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Baunataler Gertrudenstift ist insolvent – Nach monatelangen Querelen

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Von: Sven Kühling, Christiane Geier

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Eine Luftaufnahme des Gertrudenstiftes in Baunatal-Goßenritte
Seit Monaten in der Kritik: Das Gertrudenstift in Baunatal-Großenritte. Angehörige der Bewohner sowie auch Mitarbeiter haben sich über die Verhältnisse in dem Altenpflegeheim beschwert. Jetzt ist das Haus pleite. © Andreas Fischer

Das Altenpflegeheim Gertrudenstift in Baunatal-Großenritte ist insolvent. Der Verein Ev.-Luth. Gertudenstift hat laut einer Pressemitteilung einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Kassel gestellt.

Baunatal - Das Stellen des Antrags bestätigt auch Gerichtssprecherin Daniela Müller am Montag auf Anfrage.

„Damit reagieren wir auf eine finanziell herausfordernde Situation, die sich durch Personalengpässe und die Pandemie entwickelt hat“, heißt es in der Mitteilung, die vom Vorstandsvorsitzenden Armin Raatz, dessen Stellvertreter Jörg Ackermann und Geschäftsführerin Tanja Riese unterzeichnet ist.

Die Einrichtung hat seit Monaten mit ständigem Personalwechsel zu kämpfen. Das hatten auch immer wieder Angehörige von Bewohnern der Pflegeeinrichtung gegenüber der HNA geschildert. Kritiker sahen vor allem Geschäftsführerin Tanja Riese als Auslöser für Unstimmigkeiten zwischen Personal und Geschäftsleitung. Riese war nach 2018 auf die damaligen Geschäftsführer Martin Mittelbach und Christian Beyer gefolgt. Diese hatten aufgrund von Unstimmigkeiten über den vom Vorstand von ihnen erwarteten Führungsstil selbst gekündigt.

Eine Stellungnahme von den Unterzeichnern der Pressemitteilung war gestern nicht zu bekommen. In dem Papier heißt es: „Die verantwortlichen Gremien stellen für den Ev.-Luth. Gertrudenstift e.V. sowie für die Gertrudenstift Pflege gGmbH Insolvenzanträge.“ Die Gesellschaft für die betreuten Wohnungen und die Kita seien nicht betroffen.

In dem Papier räumen die Betreiber eine hohe Fluktuation unter den Pflegekräften ein. „Die beiden Pflegeeinrichtungen haben sehr herausfordernde Jahre hinter sich. Die Personalsituation ist überall in der Pflege angespannt und auch in unseren Einrichtungen hat es häufige Wechsel gegeben.“

Als weitere Ursache für die finanzielle Schieflage nennen sie Auflagen durch die Aufsichtsbehörden sowie Folgen der Pandemie. Die angespannte Personalsituation habe eben auch zu Belegungseinschränkungen und Auflagen seitens der Aufsichtsbehörden geführt, heißt es. Auch die Pandemie habe die gesamte Pflege mit zusätzlichen Anforderungen und wechselnden Vorgaben für die Hygiene- und Schutzauflagen weiter unter Druck gesetzt.

Und: „Obwohl wir diese Situationen stets in enger Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden und mit externen Beratern engagiert angegangen sind, hat diese Zeit die finanzielle Situation der Gertrudenstift Pflege gGmbH sowie des Vereins als Mutter der Gesellschaft erschwert.“

Am Freitag seien die Angehörigen über die Insolvenz informiert worden, berichtet etwa Jutta Neuhoff aus Kassel, die ihre Eltern in dem Heim untergebracht hat. Ihre aus Großenritte stammenden Eltern hätten immer dorthin gewollt – „auch wegen der guten Lage“, so Neuhoff. Allerdings sei die Versorgung der Bewohner in jüngerer Zeit immer schlechter geworden. „Meine Eltern haben wenig Essen bekommen.“

Was aus den über 100 Beschäftigten am Gertrudenstift wird, bleibt zunächst unklar. „Die Versorgung im Altenpflegeheim und der Spezialpflegeeinrichtung gehen wie gewohnt weiter“, heißt es. „Auch die Beschäftigten sind von den Insolvenzanträgen derzeit nicht direkt betroffen. Die Arbeitsverhältnisse bleiben bestehen und die Löhne werden überwiesen.“

Und wie geht es dann weiter? „Jetzt richten wir den Blick gemeinsam nach vorne: Wir haben, insbesondere im Altenpflegeheim, eine gute Perspektive für die Zukunft und setzen alles daran, den Betrieb langfristig weiterzuführen“, heißt es in der Mitteilung. Vieles hinge von der Insolvenzverwaltung und der Unterstützung für den Plan zur Neuaufstellung ab. „Mit ihr/ihm werden wir eng und konstruktiv zusammenarbeiten.“

Kritik an Geschäftsleitung des Gertrudenstifts reißt nicht ab

Im Alten- und Pflegezentrum Ev.-Luth. Gertrudenstift in Baunatal-Großenritte kehrt keine Ruhe ein. Hier eine Chronik der Ereignisse:

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