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Baunatal plant Verein für europäische Städte-Kooperation

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Von: Ingrid Jünemann

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Das historische Uhrentor in Vire in der Normandie
Älteste Partnerschaft: Im nächsten Jahr wird Baunatal 40 Jahre mit Vire Normandie verbunden sein. Wahrzeichen der französischen Stadt ist das historische Uhrentor mitten im Zentrum mit Ursprüngen im 13. Jahrhundert. 2019 waren die Baunataler letztmals vor Corona dort zu Gast. © Privat

Die Stadt Baunatal will ihre vier Städtepartnerschaften auf ein neues Fundament stellen. „Ein stadtnaher Verein“ mit ihr als Vorsitzende, so Bürgermeisterin Manuela Strube, solle entstehen.

Baunatal – Hintergrund ist der Sparzwang der Kommune. Der Arbeitskreis Haushaltskonsolidierung des Stadtparlaments hat festgelegt, dass die Stelle Städtepartnerschaften im Rathaus zum Jahresende wegfallen soll. Petra Flöter, die in den vergangenen acht Jahren für das Thema zuständig war, geht dann in Ruhestand.

Baunatal ist mit Vire Normandie (Frankreich), Vrchlabí (Tschechien), San Sebastian de los Reyes (Spanien) und Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) verschwistert. Um diese Städtebünde soll sich im Rathaus künftig Lars Koch vom Stabsbereich Kommunikation mit acht Stunden seiner Wochenarbeitszeit kümmern. Weitere acht Stunden sollen durch einen 520-Euro-Job hinzukommen. Petra Flöter ist zurzeit noch 22 Stunden wöchentlich für den Bereich tätig.

Den Überbau soll ein Verein bilden, dessen Vorstand neben der Bürgermeisterin der Stadtverordnetenvorsteher sowie unter anderem die ehrenamtlichen Vorsitzenden der vier Arbeitskreise für die Partnerschaften angehören. Die Stadt will zusätzlich zum Personal 20 000 Euro pro Jahr für alle Aktivitäten bereitstellen. Hoffnung ist zudem, dass der Verein mehr Fördergeld und Spenden einwerben kann, als es der Stadt selbst erlaubt ist.

Rathauschefin Strube stellte das geplante Konstrukt in einer gemeinsamen Sitzung aller vier Arbeitskreise vor und machte deutlich, dass es zur Stellenstreichung keine Alternative gebe. Was Kritik auslöste – insbesondere von Magalie Kiepe und Jeffrey Miller. Die Vorsitzenden der Komitees für die aktivsten Partnerschaften mit Vire Normandie und Vrchlabí fürchten, dass noch mehr Arbeit auf sie als ehrenamtliche Kräfte zukommt. Dabei seien sie bereits ausgelastet. Die Bürgermeisterin sagte zu, zu prüfen, ob ein weiterer Minijob geschaffen werden kann.

Jetzt soll zunächst der Ist-Zustand bilanziert werden: Welche Aktivitäten laufen zwischen den Partnerstädten? Welche Aufgaben stehen an? Zum Beispiel existiert Baunatals ältester Bund mit Vire Normandie 2023 seit 40 Jahren – ein Grund zum Feiern. Schulaustausche stehen auf der Kippe, es gilt neue Allianzen zu schmieden. Die Arbeitskreise sollen auch auflisten, was künftig wünschenswert wäre, etwa weitere Sport- und Kulturkontakte. Letztlich waren sich die Sitzungsteilnehmer einig, dass in Zeiten eines in Europa leider wieder aufkeimenden Nationalismus die Städtepartnerschaften über Grenzen hinweg eine neue Bedeutung gewinnen. Deshalb müssten sie auf jeden Fall weiter bestehen, auch unter einem neuen Dach. Man solle ausprobieren, ob die vorgesehene Struktur funktioniert. Und es gelte, neue Mitstreiter zu gewinnen. Anfang November wollen die Beteiligten erneut mit der Bürgermeisterin tagen, um konkreter zu planen.

Eine erfreuliche Nachricht überbrachte Manuela Strube zur Partnerschaft mit San Sebastian de los Reyes, Sanse genannt. Nachdem diese Allianz seit vielen Jahren wegen Finanznot der Spanier brach liegt („Freundschaft per Briefkopf“), gibt es einen Hoffnungsschimmer. Weil die Baunataler Erich-Kästner-Schule wegen ihres Angebots von Spanisch als zweiter Fremdsprache eine Partnerschule auf der Iberischen Halbinsel sucht, hat Strube den Bürgermeister von Sanse und dortige Schulen angeschrieben. Zur Freude im hiesigen Rathaus bekundeten diese Interesse. Jetzt müsse man „das zarte Pflänzchen wachsen lassen“, so Strube.

Baunatals Partnerschaft mit Sangerhausen in Sachsen-Anhalt, wo Europas größtes Rosarium als Attraktion lockt, nimmt eine Sonderrolle ein. Es gibt jährlich Seniorentreffen hier und dort sowie Kontakte der Stadtverwaltungen. Letztere entstanden nach der Wende 1989, als in Ostdeutschland Amtshilfe benötigt wurde.

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