Hochzeit rettete Familie vor Deportation

70 Jahre verheiratet: Baunataler Paar lernte sich im Arbeitslager kennen

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Jubelpaar: Theofilia und Johann Stotz sind seit 70 Jahren verheiratet und feiern heute ihre Gnadenhochzeit.

Wenn Theofilia (92) und Johann Stotz (90) davon erzählen, wie sie sich kennengelernt haben, gibt es keine romantische Liebesgeschichte zu hören. Im Gegenteil.

Das Ehepaar hat sich in den schlimmsten Jahren ihres Lebens getroffen. Beim Erzählen berührt es Theofilia noch immer so sehr, dass ihr Tränen in die Augen schießen. „Es waren sehr schwere Zeiten“, sagt sie, während ihr Ehemann Johann mit einem leichten Kopfnicken zustimmt. Das ist jetzt über 70 Jahre her. 70 Jahre Ehe, in denen Theofilia und Johann stets zueinandergehalten haben und immer füreinander da waren. Heute feiern die beiden Senioren ihre Gnadenhochzeit.

Theofilia wurde in Weißrussland und Johann Stotz im Kolonistenbezirk Glückstal geboren. Nach der Kriegszeit, die beide in Deutschland verbracht haben, sollte sie eigentlich zurück in ihre Heimat gebracht werden. Stattdessen wurden sie als Zwangsarbeiter hoch in den Norden Russlands, in einen Wald hinter dem Polarkreis, deportiert, wo sie schwerste Baumfällarbeiten leisten mussten. 

„Es war sehr kalt und wir hatten wenig zu Essen“, berichtet die Ehefrau. Nur die guten Arbeiter hätten ein wenig Haferbrei zu Essen bekommen, sagt sie. Außerdem seien Sägespäne zu Brot verbacken worden. Dort im Wald – bei schwerster körperlicher Arbeit – haben sich Theofilia und Johann zum ersten Mal getroffen. 

Hochzeit rettet Familie vor Deportation

Sie waren einander sehr sympathisch, sind schnell zu gegenseitigen Vertrauten geworden und haben einander Halt gegeben. Als Theofilia und ihre Familie vier Monate später erneut deportiert werden sollten, hat Johann die junge Frau geheiratet. „Nur so konnte ich verhindern, dass sie und ihre Familie weggebracht wurden“, sagt der 90-Jährige. 

Es sei eine ganz kleine standesamtliche Hochzeit gewesen, verraten die beiden Jubilare. Im Laufe der Zeit ist auch ihre Liebe zueinander gewachsen und ein Jahr später wurde Goldina (1950) geboren. In den Jahren 1952 und 1955 folgten Eduard und Nina. Dann ist die Familie vom hohen Norden in den Süden – nach Tadschikistan an die afghanische Grenze gezogen. Mit Erika (1958), Erich (1960), Irina (1963) und Ewald (1967) folgten vier weitere Kinder. Im Jahre 1989 ist die Familie dann nach Deutschland gekommen. Zuerst haben sie in der Mattenbergsiedlung, später in Altenbauna gewohnt. Während Johann gerne im Garten werkelte, vertrieb sich seine Ehefrau die Zeit mit Näharbeiten.

Vor vier Jahren sind Theofilia und Johann zu ihrer ältesten Tochter Goldina nach Hertingshausen gezogen, wo sie auch heute noch wohnen. Der engste Familienkreis besteht heute aus 70 Personen. Neben sieben Kindern gehören nämlich mittlerweile auch 20 Enkel und 25 Urenkelkinder zur Familie.

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