Gelände gehörte der Bahn

Schandfleck: Brandruine im Bahnhof Guntershausen steht immer noch 

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Völlig zerstört: Das ehemalige historische Werkstattgebäude am Bahnhof Guntershausen sieht noch genauso aus wie nach dem Feuer im Sommer 2018. Züge und Regiotrams (Foto) fahren täglich dicht an dem Gelände vorbei. 

Seit einem Großbrand im August 2018 am ehemaligen Werkstattgebäude am Bahnhof Guntershausen steht die Brandruine nahezu unberührt neben Bahnsteigen und Gleisen. Was passiert damit?

Die dichten schwarzen Rauchwolken über dem Fuldatal waren am Abend des 2. August 2018 über viele Kilometer zu sehen. „So etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagte damals auch Baunatals Stadtbrandinspektor Ralf Seitz zu dem besonderen Einsatz am ehemaligen historischen Werkstattgebäude am Bahnhof Guntershausen.

Beteiligt waren 250 Wehrleute aus der gesamten Region um Baunatal. Bis heute steht die Ruine – Teile des Hauses sind eingestürzt – nahezu unberührt neben Bahnsteigen und Gleisen.

Wird das Gebäude vollständig abgerissen? Oder wird es in irgend einer Form wieder aufgebaut? Diese Fragen stellen sich vermutlich hunderte Bahnreisende täglich, die in Zügen und Trams einen Steinwurf entfernt an dem Gelände vorbeikommen.

Guntershausen: Brandruine steht immer noch 

Die Deutsche Bahn als Eigentümer habe Gebäude und Grundstück inzwischen versteigert, berichtet Matthias Knake, Vorstand im Berliner Auktionshaus Karhausen, auf Anfrage der HNA. Schon im Dezember 2018 habe Karhausen das Objekt, das zuvor der Bahn gehörte, angeboten. 

25.000 Euro seien damit erzielt worden. Das Eingangsgebot hatte bei 5000 Euro gelegen. Wer das Anwesen ersteigerte, verrät das Unternehmen indes nicht.

Nach Informationen der HNA hatte auch ein ortsansässiger Schäfer bei der Versteigerung mitgeboten. Doch der Guntershäuser, dem wohl mehrere Objekte im Umfeld des Bahnhofs gehören, habe den Zuschlag für das vom Feuer zerstörte Haus nicht bekommen, heißt es.

Brandruine am Bahnhof: Gelände gehört der Bahn 

Auch Stadtsprecherin Susanne Bräutigam bestätigt, dass das Werkstatt-Gebäude zum Zeitpunkt des Feuers auf dem Gelände der Bahn stand. „Es ist versteigert worden“, sagt sie. Nach Angaben des Berliner Auktionshauses ist das Grundstück rund 4000 Quadratmeter groß. Vor der Versteigerung hatte Karhausen für das Objekt geworben.

 „Unabhängig von dem Zustand des Gebäudekomplexes bietet das Grundstück viele Nutzungsmöglichkeiten“, betonte Vorstand Matthias Knake. Immerhin liege das zweitgrößte deutsche VW-Werk nur etwa zehn Minuten entfernt.

Die Brandursache ist bis heute ungeklärt. Zunächst hatte die Polizei die Ermittlungen übernommen. Doch die Beamten konnten die Brandruine wegen Einsturzgefahr des Rest-Daches nur schwer betreten. Brandstiftung als Ursache wurde zu diesem Zeitpunkt von der Polizei nicht ausgeschlossen. 

Später übernahm die Staatsanwaltschaft Kassel den Fall. Das Verfahren „gegen Unbekannt“, so berichtet Sprecher Andreas Thöne, sei schließlich im September 2018 eingestellt worden.

Wagenschuppen im 19. Jahrhundert

Das Haus habe früher als Werkstattgebäude für beide Bahnlinien gedient, erläutert der Guntershäuser Bahnexperte Dr. Klaus-Peter Lorenz. Sowohl für die Friedrich-Wilhelm-Nordbahn von Kassel über Bebra nach Erfurt als auch für die Main-Weser-Bahn von Kassel über Marburg und Gießen nach Frankfurt. 

Erste Anhaltspunkte für den Bau des Gebäudes stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. „Schon im rekonstruierten Gleisplan von 1854, den Dr. Lutz Münzer erstellt hat, war dieses Gebäude als Wagenschuppen eingezeichnet.“ 

Später seien in dem Werkstattgebäude auf der Seite Richtung der Fulda auch Wohnungen untergebracht gewesen. Auch ein Versicherungsbüro für die Eisenbahnversicherungskasse sei mal dort ansässig gewesen. Seit einiger Zeit habe das Haus aber leer gestanden, berichtet Lorenz.

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Um 10.42 Uhr am Mittwoch war es amtlich: Das Niester Schandfleck-Grundstück mitsamt einsturzgefährdeten Gebäuden hat einen neuen Besitzer.

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