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Alles ehrenamtlich: Baunataler betreut über 170 Nistkästen in Kirchbauna

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Von: Ingrid Jünemann

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In der Werkstatt: Karl Diegeler betreut nicht nur über 170 Nistkästen in der Gemarkung Kirchbauna, er repariert die Vogelhäuser auch und baut neue.
In der Werkstatt: Karl Diegeler betreut nicht nur über 170 Nistkästen in der Gemarkung Kirchbauna, er repariert die Vogelhäuser auch und baut neue. © Ingrid Jünemann

Karl Diegeler baut, repariert und betreut freiwillig über 170 Nistkästen im Gebiet Kirchbauna.

Baunatal – Amsel, Drossel, Fink und Star sind es nicht, aber mit der Vogelhochzeit hat die Sache schon zu tun: Die Kinderstube, vor allem von Meise, Kleiber, Rotschwänzchen und Spatz unterstützt Karl Diegeler (72). Denn er betreut seit einigen Jahren ehrenamtlich mehr als 170 Nistkästen in der Gemarkung Kirchbauna. Bald beginnt seine Hauptsaison.

Von Dezember bis Februar reinigt, repariert und ersetzt Diegeler die Nisthilfen. Er packt die Leiter ins Auto und läuft danach von Kasten zu Kasten, um nach dem Rechten zu sehen. In seiner Werkstatt im Keller des Kirchbaunaer Wohnhauses herrscht dann Hochbetrieb. „Es sind sehr viele Kästen kaputt“, sagt der frühere Kfz-Mechaniker – leider immer öfter durch Vandalismus. Diebstahl nehme ebenso zu, in solchen Fällen kauft der Naturfreund auch mal einen Nistkasten auf eigene Kosten. Er hängt die Kästen nicht mehr an Wanderwegen auf, sondern wählt versteckter stehende Bäume.

Das Engagement für die heimischen Vögel gibt es in Kirchbauna seit mehreren Jahrzehnten. Karl Ruwolt und Heinz Käse, beide inzwischen verstorben, waren die Pioniere. Damals gab es noch von der Stadt Baunatal 400 Mark bzw. 200 Euro pro Jahr für die Anschaffung von Kästen, erzählt Karl Diegeler. Er selbst half zuletzt seinen Vorgängern bei der Betreuung der Nisthilfen, ehe er 2019 die gesamte Aufgabe übernahm. Das passt zu einem Hobby aus Jugendjahren, „schon mit 14, 15 Jahren habe ich die ersten Kästen selbst gebaut“.

Neben Kohl- und Blaumeise, Gartenrotschwanz, Spatz und Co. gehören seltenere Arten zu Karl Diegelers Vogelschar. Etwa der Baumläufer aus der Familie der Sperlinge. Der benötigt spezielle Kästen, die Diegeler selbst baut. Er freut sich zudem, dass wieder mehr Wasseramseln an der Bauna leben: „Die Kästen dafür werden sehr gut unter Brücken angenommen.“ Das Interesse des Kirchbaunaers bezieht sich auch auf Vögel, die ohne menschliche Bauwerke auskommen. So beobachtet Karl Diegeler gern die Eisvögel im Tal der Bauna. Diese legen in Steilwänden bis zu 80 Zentimeter lange Bruthöhlen an, um darin ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Marderschutz: Mit diesem Gitter wird verhindert, dass Nager in den Nistkasten greifen, um Eier oder Junge zu erbeuten.
Marderschutz: Mit diesem Gitter wird verhindert, dass Nager in den Nistkasten greifen, um Eier oder Junge zu erbeuten. © Ingrid Jünemann

Größer sind die Flieger im Kirchbaunaer Kirchturm. Den Eulenkasten dort bewohnen seit einigen Jahren Turmfalken. Auf steiler Leiter hinauf zu klettern, sei ein Abenteuer, so Diegeler. Er erinnert sich daran, wie er vor einigen Jahren nach Ausbleiben von Eulen in schwindelnder Höhe die Brutstätte säuberte. „Da habe ich drei 20-Liter-Eimer voller Hinterlassenschaften rausgeholt.“

Wegen der Kraxelei begleitet Ehefrau Kathrin Diegeler (64) ihren Mann gern, um die Leiter zu halten und im Notfall da zu sein. Sie erzählt von netten Erlebnissen beim Öffnen der Kästen. „Einmal sprang da plötzlich ein Mäuschen raus.“ Ein andermal hatte es sich ein Siebenschläfer für seine mehrmonatige Winterruhe im Vogeldomizil bequem gemacht. Die Diegelers ließen ihn weiterschlafen, zumal der Nager unter Naturschutz steht.

Für den Zeitraum Januar/Februar 2020 hat Karl Diegeler über seine Aktivitäten Buch geführt. 178 Kästen, auch selbst gebaute für Fledermäuse, hat er damals kontrolliert. 125 davon waren zuvor belegt gewesen, ein Dutzend musste ersetzt werden. An der Anzahl der Nisthilfen hat sich seitdem kaum etwas geändert.

Mit 72 Jahren würde Diegeler sein Engagement nun gern etwas einschränken. „Top wäre, wenn junge Leute einen Teil der Betreuung übernehmen würden.“ Die könnten ja dann zwecks Übersicht auch moderne Technik wie GPS statt papierner Listen einsetzen. Karl Diegeler möchte sein Werk in guten Händen wissen: „Es wäre schade, wenn die Sache den Bach runter geht.“

Kontakt: Tel. 05 61/4 91 16 23

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