Behinderte werden in den Arbeitsmarkt integriert

Pilotprojekt: Beschäftigte der BDKS arbeiten im Baunataler Bauhof

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Rasen mähen: Matthias Berndt von der BDKS arbeitet in der Außenkolonne, die auch städtische Grünflächen kurz halten muss. 

Um Inklusion zu fördern, leiht die Stadt Bauntal Beschäftigte der BDKS für Arbeiten auf dem Bauhof aus.

„Wir fühlen uns hier pudelwohl“, sagt Jens Grede (39). Seine Kollegen Matthias Berndt (36) und René Holzhauer (35) nicken zustimmend. Ein anderes Lob kommt zurück: „Die Jungs sind immer bereit, zu jeder Arbeit. Und sie sind für uns sehr erfrischend“, entgegnet Gerhard Reinbold, Leiter des Baubetriebshofs der Stadt Baunatal. Die Jungs, das sind Männer, die eigentlich bei der Baunataler Diakonie Kassel (BDKS) arbeiten, der regionalen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. Die Stadt Baunatal hat sie ausgeliehen, um Inklusion nicht nur zu propagieren, sondern auch praktisch zu leben. Ein Pilotprojekt.

Man setze die neuen Mitarbeiter vielfältig ein, erläutert Reinbold: Müll im Stadtpark beseitigen, Straßen im Stadtzentrum reinigen, Grünschnitt auf der Deponie annehmen – das sind nur einige Beispiele. Auch Holger Sinning, Vorarbeiter der Gärtnerkolonne, ist voll des Lobes: „Sie sind immer tatkräftig mit dabei.“ Matthias Berndt berichtet, was in jüngster Zeit zu tun war: Rasenflächen mähen zum Beispiel und Gullys reinigen. René Holzhauer hofft unterdessen, dass er bald auch für Tätigkeiten mit Metall eingesetzt wird. Denn bei der BDKS hat er im Metallbereich gearbeitet. Schilder montieren, das könnte so eine Aufgabe sein, stellt sein neuer Chef Reinbold in Aussicht.

Wie auch immer: Hauptsache, es gibt Arbeit. Denn, so sagt Jens Grede und schaut zu Matthias Berndt: „Wir waren in der BDKS auch Mädchen für alles.“ Die beiden gehörten zur Hausmeisterei, sprich: zum Facility Management, wie es dort inzwischen heißt.

"Es ist sehr gut, dass wir die Jungs haben"

Ein vierter BDKS-Mann, Sebastian Roszak (25), der beim Gespräch nicht dabei sein kann, gehört seit einem Jahr zur Stadionkolonne, die sich um die städtischen Sportanlagen kümmert. „Er hat sich prima eingelebt, ist sehr fleißig und kennt die Maschinen bestens. Und er ist sehr beliebt in der Kolonne, lobt Vorarbeiter Uwe Herkt. Die Stellen des Quartetts sind auf ein Jahr befristet. Bauhof-Chef Reinbold hält eine Verlängerung für denkbar. Es sei zudem nicht völlig ausgeschlossen, dass jemand als feste Kraft übernommen werde. Auf jeden Fall gelte: „Jede Hand hilft uns.“

Darüber hinaus wirke die frische Art der BDKS-Männer auf manchen altgedienten Kollegen belebend. „Es ist sehr gut, dass wir die Jungs haben.“ Reinbold, in der Region auch als Fußballtrainer bekannt, weiß aus dieser Tätigkeit um die Bedeutung von gegenseitiger Motivation.

Natürlich, das räumt er ein, habe man auch Vorbehalte ausräumen müssen. So sei ausführlich darüber informiert worden, was Inklusion bedeute, nämlich die Teilhabe von Menschen mit Handicap an allen Lebensbereichen.

Mitarbeiter werden ausgeliehen

Inklusion im Sport wird in Baunatal bereits forciert. Inklusion im Bereich Arbeit müsse dazukommen, so die Auffassung von Bürgermeisterin Silke Engler. Das passte zum Ziel der Baunataler Diakonie Kassel (BDKS), Behinderte in den Arbeitsmarkt zu integrieren. So kam eine Art Leiharbeitsvereinbarung zustande. Die Stadt zahlt der BDKS eine Gebühr für deren Mitarbeiter. 

Die BDKS-Kräfte werden von Carolin Hetzel vom Fachbereich berufliche Integration der Baunataler Diakonie betreut. Jeder Mitarbeiter beginnt seine Tätigkeit im kommunalen Bauhof mit einem vierwöchigen Praktikum. Alle zwei Wochen oder bei Bedarf gibt es einen Austausch zwischen BDKS und Bauhof-Spitze. Darüber hinaus kooperiert die Stadt Baunatal mit der Kasseler Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Ein Mitarbeiter war im Winter ein halbes Jahr auf dem Bauhof tätig, arbeitet jedoch im Sommer auf dem Kasseler Campingplatz.

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