Mechatroniker konstruieren Anlage für den Getriebebau

Azubis entwickeln neue Maschine - Idee spart VW in Baunatal viel Zeit und Geld

Im Getriebebau des VW-Werk Kassel in Baunatal: Ausbilder Thomas Wiegand (von links), Sachbearbeiter Thomas Martin und die Azubis Lucas Bergmann und Pascal Morin stehen an der Maschine, die von den Mechatronikern im Rahmen ihrer Abschlussarbeit entwickelt wurde.
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Im Getriebebau: Ausbilder Thomas Wiegand (von links), Sachbearbeiter Thomas Martin und die Azubis Lucas Bergmann und Pascal Morin stehen an der Maschine, die von den Mechatronikern im Rahmen ihrer Abschlussarbeit entwickelt wurde.

Gerne wird in Schulen und Ausbildungsstätten über den Praxisbezug von mancher theoretischer Unterrichtseinheit diskutiert. Doch nicht überall ist das gerechtfertigt.

Kassel/Baunatal - Die VW-Azubis Lucas Bergmann (20) und Pascal Morin (22) haben zum Ende ihrer Ausbildung in der Akademie im VW-Werk Kassel in Baunatal ein Zeichen gesetzt: Die angehenden Mechatroniker haben als Abschlussarbeit eine Maschine entwickelt, die so gut ist, dass sie jetzt im Getriebebau in der Halle 6 im Produktionsprozess eingesetzt wird – und dort Zeit und und Kosten spart.

So funktioniert’s: Jedes Zahnrad für das Direktschaltgetriebe DL 382 wurde bislang von einer Maschine, die per Laser einen Code in das Bauteil prägt, selbst in die richtige Position gebracht. Doch der Wendevorgang der Zahnräder im Gehäuse der Anlage kostete viel Zeit. Die von Bergmann und Morin entwickelte und eigenhändig programmierte Anlage ist wesentlich schneller. Die Taktzeit sei von 36 auf 24 Sekunden gesteigert worden, berichtet Thomas Martin, Sachgebietsleiter Mechanische Fertigung.

Von Azubis entwickelte Maschine spart VW vermutlich fünfstelligen Betrag

Damit habe man nicht nur den Ausstoß der Teile deutlich steigern können, betont er. „Es ist auch eine Kosteneinsparung.“ Schließlich hätte VW einen Planer und eine Firma mit der Konstruktion einer solchen Anlage für die Steigerung am bisher langsamsten Abschnitt des Prozesses beauftragen müssen. Wie viel das gekostet hätte, sagen die Verantwortlichen nicht. Aber es ist davon auszugehen, dass dies etwa eine mittlere fünfstellige Summe verschlungen hätte.

„Die Herausforderung war, eine komplett neue Anlage zu planen und zu konstruieren“, sagt Pascal Morin. „Es war die Aufgabe, die Taktzeit zu verringern.“ Die Konstruktion sei kompliziert gewesen, ergänzt Azubi-Kollege Lucas Bergmann. Nur ganz wenig Platz habe für den Aufbau zur Verfügung gestanden. Die neue Wendemaschine sei so gut, ergänzt Thomas Martin noch, dass diese sogar Vorbild für andere Produktionsbereiche sein könnte.

VW in Baunatal: Beide Azubis engagieren sich in der Feuerwehr

Möglicherweise hat die Teamarbeit der angehenden Mechatroniker so gut funktioniert, weil sie auch in der Freizeit viel zusammen unternehmen. Die Freunde stammen beide aus Liebenau-Niedermeiser. Dort sind sie auch zusammen in der Feuerwehr und organisieren unter anderem die Jugendarbeit.

Ausbilder Thomas Wiegand ist mit der Leistung seiner Schützlinge ganz besonders zufrieden. Er hofft, dass sich weitere Projekte aus der Praxis für künftige Azubis ergeben. Und Akademie-Chef Jens Dembowski rückt die Ausbildung in Coronazeiten in den Blick. Genau dieses Beispiel zeige, dass nicht alles digital vermittelt werden könne. „Da brauchen wir Präsenz.“ (Sven Kühling)

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