„Ernährung muss durchdacht sein“

Verzicht auf Fleisch: Leben Vegetarier gesünder? 

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Gemüse ist gesünder als Fleisch? Nicht per se, sagt die Baunataler Allgemeinmedizinerin Dr. Sabine Meckbach.

Ein häufig genanntes Argument für Fleischverzicht ist, dass vegetarische Ernährung gesünder sei. Doch stimmt das überhaupt?

Wir haben mit Allgemeinmedizinerin Dr. Sabine Meckbach gesprochen, die in ihrer Praxis in Baunatal auch eine Ernährungsberatung anbietet. Fragen und Antworten:

Sind Vegetarier gesünder als Fleischesser? 

Nicht per se. „Es gibt Studien, die belegen, dass Vegetarier länger leben“, sagt Sabine Meckbach. Das liege aber nicht an der Ernährung, sondern daran, dass Vegetarier häufig generell einen gesünderen Lebensstil pflegen, weniger Alkohol trinken, selten rauchen und häufig mehr Sport treiben. Aber: „Ein hoher Konsum von rotem Fleisch – also alles außer Geflügel und Fisch – sowie Wurst kann das Darmkrebsrisiko erhöhen.“ Außerdem kann hoher Fleischkonsum Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gicht verursachen.

Besteht für Vegetarier die Gefahr einer Mangelernährung

Nein. Zumindest nicht, wenn sie Milchprodukte zu sich nehmen. Diese enthalten – ebenso wie Fleisch – Eiweiß und Vitamin B 12, sagt Meckbach. Eisen könne etwa über Erbsen, Linsen und Bohnen aufgenommen werden. Vitamin C fördert im Übrigen die Eisenaufnahme im Körper. Zum Mittagessen empfiehlt Meckbach deshalb ein Glas Orangensaft. Kaffee, schwarzer Tee und Cola hingegen hemmen die Aufnahme von Eisen und sollten deshalb nicht zum Essen getrunken werden. Wer als Vegetarier viele Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte isst, sollte zudem darauf achten, genug jodiertes Speisesalz zu sich nehmen – „gerade im Jodmangelgebiet Nordhessen“. Nüsse und Co. hemmen die Jodaufnahme. 

Wie sieht es mit Ersatzprodukten wie Veggie-Wurst aus? Von diesen rät Meckbach ab, „denn sie enthalten meist eine übermäßige Menge an Salz, Zucker, Fett und Geschmacksverstärkern“. Produkte aus Soja, Seitan, Lupin und Tofu hingegen eigneten sich als Fleischersatz.

Sind Veganer mangelgefährdet? 

Jein. „Je mehr Verzicht, desto durchdachter muss die Ernährung sein“, sagt Meckbach. Vegetarier, die trotzdem noch Eier und Milchprodukte essen, müssen in der Regel keine Mängel ausgleichen. Veganer allerdings sollten laut der Ärztin Vitamine und Spurenelemente künstlich – also in Form von Präparaten – zu sich nehmen. Veganern fehlten vor allem Vitamin B 12, mehrere fettlösliche Vitamine und Eiweiß. „All das braucht man, um gesund und leistungsfähig zu bleiben und keine Krankheiten zu entwickeln.“

Wie sähe also ein guter Tagesplan in Sachen Ernährung aus? 

Zum Frühstück könne man etwa Natur- oder Sojajoghurt mit getrockneten Früchten – „getrocknete Aprikosen haben besonders viel Kalium“ – und Knäckebrotstücken für die Kohlenhydrate essen. Optional sei natürlich auch frisches Obst ein geeignetes Topping. Zum Mittagessen wäre etwa ein gemischter Salat (Kohlenhydrate und Vitamine) mit Büffelmozzarella (Eiweiß), Balsamico und Walnussöl (Omega-3-Fettsäuren), Avocado (Fette), Walnusskernen (Eisen) und Trockenfrüchten eine gute Wahl. Abendbrot mit gekochtem Ei sorge für eine erneute Portion Kohlenhydrate und Eiweiß. 

Die größten Vitaminbomben seien beim Obst Äpfel, Orangen und Erdbeeren. Bei Gemüse lägen unter anderem Paprika und Tomaten weit vorne.

Zur Person 

Dr. Sabine Meckbach

Dr. Sabine Meckbach (54) ist in Fulda geboren. Sie studierte Medizin in Marburg. 2008 gründete sie mit ihrem Kollegen Michael E. Brill die Gemeinschaftspraxis für Allgemeinmedizin an zwei Standorten in Baunatal – in der Marktstraße in Altenbauna und in der Dorothea-Viehmann-Straße in Rengershausen. Ebenfalls seit 2008 bietet Meckbach eine Ernährungsberatung an. Heute wohnt die Mutter von vier Kindern mit ihrem Lebenspartner in Kassel. Sie interessiert sich für Jugendstil und weite Reisen – etwa nach Australien oder auf die Fidschi-Inseln.

Das ist Vegetarismus

Die vegetarische Ernährungsweise geht auf den griechischen Philosophen Pythagoras (6. Jahrhundert vor Christus) zurück. Vegetarier ernähren sich ausschließlich oder vorwiegend von pflanzlichen Lebensmitteln und verzichten weitestgehend auf tierische Lebensmittel. 

Man unterscheidet verschiedene Formen des Vegetarismus, die sich nach dem Anteil tierischer Lebensmittel sowie nach der Art und Zubereitung der pflanzlichen Lebensmittel abgrenzen lassen. Da sich hierdurch große Unterschiede ergeben, sollte laut Deutschem Ernährungsberatungs- und Informationsnetz (DEBInet) eine vegetarische Ernährung in Bezug auf jede einzelne Gruppe ernährungsphysiologisch bewertet werden. 

In Deutschland ernähren sich nach Angaben von DEBInet schätzungsweise 5,5 Millionen Menschen vegetarisch, die meisten davon ovo-lacto-vegetabil, essen also Eier und Milchprodukte.

Lesen Sie auch:  Veganer leben auch nicht länger: Alle Infos zu rein pflanzlicher Ernährung

Von Ovo-Lacto bis Frutarier

So unterschiedlich wie die Beweggründe für fleischlose Ernährung, so unterschiedlich können auch die Essgewohnheiten selbst sein. Die Unterschiede in der Ernährungsweise haben mit der Zeit zu einer immer differenzierteren Kategorisierung geführt. Wir stellen die verschiedenen Ernährungstypen vor, die vom Deutschen Ernährungsberatungs- und Informationsnetz in drei Gruppen eingeteilt werden.

Dieses Video stammt von der Internet-Plattform Glomex und wurde nicht von HNA.de erstellt.

Empfehlenswert

Die unter dieser Gruppe aufgeführten vegetarischen Ernährungsformen sind bei angemessener Planung ernährungsphysiologisch unbedenklich und im Rahmen einer gesunden Ernährung empfehlenswert. 

  • Flexitarier: Diese verzichten nur teilweise auf Fleisch, Fisch und Meerestiere sowie daraus hergestellte Produkte. 
  • Pescetarier: Essen kein Fleisch, aber Fisch. Schalen und Weichtiere sind manchmal ausgeschlossen. 
  • Ovo-Lacto-Vegetarier: Neben pflanzlicher Kost werden auch Milch und Milchprodukte sowie Eier verzehrt, jedoch enthalten sich Ovo-Lacto-Vegetarier des Verzehrs von Fleisch, Fisch und Meerestieren. 
  • Lacto-Vegetarier: Die Ernährung ähnelt der von Ovo-Lacto-Vegetariern, jedoch wird zusätzlich der Genuss von Eiern aufgegeben. 
  • Veganer: Die Ernährung des Veganers besteht ausschließlich aus Pflanzenkost. Tierische Produkte wie Fleisch, Fisch und Meerestiere, Milch und Milchprodukte, Eier und sogar Honig werden abgelehnt. Die vegane Ernährung ist nur für gesunde Erwachsene als dauerhafte Ernährungsweise geeignet. 

Nicht empfehlenswert 

Diese Gruppe ernährt sich durch den Ausschluss von Lebensmitteln eher einseitig und geht somit gesundheitliche Risiken durch Nährstoff-Unterversorgungen ein. 

  • Rohköstler: Eventuell vegan ausgerichtet, essen Rohköstler ausschließlich ungekochte und nicht verarbeitete Lebensmittel, darunter Früchte, Gemüse, Nüsse, Samenfrüchte sowie gesprosstes Getreide und Hülsenfrüchte. Bei seltenen Gelegenheiten verzehren Rohköstler auch unpasteurisierte Milchprodukte und evtl. sogar rohes Fleisch und rohen Fisch. 
  • Makrobiotiker: Die Ernährung stützt sich hauptsächlich auf Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse. In etwas geringerem Umfang werden auch Früchte, Nüsse und Samen gegessen. Manche Makrobiotiker verzehren geringe Mengen Fisch.

Abzulehnen

Diese Sondergruppe riskiert durch eine stark einseitige Ernährung schnell Mangelerscheinungen.

  • Frutarier: Strenge Form der Veganer, verzehren ausschließlich Früchte, Nüsse und Samen.
  • "Pudding-Vegetarier“: Ernähren sich weitgehend von verarbeiteten und erhitzten Fertigprodukten. 

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