Hürden für Ganztagspfleger sind höher

24-Stunden-Kräfte aus dem Ausland müssen im Vorfeld getestet werden

Wer eine 24-Stunden-Pflege in Anspruch nimmt, hat oft Personal aus dem Ausland – das muss sich an die coronabedingten Einreisebestimmungen halten und einen negativen Test vorlegen.
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Wer eine 24-Stunden-Pflege in Anspruch nimmt, hat oft Personal aus dem Ausland – das muss sich an die coronabedingten Einreisebestimmungen halten und einen negativen Test vorlegen.

Die Corona-Pandemie ist vor allem für ältere Menschen und für jene mit Vorerkrankungen gefährlich. Gerade sie sind aber auf Pflege angewiesen – und manche holen sich dafür Hilfe aus dem Ausland.

Baunatal/Kreis Kassel – So ist es auch Lydia Aschenbrenner aus Baunatal: Ihr Mann wird von einer 24-Stunden-Pflege betreut. Diese wohne meist zwei bis drei Monate bei der Familie und kehre dann zurück in die Heimat – meist kommen sie aus Polen. Aschenbrenner bekommt das Pflegepersonal über die „Seniorenbetreuung sorgenfrei“ vermittelt.

In den vergangenen Wochen und Monaten habe Corona immer mal Probleme bereitet, berichtet Aschenbrenner. Das sei schwierig, denn sie selbst könne ihren Mann nicht pflegen und die Kurzzeitpflegeplätze in der Nähe seien alle belegt gewesen. 2600 Euro zahlt Aschenbrenner für die 24-Stunden-Pflege, wie sie berechnet, davon seien 700 Euro über das Pflegegeld gedeckt.

„Wir sind in ganz Deutschland tätig, und jedes Bundesland hat andere Bestimmungen“, sagt Holger Kühnel, Gesellschafter der Seniorenbetreuung sorgenfrei. Im Fall der Familie Aschenbrenner sei es so gewesen, dass 48 Stunden vorher ein Corona-Test bei der Pflegekraft gemacht worden ist, allerdings sei das Testaufkommen so hoch gewesen, dass es bis zu sechs Tage gedauert habe, bis ein Ergebnis vorlag – zu lange für die Behörden. Deshalb habe die Person nicht in die Familie gedurft. Durch eine Änderung der Bestimmungen, eine Woche später, war dies dann wieder möglich.

Wenn eine Person positiv getestet worden ist, darf sie laut Kühnel nicht einreisen. Die Pflegekräfte müssten ihre Testergebnisse mit nach Deutschland bringen und ließen sich oft hier auch noch einmal testen. Darüber hinaus werden die Betreuungskräfte vor Abfahrt aus ihrem Heimatland von ihrem Arbeitgeber bei den jeweiligen Gesundheitsämtern digital gemeldet.

Personal zu akquirieren sei nicht schwieriger als vor der Pandemie. „Das eigentliche Geschäft ist kaum betroffen“, so Kühnel. Lediglich höhere Fahrtkosten und der Preis für die Tests kämen hinzu. Diese würden vom Kunden getragen. Die Kosten dafür lägen im mittleren zweistelligen Bereich. Der Pflegedienst-Vermittler Promedica Plus hat eigenes Personal aus Osteuropa und eine eigene Fahrzeugflotte, so Kerstin Wedekind, zuständig für den Bereich Kassel-Süd – die Akquise von Pflegekräften laufe nicht über eine Agentur. Der Aufwand sei groß durch Corona, aber es gebe keine Probleme, Personal zu bekommen. Die Mehrkosten durch Corona würden auf die Kunden umgelegt.

Anders ist es bei den Pflegehelden Kassel: Die Mehrkosten, die durch geringere Besetzung der Fahrzeuge und durch die Tests entstehen, übernehmen der Franchise-Betrieb und die Agenturen, berichtet Alexander Mund. Die Pflegekräfte machten einen Antigen-Schnelltest, das reiche aus, um nach der Einreise von einer Quarantänepflicht befreit zu sein.

Es habe Pflegekräfte gegeben, die aus dem Ausland nicht einreisen wollten, entweder aufgrund allgemeiner Angst oder weil sie einen Risikokontakt hatten. Dafür ist aber laut Mund bislang schnell Ersatz gefunden worden. Die Situation sei insgesamt durch Corona etwas schwieriger, aber händelbar.

„Wir waren auf die zweite Welle gut vorbereitet“, sagt Sebastian Knuth von der Brinkmann-Pflegevermittlung. Es gebe keine Probleme, Anfragen nachzukommen oder Personalwechsel zu ermöglichen. Eine Herausforderung sei die Beförderung, die früher in großen Bussen stattfand – das gehe während der Corona-Pandemie nicht und verursache Mehrkosten für die Kunden, ebenso wie die Corona-Tests. Diese seien in etwa so teuer wie in Deutschland.

Kosten für den Corona-Test

Für einen PCR-Test (Polymerase chain reaction, deutsch: Polymerase-Kettenreaktion) erhält ein Arzt pro Abstrich laut dem Bundesgesundheitsministerium 15 Euro. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das Labor erhalte für den Nachweis – einschließlich der allgemeinen ärztlichen Laborleistungen, Versandmaterial und Transportkosten – 50,50 Euro. Antigen-Schnelltests kosten für Selbstzahler um die 45 Euro, wie die Ärzte-Zeitung schreibt. (Lara Thiele)

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