Viele Betten bleiben derzeit leer

Baunataler Hotels leiden schwer unter dem Lockdown

Die Baunataler Hotels können nur wenige Zimmer an Dienstreisende vermieten: Das Geno Hotel
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Die Baunataler Hotels können nur wenige Zimmer an Dienstreisende vermieten: Das Geno Hotel.

Trotz der vom Staat zugesagten und teilweise schon ausgezahlten Überbrückungshilfen und des Kurzarbeitergeldes leiden viele Baunataler Hotels offenbar schwer unter dem Lockdown.

Baunatal – Fast alle Betten bleiben leer, derweil laufen die Betriebskosten weiter. Marcel Werner, Inhaber des Hotels „Scirocco“, ist froh über das Kurzarbeitergeld. Er habe noch keinen Mitarbeiter entlassen müssen. Mit den vielfach kritisierten Coronahilfen für die Branche habe er keine Probleme gehabt. Für November und Dezember habe er einen Abschlag von 50 Prozent erhalten. „Das lief ziemlich zeitnah“, sagt er.

Dennoch reiche das Geld nicht, um alle Löcher, die sich durch die pandemiebedingte Schließung des Restaurants und den nur eingeschränkt möglichen Hotelbetrieb ergeben haben, zu stopfen. „Wir müssen auf Rücklagen zurückgreifen“, erklärt der Hotelier. Land sei noch längst nicht in Sicht. „Der Januar war eine mittelständige Katastrophe und jetzt kommt noch das Schneechaos dazu“, sagt Werner. Zum Glück übernachteten ein paar Monteure im Hotel. Doch er habe den Eindruck, dass die Firmen Geschäftsreisen inzwischen auf ein absolutes Minimum beschränkten.

Das Hotel Scirocco.

Noch sieht Werner kein Land in Sicht. Es gebe kaum Anfragen und Buchungen für Feiern und Veranstaltungen. Vor allem Ältere hätten wohl Sorge vor einer Ansteckung. Mit einem Ende des Lockdowns für seine Branche rechne er nicht vor Ostern – Corona-Auflagen würden wohl bis Ende des Jahres das Geschäft hemmen, glaubt er.

„Unsere Branche steht aktuell wirklich mit dem Rücken zur Wand“, sagt Markus Maier, Geschäftsführer des Geno-Hotels Baunatal, das mit dem Geno-Hotel Forsbach bei Köln kooperiert. Das Geno-Hotel erhalte zwar Kurzarbeitergeld, aber überhaupt keine staatliche Überbrückungshilfe. Vom Steuerberater habe er erfahren, dass man von vornherein nicht antragsberechtigt sei, weil das Hotel ein Tochterunternehmen des Genossenschaftsverbands „Verband der Regionen“ sei.

Dieser Ausschluss sei für ihn nicht nachvollziehbar, zumal das Hotel ganz unverschuldet in die Notlage geraten sei. Seit vier Monaten sei das Geschäftsfeld praktisch stillgelegt. Es sei schon fast ein Glücksfall, dass von den 153 Zimmern im Schnitt noch 20 bis 25 belegt werden können. Eine Rückkehr zu normalen Verhältnissen im Hotelgewerbe sieht Maier nicht vor September dieses Jahres.

Das Hotel Stadt Baunatal.

„Wir versuchen alles Menschenmögliche, um unser Personal so gut wie möglich zu halten“, sagt Sebastian Will, Geschäftsführer des Hotels Stadt Baunatal. Entlassen worden sei noch keiner. Allerdings habe man schon Mitarbeiter verloren, die sich eine andere Arbeit gesucht haben, um aus der Kurzarbeit herauszukommen. Die Küche sei durchgängig weiter in Kurzarbeit. Bei der Auslastung des Hotels sei man maximal bei 50 Prozent im Vergleich zu vor Corona angelangt. Von den zugesagten November- und Dezemberhilfen sei noch nichts angekommen. Er glaubt, dass die Hotellerie nicht vor Ostern einen Schritt in Richtung Normalität machen könne, sagt Will.

Carsten Eck : Geschäftsführer „Ambassador“

Carsten Eck, Geschäftsführer des Best-Western-Hotels „Ambassador“, beklagt Umsatzeinbußen von bis zu 75 Prozent im Lockdown. Die Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, von einigen habe man sich wegen des Lockdowns leider trennen müssen. Eck bezeichnet das System der staatlichen Coronahilfen als „Vollversagen“ der Politik und „Flickschusterei“. Vorschläge von Unternehmen zur Konzeption der Hilfen seien von den Politikern überhaupt nicht berücksichtigt worden. Die Hilfen seien zu kompliziert und zu gering bemessen. (Peter Dilling)

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