Modernisierung bereits geplant

VW-Logistikzentrum in Baunatal: Alle zehn Minuten rollt ein Lkw hinaus

Großbaustelle: So sah die Erweiterung des OTC 4 und der Aufbau des Logistik-Zentrums, zunächst Cross-Dock genannt, im Jahr 2011 aus der Luft aus. Unten verläuft die Wolfsburger Straße zwischen Kirchbauna und Rengershausen. Archivfoto: Thomas Prall/nh
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Großbaustelle: So sah die Erweiterung des OTC 4 und der Aufbau des Logistik-Zentrums, zunächst Cross-Dock genannt, im Jahr 2011 aus der Luft aus. Unten verläuft die Wolfsburger Straße zwischen Kirchbauna und Rengershausen.

Aus der Luft betrachtet wirkte die Baustelle besonders eindrucksvoll. Kräne und Bagger wuselten wie Spielzeuge auf einer – oft sommerlich staubenden – 140 000 Quadratmeter großen Fläche umher. Genau vor zehn Jahren baute Volkswagen zwischen Rengershausen und Kirchbauna ein neues, hochmodernes Logistikzentrum – zunächst in der Region unter dem Namen Cross-Dock bekannt.

Kassel/Baunatal –13 Landwirte gaben damals Flächen ab. Ab 2023 soll eine millionenschwere Modernisierung kommen.

Material im Keller

Bis zum Bau des Cross-Docks wurden die für die Produktion im Werk Kassel benötigten Materialien meist in den Kellern der Werkshallen gelagert. Mit unzähligen Lkw-Einzelfahrten über das weitläufige Gelände wurden die Depots aufgefüllt. Mit der Fertigstellung des Cross-Docks, das heute einfach Logistikzentrum heißt, gehörte der Material-Wirrwarr der Vergangenheit an.

70 Millionen Euro wurden nach Informationen der HNA damals in den Bau der Anlage und die damit verbundene Erweiterung des angrenzenden OTC 4 investiert. 220 Mitarbeiter halten den Betrieb laut Logistikchef Michael Fischbach heute am Laufen.

Wie mit dem Pizzablech

Von einem Hersteller von Windanlagen in Emden habe VW die Ladebodentechnik für das Cross-Dock bauen lassen, berichtet Jörg Fenstermann, damals selbst noch Logistik-Leiter, heute Werkleiter am Standort. Wie mit einem riesigen Pizzablech würden Lastwagen von mehreren Seiten passgenau be- und entladen. Das spare Zeit. „Alle zehn Minuten geht ein Ladeboden raus“, erläutert Fischbach und Fenstermann ergänzt: Dieses Konzept habe die innerbetriebliche Belieferung „total verändert“.

Vizelandrätin Silke Engler (SPD), damals noch Erste Stadträtin in Baunatal, erinnert daran, dass neben den örtlichen Landwirten eine Vielzahl von Menschen aus der Region an dem Projekt gearbeitet hätten. Und sie versprach auch in ihrer neuen Funktion dafür zu sorgen, dass die größte Stadt im Landkreis weiter gefördert wird.

Doch nicht alles war leicht beim Aufbau des Cross-Docks. Stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ulrike Jakob berichtete von anfänglichen Überlegungen, die innerbetriebliche Logistik an Fremdfirmen zu vergeben. In den vergangenen zehn Jahre habe man aber erkämpft, die Aufgabe in den eigenen Reihen zu halten.

Automatisierung

Laut Michael Fischbach soll in zwei Jahren der Umbau der Anlage beginnen. Automatisierung und Digitalisierung seien die Stichworte im „Logistikkonzept 2025“ von Volkswagen. „Wir haben derzeit noch sehr viele manuelle Prozesse“, so der Logistikleiter. Künftig sollten die Ladevorgänge nicht mehr durch Gabelstaplerfahrten erfolgen, sondern über eine automatisierte Fördertechnik oder fahrerlose Transportsysteme. „Es geht darum, den Prozess vom Eingang bis zum Ausgang zu digitalisieren.“

Einen genauen Betrag für die Investition nennen die VW-Verantwortlichen noch nicht, auszugehen ist aber von einem mehrstelligen Millionenbetrag. Eine endgültige Entscheidung zur Investition hat der Vorstand in Wolfsburg offenbar noch nicht gefällt.

Arbeitsplätze

Betriebsrätin Ulrike Jakob meldet allerdings auch Bedenken zu dem Umbau an. „Wir werden dann hier nicht mehr so viele Arbeitsplätze haben.“

Michael Fischbach bringt Sinn und Zweck des Vorhabens auf den Punkt: „Um den Standort wettbewerbsfähig zu halten, ist es zwingend notwendig.“ (Sven Kühling)

Beeindruckend: Mit schwerem Gerät wurde damals an den großen Hallen gearbeitet. Heute sind allein 220 Mitarbeiter im Logistikzentrum beschäftigt.

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