Brüder blicken auf Zeit bei Volkswagen zurück

Sie fühlen sich wohl: Zwillinge arbeiten seit 45 Jahren gemeinsam im Baunataler VW-Werk

+
Sind zufrieden mit ihrer Arbeit: Die Zwillinge Hermann (vorne) und Alfred Gatzmaga sind seit 45 Jahren gemeinsam im Baunataler VW-Werk. Hermann hat seit einem Unfall 1985 einen behindertengerechten Arbeitsplatz im Getriebebau.

Der eine ist gelernter Maschinenschlosser. Der andere ist Werkzeugmacher. Und damit hören die Unterschiede von Hermann und Alfred Gatzmaga quasi schon auf.

Die Gemeinsamkeiten überwiegen. Beim Aussehen sogar bis ins Detail. Schließlich sind die beiden eineiige Zwillinge. Und seit 45 Jahren sind die heute 60-Jährigen gemeinsam im VW-Werk Kassel in Baunatal beschäftigt. Das ist noch so eine ganz besondere Übereinstimmung.

Alfred hat es allerdings eher einem Zufall zu verdanken, dass er am 1. September 1974 genau wie sein Bruder Hermann mit der Lehre im VW-Werk in Altenbauna beginnen konnte. 

Bei VW in Südafrika

„Ich bin für einen anderen reingerutscht“, berichtet er. In den folgenden Jahren haben sich die beruflichen Wege innerhalb des Werks immer mal wieder getrennt, sagen die Zwillinge. Der eine arbeitete in der Halle 4 in der Aggregateaufbereitung, der andere im Getriebebau in der Halle 1.

Doch dann kommen Alfred und Hermann schnell wieder auf die gemeinsamen Erlebnisse zu sprechen. „Wir waren in Südafrika“, sagen sie fast im Chor. Und Alfred ergänzt sogleich mit Blick zu seinem Zwillingsbruder: „Er sollte auf mich aufpassen.“ 

1979 ging es los ins südafrikanische VW-Werk in Uitenhage. Freiwillig hatten sich die Kasselaner Jungs (Alfred lebt heute in Großalmerode) für den Auslandsaufenthalt bei Volkswagen gemeldet.

Im Gespräch darüber geraten beide ins Schwärmen mit Sätzen wie: „Es war schön da unten.“ Und: „Da zehre ich heute noch von. In Südafrika haben wir alles zusammengemacht.“ Sogar an Details können sich die Gatzmagas noch erinnern. Etwa an die Wirren beim Rückflug nach Deutschland und sogar einzelne Fluggäste.

Im VW-Werk fühlen sie sich wohl

Dass sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen, das sorgte manchmal für Verwirrung. In einem Geschäft in der Stadt beispielsweise oder am Werkstor habe jemand gegrüßt. Später erst sei aufgefallen, dass eigentlich der Zwillingsbruder damit gemeint war. Darüber können die beiden heute noch herzhaft lachen.

Hermanns Meister im Getriebebau, David Loreck, beschreibt die Art seines Schützlings einfach so: „Er ist ein gern gesehener und ein sehr zuverlässiger Mitarbeiter.“

Und mit einem Augenzwinkern kommt auch Loreck auf die Ähnlichkeit der Brüder zu sprechen. „Wenn der Hermann mal ausfallen würde und der Alfred kommt stattdessen, dann geht es hier genauso weiter.“

Im Baunataler VW-Werk fühlen sich die Gatzmagas auch nach 45 Jahren noch wohl. Das betonen beide. Und im Weggehen sagt Alfred dann noch einen Satz. Und dabei dreht er sich ein wenig seitlich um, um den Worten mehr Gewicht zu verleihen: „Vielleicht werden es ja noch 50 Jahre hier.“

Lesen Sie auch: Im Baunataler VW-Werk arbeiten 1000 Menschen für das neue Elektroauto ID.3.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.