Corona füllt Fahrrad-Keller

Baunataler Fundbüro kann wegen Lockdown nichts versteigern

Keller quillt über: Corinna Göbel weiß bald nicht mehr, wohin mit den gefundenen Fahrrädern. In der Hand hält sie eine Babywippe, die auf einem Parkplatz gefunden wurde.
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Keller quillt über: Corinna Göbel weiß bald nicht mehr, wohin mit den gefundenen Fahrrädern. In der Hand hält sie eine Babywippe, die auf einem Parkplatz gefunden wurde.

Wegen des Lockdowns kann das Baunataler Fundbüro derzeit nichts versteigern. Im Keller sammeln sich bereits viele Fahrräder.

Baunatal – Die Stadt Baunatal könnte fast schon einen Fahrradhandel aufmachen: In einem Keller des Fundbüros stehen 31 zum Teil hochwertige Fahrräder dicht an dicht bis zur Eingangstür, einige hängen an Haken unter der Decke. „Wir stoßen hier an unsere Kapazitätsgrenze. Dabei steht uns die neue Fahrradsaison erst noch bevor“, sagt Corinna Göbel, die Leiterin des Bürgerservice. Ihr untersteht auch das Fundbüro, indem sie zu Anfang ihrer Karriere im Rathaus schon mal gearbeitet hat.

Die Flut von vergessenen oder einst entwendeten und dann irgendwo stehengelassenen Drahteseln hat nach Ansicht von Göbel nichts damit zu tun, dass in der Pandemie mehr Räder als sonst verloren gehen. Denn die Zahl der Fundsachen habe sich während der Corona-Krise nicht verändert. Dennoch ist die Pandemie an dem Fahrräder-Stau im Fundbüro schuld. Denn wegen des Lockdowns konnte die Stadt nicht wie geplant im vergangenen Jahr diejenigen Drahtesel, für die die gesetzliche Aufbewahrungsfrist von einem halben Jahr abgelaufen ist, öffentlich versteigern.

Turnusmäßig soll die nächste Versteigerung erst 2022 stattfinden. Vielleicht müsse man da eine andere Lösung finden, sagt Göbel. Die häufig noch gut in Schuss befindlichen Räder einfach zu entsorgen, wäre ja schade, meint sie.

Viele der derzeit etwa 130 Fundsachen erwartet aber genau dieses Schicksal. Relativ wenige Besitzer melden sich beim Fundbüro, um nach dem Verbleib von Schlüsseln, Hörgeräten, Brillen, Handys oder Schmuck zu fragen. „Vor allem Schlüssel werden selten abgeholt“, sagt die Bürgerservice-Leiterin. Überraschende Fundstücke sind mitunter auch dabei: Ein Zirkelkasten, eine Bohrmaschine, ein Flugspielzeug und eine Babywippe. Letztere sei auf einem Parkplatz gefunden worden. „Vielleicht hat die Besitzerin beim Ein- und Ausladen ihres Pkw die Wippe vergessen“, mutmaßt Göbel. Seltsam findet sie, dass viele der abgegebenen Autoschlüssel ausgerechnet auf Parkplätzen gefunden wurden.

Wer etwas verloren hat, kann den Verlust online auf der Website der Stadt Baunatal beim Bürgerservice melden oder dort anrufen. Wer Anspruch auf den Fund erhebe, müsse dann genau beschreiben, wie der Gegenstand aussieht, welche besonderen Merkmale er hat und in welchem Zeitraum er verloren gegangen ist, sagt Göbel. Erst dann könne der Betreffende einen Termin im Fundbüro vereinbaren. Einfach vorbeikommen und schauen, das sei wegen der Corona-Regeln nicht möglich. (Peter Dilling)

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