Mit 79 km/h durch 30er-Zone

Raser in Baunatal: Anwohner im Trineweg verärgert

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Im Trineweg in Baunatal-Großenritte gilt Tempo 30. Dennoch fahren mehr als 30 Prozent der Autofahrer – laut Geschwindigkeitsmessungen im vergangenen Jahr – mindestens zehn Kilometer pro Stunde zu schnell.

Die Anwohner des Trinewegs in Baunatal-Großenritte sind verärgert: Sie beschweren sich über zu schnelle Autofahrer in der Tempo-30-Zone und fordern Unterstützung von der Stadt.

Um ihren Unmut sinnvoll zu kanalisieren, haben sie bereits verschiedene Möglichkeiten zur Verkehrsberuhigung im Trineweg diskutiert. Dazu zählen eine Geschwindigkeitsanzeigetafel, Kinderwarnschilder, Fahrbahnverengungen, Blitzer, Zebrastreifen, die Einführung der Rechts-vor-links-Regel sowie die Aufhebung des Halteverbots. „Es sind minimalistische Sachen, die es einfacher machen würden“, sagt Anwohner Matthias Musick.

Lärmbelästigung, Gefahrensituationen mit Tieren und Menschen, Gestank durch Abgase und die Sicherheit der Kinder beschäftigen die Anwohner des Trinewegs: „Es ist ein Dauerthema. Das war uns schon vor dem ersten Spatenstich bewusst, aber der Kauf des Hauses war uns wichtiger. Wir müssen das in den Griff kriegen“, sagt Denis Maletz.

„Wenn man morgens zur Arbeit fährt und sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält, bekommt man den Stinkefinger gezeigt oder Beleidigungen an den Kopf geworfen“, fügt der vierfache Familienvater Albert Messer hinzu. Lichthupe und Überholmanöver seien für ihn schon Normalität.

Albert Messer, Anwohner

Aus diesem Grund habe er sowohl die Stadt als auch das Bauamt schon mehrmals angeschrieben, sei aber aus seiner Sicht nicht ernst genommen worden. Ähnlich schildern es auch andere Anwohner. „Bei vielen stößt das sehr emotional auf. Das zeigt ihre Verbundenheit“, erklärt Martina Klein.

Die Stadt Baunatal teilt auf Anfrage mit, dass der Trineweg in Folge von Baumaßnahmen und Straßensperrungen durchaus als Schleichweg bekannt sei und somit ein höheres Verkehrsaufkommen mit sich zöge, was Zählungen und Geschwindigkeitsmessungen im vergangenen Jahr bestätigten.

79 Kilometer pro Stunde

Nach HNA-Informationen sind im Jahr 2018 insgesamt vier Geschwindigkeitsmessungen gemacht worden. Demnach waren im Mai mehr als 15 200 und im September mehr als 12.900 Autos in Richtung Elgershäuser Straße unterwegs. Der schnellste Wagen wurde mit 79 Kilometern pro Stunde gemessen. In Richtung Chattenstraße waren es 11.150 und 2100 Fahrzeuge. Die höchste gemessene Geschwindigkeit war hier 68 Kilometer pro Stunde.

Bei allen Messungen waren gemäß der vorliegenden Zahlen mehr als 30 Prozent der Autofahrer schneller als 40 Kilometer pro Stunde – also mindestens zehn Kilometer pro Stunde zu schnell. Verwarn- oder Bußgelder seien in diesem Zusammenhang nicht verhängt worden. Für September kündigte Bürgermeisterin Silke Engler weitere Verkehrszählung an.

Martina Klein, Anwohnerin

Ein wichtiges Thema ist für die Anwohner – vor allem im oberen Teil des Trinewegs – auch der fehlende Bürgersteig, der im Baugebiet eigentlich vorgesehen sei. „Die Häuser stehen sehr nah an der Straße, da merkt man alles“, sagt Klein. Die „familienfreundliche Stadt“, wie es auf der Homepage der Stadt Baunatal heißt, käme in diesem Zusammenhang zu kurz.

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