Landwirte sind genervt

Baunatal: Demonstration bei Landwirtschaftlicher Woche - „Stimmung so schlecht wie nie“ 

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Rund 40 Landwirte standen am Montag mit ihren Traktoren und Protestplakaten zum Auftakt der Landwirtschaftlichen Woche vor der Baunataler Stadthalle.

Zum Auftakt der Landwirtschaftlichen Woche in Baunatal demonstrieren Landwirte mit Plakaten auf 40 Traktoren vor der Stadthalle. 

  • Zum Auftakt der Landwirtschaftlichen Woche demonstrieren Landwirte vor der Stadthalle in Baunatal.
  • Grund ist die zunehmende Verschärfung von Umweltauflagen.
  • Landwirte sind bereit im wirtschaftlich zumutbaren Rahmen zu helfen. 

Der Auftakt der Landwirtschaftlichen Woche startete mit einer Demonstration vor der Baunataler Stadthalle - rund 40 Traktoren mit Plakaten sollten dem Unmut der Landwirte Ausdruck verleihen. 

Klagen von Bauern gehören zur Landwirtschaftlichen Woche in der Baunataler Stadthalle oft dazu: Höfesterben, zunehmende Versiegelung von landwirtschaftlichen Flächen, zu geringe Milchpreise und zuletzt die Ernteeinbußen durch ein Dürrejahr.

Bauern demonstrieren gegen Verschärfung von Umweltauflagen

Doch bei der jüngsten Auflage der wichtigsten hessischen Tagung für Landwirte, die noch bis Mittwoch in Baunatal stattfindet, stand ein ganz anderes Problem im Vordergrund: Die Bauern nervt die zunehmende Verschärfung von Umweltauflagen, insbesondere, was die Einschränkung der Gülleflut auf den Äckern und den Artenschutz betrifft. 

„Noch nie war die Stimmung so schlecht“, sagte Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbands, zur Eröffnung der dreitägigen Veranstaltung in Baunatal.

Die Landwirte machten ihrem Ärger über eine ihrer Ansicht nach überzogene, zunehmende Regulierung durch die EU auch publikumswirksam Luft: Vor der Baunataler Stadthalle fuhren sie am Montag mit 40 Traktoren vor, die mit Parolen versehen waren. 

Dr. Carsten Steinhagen vom Regionalbauernverband Kurhessen aus Grifte machte mit der Übergabe einer Flasche sauberen Trinkwassers an die hessische Umwelt- und Agrarministerin Priska Hinz (Grüne) symbolisch deutlich, was die Landwirte in der Region aufregt: Es würden vom Gesetzgeber großzügig Hotspots – rot gekennzeichnete Ackerflächen – ausgewiesen, die angeblich durch eine Überdüngung für eine zu hohe Nitratbelastung des Grundwassers sorgten.

Dabei sei häufig gar nicht klar, ob die Landwirte verantwortlich seien. Um Gudensberg sei eine Fläche von 6000 Hektar betroffen, so Steinhagen gegenüber unserer Zeitung. Dabei sei nur im Bereich eines schon stillgelegten Tiefenbrunnens gemessen worden.

Landwirte bereit im wirtschaftlich zumutbarem Rahmen mitzuwirken

Die Landwirte seien bereit, in wirtschaftlich zumutbarem Rahmen am Erhalt der Artenvielfalt mitzuarbeiten, aber „20 Prozent unter dem Bedarf düngen, das wird nicht funktionieren“, sagte Präsident Schmal.

Auch wegen der geplanten kurzen Zeitfenster für die Gülleausbringung befürchte er, dass eine Reihe von Tierhaltungsbetrieben schließen müssen, einfach weil dann weniger Futtermittel produziert würden. 

Es würden immer neue Regeln erlassen, bevor man den Erfolg abwarte, klagte Schmal. „Wir brauchen einfach mehr Verlässlichkeit in der Politik“, sagte er.

Landwirte können mit maßgeschneiderten Biotop-Inseln helfen

Der Biologe Professor Werner Kunz aus Grevenbroich machte einen Vorschlag, wie die Bauern zur Verbesserung der Artenvielfalt beitragen können: Sie sollten maßgeschneiderte Biotop-Inseln anlegen und pflegen. 

Bezahlen müsste das aber wohl der Steuerzahler. Die Rede war von einem höheren Millionenbetrag. Klar sei, dass die Überdüngung schlimmer als Pestizide und Herbizide sei. „Sie tötet ganze Biotope“, sagte der Wissenschaftler.

Bei den an die Landwirtschaftliche Woche angegliederten Kasseler Gartenbautagen ist die Anpassung der Gärten an den Klimawandel ein zentrales Thema.

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