Tragödie beim Abbau einer Presse

Tödlicher Unfall im VW-Werk Baunatal: Mann von Stromschrank erdrückt

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Riesen-Presse: Jüngst erst wurde diese gebrauchte Anlage aus Australien in der Halle 2 des VW-Werk Kassel in Baunatal installiert. Nach Angaben des Werksprechers passierte der tödliche Unfall jetzt an einer älteren Presse im hinteren Bereich der Halle.

Tödlicher Unfall im Baunataler VW-Werk: Ein Mitarbeiter einer Firma aus dem Raum Augsburg ist am Montag gegen 17 Uhr in der Halle 2 tödlich verletzt worden.

Aktualisiert um 21.01 Uhr - Ein 43-jähriger Mitarbeiter einer Firma aus dem Raum Augsburg ist am Montag gegen 17 Uhr bei einem Arbeitsunfall in der Halle 2 des VW-Werk Kassel in Baunatal ums Leben gekommen. Nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Mänz und Werksprecher Heiko Hillwig passierte der Unfall beim Abbau einer Presse. Dabei sei ein schwerer Schaltschrank für Strom auf den 43-jährigen Mann aus Bulgarien gekippt. „Nach den derzeitigen Ermittlungen gibt es keine Hinweise auf Fremdverschulden“, sagt der Polizeisprecher. In die weiteren Ermittlungen ist nach Angaben der Polizei das Amt für Arbeitsschutz des Regierungspräsidiums Kassel eingebunden.

Unfall VW-Werk Baunatal: Es passierte bei Demontage der Presse

Der Unfall sei während der Demontage der Presse im hinteren Bereich der Halle 2 passiert, ergänzt Hillwig. „Sofort eingeleitete Rettungsmaßnahmen durch Werkfeuerwehr und Gesundheitsschutz sowie im weiteren Verlauf durch externe Rettungskräfte waren aufgrund der Schwere der Verletzungen leider erfolglos“, erläutert der VW-Sprecher. Der Mitarbeiter der Fremdfirma sei noch im Werk gestorben.

„Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen des Verstorbenen.“ Die Presse in der Halle 2 habe ausgedient, so Hillwig. Sie werde deshalb jetzt von der Fremdfirma aus Augsburg abgebaut. Jüngst erst war im VW-Werk in der Halle 2 eine in Australien bei Ford gebraucht gekaufte Riesen-Presse installiert worden (HNA berichtete). Diese soll demnächst in Betrieb gehen. Die Anlage, an der der Unfall passierte, habe aber nichts der Presse aus Australien zu tun, erläutert Hillwig. Diese werde in dem dahinter gelegenen Bereich demontiert.

Erinnerungen werden bei dem Blick auf das Unglück vom Montag wach an einen tödlichen Arbeitsunfall im Baunataler VW-Werk im Sommer 2015. Damals war ein 21-jähriger Mitarbeiter einer Zulieferfirma durch einen Roboter getötet worden.

Beim Einrichten einer neuen Montageanlage mit Industrierobotern in der Halle 6 wurde der junge Mann der Firma aus Sachsen von der Maschine erfasst und gegen eine Metallwand gedrückt. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus. So berichtete es damals ein Sprecher des Werkes auf Nachfrage der HNA. Die Nachricht, dass ein Roboter einen Arbeiter in der Autofabrik getötet hatte, verbreitete sich rasend schnell um die ganze Welt. In der Washington Post, dem Fernsehsender CNN und dem Daily Pakistan beispielsweise wurde das Unglück aufgegriffen. Die amerikanische Produktionsgesellschaft HBO plante kurze Zeit später, eine Dokumentation über den Einsatz von Robotern in der Industrie zu drehen. Darin werde der Vorfall von Ende Juni 2015 in Baunatal eine wichtige Rolle spielen, hieß es.

Volkswagen hatte sich damals mit der Bekanntgabe des tödlichen Vorfalls Zeit gelassen. Passiert war dieser an einem Montag. Bis zum folgenden Mittwoch hatte VW noch nicht darüber berichtet. Erst auf Nachfrage unserer Zeitung wurde der Roboter-Unfall überhaupt öffentlich. 

Hier befindet sich das VW-Werk in Baunatal:

VW-Werk in Baunatal

Das VW-Werk in Nordhessen heißt offiziell "Volkswagen-Werk Kassel", ob wohl es sich in Baunatal befindet. Als das Gelände für das Werk 1957 gekauft wurde, gehörte das Areal offiziell noch zu Kassel. Erst in den 1960er-Jahren wurde die Stadt Baunatal gegründet. Neben dem Hauptsitz in Wolfsburg (Niedersachsen) ist dieses hessische Werk das zweitgrößte in Deutschland. Etwa 17.000 Menschen arbeiten inzwischen in Baunatal für den Automobil-Riesen. Das Werk existiert nach VW-Angaben seit 60 Jahren. Das Werk ist spezialisiert auf die Getriebefertigung.

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