Nachlass

Nach Tod der Mutter: Baunataler Familie erbt Schulden beim Stromanbieter

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Kämpft sich durch Berge an Schriftverkehr: Sylvia Nellessen und ihre Familie erbte nach dem Tod ihrer Mutter auch einige Schulden. 

Wer etwas erbt, der kann nicht nur das Vermögen des Verstorbenen erhalten, sondern auch seine Schulden. Was dann auf einen zukommen kann, zeigt ein Fall aus Baunatal.

Als Helga Nellessen im April 2018 starb, hinterließ sie ihrer Familie nicht nur viele schöne Erinnerungen und ein Haus, sondern auch einen Haufen offene Rechnungen. Besonders Probleme bereitet den Erben die Forderungen des Stromanbieters Eon.

„Leider hat meine Mutter schon Jahre vor ihrem Tod versäumt, einige Rechnungen zu zahlen“, sagt Helga Nellessens Tochter Sylvia. Die Mutter sei zwar auch im Alter noch rüstig gewesen, aber nach dem Umzug ins Seniorenheim in den letzten Jahren ihres Lebens mit den komplexen Finanzen überfordert gewesen. So sammelten sich neben den Zahlungen auch Mahngebühren an. „Uns ist natürlich klar, dass wir die Schulden meiner Mutter begleichen müssen. Aber das macht uns Eon wirklich nicht einfach“, sagt sie. Das Problem: Sieben verschiedene Vertragskonten und sieben verschiedene Anschriften finden sich in den Schreiben an Nellessen. „Schon mehrfach habe ich mit dem Unternehmen telefonisch und schriftlich mitgeteilt, wo ich in Vöhl am Edersee wohne. Trotzdem kommt die Post meist nach Baunatal.“

Und geht dort nicht nur an die alte Adresse der Mutter, sondern auch an Nellessens Tochter Julia Todorovic, ihren Bruder, die Baufirma der Familie und die Erbengemeinschaft. „So habe ich gar keinen Überblick“, erklärt Nellessen.

Auch sei ihr nicht klar, wie hoch die Forderungen seien, auf welche Vertragskonten diese sich beziehen und welche Stromzähler als Grundlage abgelesen wurden. „Momentan gehe ich von Forderungen von insgesamt 2500 Euro aus“, sagt Nellessen. Nachfragen würden immer wieder unterschiedlich beantwortet. „Jedes Mal, wenn ich da anrufe, habe ich jemand anderes am Hörer und muss mein Problem neu erklären.“ Auch Fragen zu den Konten und nach der Möglichkeit, einen Vergleich anzustreben, würden unterschiedlich beantwortet.

Erbe ausschlagen war keine Option

„Ich weiß mir einfach nicht mehr zu helfen. Eigentlich würde ich das gerne ohne viel Aufhebens regeln, aber das geht ja scheinbar nicht“, sagt Nellessen. Das Erbe auszuschlagen, sei keine Option gewesen. Denn daran hingen auch andere Werte, wie das Wohnhaus der Mutter. Das sei zwar momentan unbewohnbar und müsse saniert werden, könne aber später sicher genutzt werden. „Ich hoffe, das sich Eon jetzt meldet und wir einen Vergleich vereinbaren können“, sagt Nellessen.  

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Das sagt Eon: "Situation sehr unübersichtlich"

Sylvia Nellessen wünscht sich einen Vergleich mit dem Stromanbieter ihrer verstorbenen Mutter. Eon bietet ihr nach der HNA-Anfrage auch eben diesen an. „Aktuell gibt es zu einem Vertragskonto noch eine offene Summe von 786,72 Euro, für ein anderes Vertragskonto noch 1801,11 Euro. Für beide Verträge sind aktuell bereits Ratenpläne eingestellt. Gern sind wir aber bereit Sylvia Nellessen entgegenzukommen und auf Teilbeträge zu verzichten, sodass noch Restbeträge von 600 Euro und 1000 Euro verbleiben“, heißt es von der Eon-Pressestelle. 

„Wir bedauern, dass Sylvia Nellessen mit der Abwicklung der zahlreichen Vertragskonten und der noch bestehenden Forderungen nicht zufrieden ist. Leider ist die Situation sehr komplex und unübersichtlich, da es nach unseren Informationen um Verträge für zwei Hausnummern mit insgesamt acht Zählern geht. In Summe liegen uns 15 Vertragskonten vor, von denen wir die meisten bereits abgewickelt haben.“

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