Alte Technik finanziert Elektro-Offensive

VW-Chef beschreibt den Wandel im Konzern - Auswirkungen auf Werk in Baunatal

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Auch im Kasseler VW-Werk stehen Veränderungen an.

Der Ausblick des Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz von Volkswagen in Wolfsburg könnte im Werk Kassel in Baunatal für Zuversicht sorgen.

Kassel/Baunatal - Auf dem Weg zur reinen Elektroauto-Flotte, auf dem die Mannschaft allein durch die Fertigung der Motoren bereits eine große Rolle spielt, wird auch die bisherige Verbrennungstechnik weiter gebraucht. Und somit könnten neben den E-Motoren aus Baunatal über viele Jahre auch Direktschaltgetriebe, Abgasanlagen und Magnesium-Gehäuse aus der Gießerei benötigt werden.

„Die Transformation vollzieht sich nicht über Nacht“, sagte Diess bei der wegen der Pandemie lediglich im Internet übertragenen Pressekonferenz. Es werde zwei Modellgenerationen in Anspruch nehmen, um von der alten Technik zur neuen Technik – vom „old Auto“ zum „new Auto“ – zu wechseln. Finanziert werde der Umstieg durch den Verkauf von Fahrzeugen mit hocheffizienten Verbrennungsmotoren.

Keinen Zweifel ließ der Vorstand daran, dass die Zukunft grundsätzlich dem Elektroauto gehört. „Die Elektromobilität hat das Rennen gemacht“, sagte er. „New Auto beinhaltet die Umstellung auf elektrische Antriebe – was relativ einfach ist – und auf Software: Das Auto wird zu einem vernetzten und autonomen Gerät.“

Beim Bau der Modelle ID.3 und ID.4 ist das nordhessische Werk mit 16 600 Mitarbeitern jedenfalls ordentlich mit dabei. „Unsere Komponenten-Standorte in Braunschweig, Kassel und Salzgitter machen rund 40 Prozent der Wertschöpfungskette der ID-Familie aus“, erläuterte der Vorstandschef.

Laut Diess dient die Autoplattform MEB für diese Autos „als Machbarkeitsnachweis“ für weitere Plattfomentwicklungen. Dazu gehörten künftig: „Hardware, Software, Batterie und Laden sowie Mobilität und Dienste“. Auch bei der Belieferung zusätzlicher Fahrzeugwerke mit Plattformen samt Motoren könnten sich für das Komponentenwerk Kassel neue Absatzmöglichkeiten ergeben.

Der Vorstand kündigte jedenfalls an: „Heute findet die Fertigung auf MEB-Basis in Zwickau und Dresden statt, ab 2022 auch in Emden und Hannover. Mit dem Trinity kommt sie 2026 auch nach Wolfsburg.“ Passend dazu stockt das Werk Kassel dieser Tage die Kapazität der E-Motoren-Fertigung von täglich 1000 auf 1400 Einheiten auf. Ab Sommer verlassen dann 2000 Antriebe pro Tag die Fabrik.

Und wird der Wandel nicht langfristig Arbeitsplätze kosten? Dieser Punkt werde überbewertet, so Diess. In den fahrzeugbauenden Werke seien die Auswirkungen „relativ gering“. Der Wechsel finde vorrangig bei der Produktion von Antrieben statt.

Auch die Frage nach der Besetzung von mehr Führungspositionen im Konzern mit Frauen wurde bei der Konferenz gestellt. Arno Antlitz, ab April neuer Finanzvorstand bei VW und damit Nachfolger von Frank Witter, sagte, dass die Besetzung des Vorstandes Sache des Aufsichtsrates sei. „Ich kann aber versichern, dass wir in Summe bestrebt sind, den Frauenanteil im gesamten Unternehmen zu verbessern – auch in Führungspositionen.“

Im Baunataler Werk bewegt sich der Frauenanteil laut Sprecher Hillwig derzeit bei 13 Prozent. „Der Anteil der weiblichen Führungskräfte liegt ebenfalls bei 13 Prozent. In der Berufsausbildung sind wir stolz, dass der Frauenanteil bereits bei 30 Prozent liegt.“ (Sven Kühling)

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