife am VW-Werk wurden vor Beginn der Arbeiten teilweise abgebaut. 

Ob die seit 1941 bestehende Strecke überhaupt noch einmal in Betrieb gehen wird, sei noch nicht geklärt, sagt KVG-Fachbereichsleiter Bruno Jerlitschka. „Grundsätzlich ist die Strecke betrieblich momentan entbehrlich. Sie wird seit der Liniennetzreform nicht mehr bedient.“ Die KVG prüft allerdings, ob der Strang später einmal für eine direkte Anbindung des VW-Werkes genutzt wird.

Die Wendeschleife am Henschel-Werk entstand 1941

Die Wendeschleife für Straßenbahnen entstand während des Zweiten Weltkrieges 1941. Die Gleise führten damals zum Henschel-Flugmotorenwerk. Ab 1958 wurde an dieser Stelle das VW-Werk gebaut. Der Schienenstrang blieb erhalten. Die Haltestelle heißt bis heute „VW-Werk Schleife“.

Die etwas über einen Kilometer lange Wendeschleife (ab Mattenberg) wurde in den vergangenen Jahren laut KVG allerdings nur noch in den Wintermonaten von Oktober bis Ostern genutzt, bei täglich elf Fahrten auf der Linie 5E. Auch Test- und Fahrschulfahrten fanden dort statt. Trotz der aktuellen Stilllegung der Strecke sieht KVG-Fachbereichsleiter Bruno Jerlitschka eine Zukunftsperspektive für die Trasse. 

Gehört schon von Beginn an zum VW-Werk in Baunatal dazu: Die Wendeschleife für Straßenbahnen. Das Bild entstand im Jahr 1975.

Es böten sich damit Chancen, um gegebenenfalls eines Tages eine Streckenverlängerung zum VW-Haupttor – vielleicht sogar ins Werk – oder weiter Richtung Rengershausen anzudenken, sagt er. Ohne Investitionen in die Streckeninfrastruktur werde es aber nicht gehen. Nutzen und Kosten werde die KVG im Zuge der Diskussionen zur Weiterentwicklung des Netzes und zur Verkehrswende abwägen, sagt der Experte weiter.

Der Schienenstrang wurde auf einer Länge von 120 Metern abgebaut

Vor Beginn der Arbeiten an der A 44-Brücke wurde der Schienenstrang im Frühjahr 2017 auf einer Länge von 120 Metern abgebaut. Damit verhinderte die KVG, dass die Gleisanlage samt Oberleitung durch beim Abriss herabfallende Teile beschädigt werden könnte.

Aktuell befindet sich die Anlage unterhalb des VW-Werkes in keinem guten Zustand mehr: Die Schienen wachsen wegen der Nichtnutzung mit kleinen Bäumchen und anderen Pflanzen zu. Weichen und Schienen rosten vor sich hin.

Video: Ein umgekippter Lastwagen sorgte auf der A 44 für einen langen Stau

Auf der A 44 sorgte die geänderte Verkehrsführung vor der Bergshäuser Brücke bei Kassel für Schlagzeilen.

Der Weiterbau der A44 von Kassel bis zum A4-Anschluss nach Herleshausen-Wommen wird sich weiter deutlich verteuern.

Experte: Der A44-Neubau kommt deutlich zu spät.

Eine neue Talbrücke für die A7* wird im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gebaut. Der Bau bedeutet für die Arbeiter höchste Konzentration. 

Von Sven Kühling

*hersfelder-zeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.