Aufspüren durch Wärmebildkamera

Acht Rehkitze dank Drohne bei Hof Fehrenberg in Baunatal gerettet

Ein Herr jüngeren Alters steht auf einem großen Feld vor einem Traktor.
+
Marc Dittmar (22) konnte ruhigen Gewissens auf seiner Wiese Heu machen.

Während die Wiesen früher vor der Heu-Ernte zu Fuß nach Rehkitzen durchsucht wurden, wird das heute von Drohnen erleichtert. Mit einer Wärmebildkamera spüren sie die Tiere auf.

Baunatal – Das Szenario ist Landwirten seit Jahrhunderten bekannt: Weibliche Rehe, genannt Ricken, setzen ihre Rehkitze tagsüber in den Frühjahrswiesen ab, wo sie im hohen Gras gut getarnt und geschützt vor Feinden verweilen. Sie haben noch keinen Eigengeruch und bleiben unentdeckt. Das Dilemma liegt darin, dass sich Heuernte und Kinderstube der Kitze zeitlich überschneiden.

Daher gehört seit jeher zur Heuernte auch die vorherige Suche nach Rehkitzen. Während die Wiesen früher mühsam zu Fuß durchkämmt werden mussten, kann die Suche heute mithilfe von Drohnen und Technik erleichtert werden.

Dieses Rehkitz konnte Familie Dittmar retten.

Kitze flüchten nicht, sondern bleiben regungslos liegen

Auf der Reitanlage Hof Fehrenberg in Baunatal wurden kürzlich an einem Morgen acht Kitze in einer halben Stunde auf einer Fläche von sechs Hektar Wiese gefunden. „Das war schon rekordverdächtig“, sagt Landwirt Frank Dittmar. Im Einsatz war Drohnenpilot Alexander Bätz, der seine Arbeit als „Schwalmcopter“ zur Kitzrettung anbietet.

Auf 40 Hektar ernten die Dittmars Heu für die rund 60 Pensionspferde auf ihrem Hof. Ohne die vorherige Suche würde das für die Kitze verhängnisvoll enden. Sie fliehen nicht vor Trecker und Mähwerk, sondern folgen ihrem „Drückinstinkt“ und bleiben regelungslos liegen.

„Dass wir die Wiesen vor dem Mähen nach Kitzen absuchen, ist eine Selbstverständlichkeit für uns“, sagt Sohn Marc Dittmar (22). Er studiert Agrarwissenschaften in Göttingen und ist als Junior dabei, in den Familienbetrieb einzusteigen.

Mit der Drohne wird die Wiese von Alexander Bätz als „Schwalmcopter“ abgesucht.

Tier darf keinen menschlichen Geruch abbekommen

Wie schon im letzten Jahr hat Familie Dittmar Drohnenpiloten beauftragt, um nach Kitzen zu suchen. Ab fünf Uhr morgens, wenn es noch kühl ist, wird mit einer Drohne über die Wiesen geflogen. Eine Wärmebildkamera zeigt an, wo sich ein Kitz im Gras befindet.

„Manchmal steht man dann direkt davor und sieht es trotzdem noch nicht, aber die Drohne nimmt die Temperatur des Kitzes zuverlässig wahr“, sagt Frank Dittmar.

Die gefundenen Bambis werden mit Handschuhen und Grasbüscheln vorsichtig aus der Wiese und zur Deckung an den Feldrand gebracht. „Wichtig ist, dass kein menschlicher Geruch an das Kitz gelangt, damit die Ricke es weiterhin akzeptiert“, sagt Marc Dittmar.

Während des Mähens werden die Kitze unter einem Korb an Ort und Stelle gehalten. Anschließend werden sie freigelassen und später von ihrer Mutter gefunden.

Viele weitere Möglichkeiten zum Schutz der Rehkitze

Zur Vergrämung, also dem Warnen vor dem Mäheinsatz, kann das Anmähen am Tag davor genutzt werden. „Durch die Unruhe am Wiesenrand weiß die Ricke, dass etwas nicht stimmt, und sucht einen anderen Platz für ihre Kitze“, sagt Dittmar.

Für die Wildrettung gehen Dittmars auf Nummer sicher. Sogenannte Rehkitz-Retter kommen ebenfalls zum Einsatz, die mit Ton- und blauem Lichtsignal die Rehe aus den Wiesen vertreiben sollen.

Auch das Mähen von innen nach außen ist eine gängige Methode, um das Wild aus der Wiese zu treiben. Zusätzlich gibt es an der Front des Treckers eine Schallkanone, die während des Mähens akustisch warnt.

Auf Instagram kann man mehr erfahren: instagram.com/reitanlage_hoffehrenberg_/ (Joséphine Hein)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.