Es begann mit einer Hose

Die Baunataler "Kinderstube" gibt es seit 25 Jahren

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Elke Wahl leitet seit 25 Jahren den Kinder-Secon-Hand-Laden „Die Kinderstube“ in Baunatal.

Baunatal. „Die Kinderstube“ am Hermannweg in Baunatal-Großenritte wird ihrem Namen gerecht. Elke Wahl verkauft hier seit 25 Jahren Kinderbedarf aus zweiter Hand.

Eine Tigerente wippt in der Mitte des Raumes. Zu ihrer linken scheint Licht durch ein großes Fenster herein, in dem Kinderkleider von der Decke hängen und Spielzeugfiguren von der Fensterbank aus in den Vorgarten blicken. Davor steht ein rotes Kindersofa neben einem Spiel-Backofen und einer Puppenwiege.

„Es ist von je her eine Kinderstube gewesen“, sagt die Geschäftsführerin. Die Kinder spielten so gerne im Laden, dass sie oft nicht mehr gehen wollten, wenn die Eltern den Einkauf erledigt hätten. Ganz im Gegensatz zu Elke Wahls ursprünglichem Arbeitsort – Sie ist gelernte Kinderarzthelferin. Mit 33 Jahren schlug sie jedoch einen anderen Weg ein. Ein Basar brachte die Mutter zweier Kinder auf die Idee. Damals verkaufte sie unter anderem eine rote Latzhose und gewann Gefallen am Second-Hand-Geschäft.

„Ich habe klein angefangen, auf zwölf Quadratmetern“, erinnert sich die Verkäuferin an den Beginn in ihrem Wohnhaus zurück. Sie wollte gerne selbstständig arbeiten, als ihre Kinder noch jung waren. Als das Geschäft gut angelaufen war, räumte ihr Ehemann seinen Bastelkeller. Tigerenten an den Wänden wiesen den Weg hinunter in den Laden. An ihrem heutigen Standort ist die „Kinderstube“ seit 12 Jahren. Der Höhepunkt des Besuchs für die jüngsten Kunden: Durch das Toilettenfenster kann man zwei Ziegen und ein Schaf im Garten beobachten. „Deshalb gehen die Kinder gerne ins Bad, wenn sie hier sind.“ An der Kasse verabschieden zwei zwitschernde Vögel die Käufer.

Mit dieser roten Latzhose fing alles an: Ihre Leidenschaft für ihren Beruf hat die Mutter zweier Kinder auf einem Basar für Kindersachen entdeckt. Damals verkaufte sie die rote Hose, die heute in der Umkleidekabine hängt. Foto: Kim Henneking

Einen „Generationen-Laden“ nennt Elke Wahl ihre Stube. Mittlerweile kauften Großeltern im Laden ein, die schon mit ihren eigenen Kindern Kunden waren. „Meine Kunden sind nicht unbedingt Leute, die es nötig haben, günstig einzukaufen. Sie tun es aus Überzeugung.“ Selbst aus den USA und Schweden kommen Käufer – Auswanderer, die als Kinder Kleider der Kinderstube getragen haben.

Sie finden hier Kleidung in den Größen 50 bis 164. Schuhe gibt es zu einem Preis von maximal 16,90 Euro. Auch Umstandsmode und Spielsachen gibt es zu kaufen. Umkleide, Still- und Wickelecke sind selbstverständlich vorhanden. Nur für Möbel ist kein Platz im Laden, die werden über ein Schwarzes Brett privat vermittelt.

Ihre Ware erhält die gebürtige Kasselerin direkt von Eltern. Sie bringen, was ihre Kinder nicht mehr tragen oder benutzen. Wenn Elke Wahl etwas verkauft, erhalten sie einen Anteil am Erlös. Der Preis wird gemeinsam abgesprochen. „Es gibt Angebote in allen Preiskategorien.“ Ein Stück koste jedoch nie mehr als die Hälfte des Ursprungspreises. Was nicht verkauft werden kann, geht zurück an die Eltern oder wird gespendet. Zurückgekommen ist auch die rote Latzhose, die Elke Wahl auf ihrem ersten Flohmarkt verkaufte. Eines Tages lag sie wieder auf dem Tresen. Seitdem ziert sie die Decke der Umkleidekabine. Ein Eintrag im Gästebuch erinnert an die Bedeutung der ungewöhnlichen Dekoration. Sie und die an der Wand platzierte Ehrenurkunde der IHK für das 25-jährige Geschäftsbestehen erinnern Elke Wahl an die Meilensteine, die hinter ihr liegen.

Die Kinderstube, Hermannweg 10 in Baunatal-Großenritte, Öffnungszeiten: montags von 9 bis 11 Uhr und 16 bis 18 Uhr, mittwochs von 9 bis 11 Uhr, freitags von 14 bis 17 Uhr

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