Interview: „Ein Hund spendet Trost“

Baunataler Tiertrainerin erzählt von Chancen und Gefahren beim Hundekauf

Die Labradorhündin Angel und die Colliedame Miwani gehören bei der Baunataler Hundetrainerin Claudia Vaupel zur Familie.
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Die Labradorhündin Angel und die Colliedame Miwani gehören bei der Baunataler Hundetrainerin Claudia Vaupel zur Familie.

In der Corona-Pandemie haben sich viele Menschen dazu entschlossen, einen Hund anzuschaffen. Wir haben mit Hundetrainerin Claudia Vaupel aus Baunatal darüber gesprochen.

Laut dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) sind 2020 im Vergleich zu den Vorjahren 20 Prozent mehr Hunde gekauft worden. Ist es eine gute oder eine schlechte Nachricht, dass mehr Hunde gekauft werden?
Das freut mich einerseits, bereitet mir aber auch Sorge. Wenn sich jemand in der Coronakrise für einen Hund entscheidet und dabei auch über die Krise hinausblickt, ist das gut. Ein Hund ist allerdings ein soziales Tier, das gerne beim Menschen und besonders auf ihn angewiesen ist, das darf man nicht vergessen. Man kann ihn deswegen nicht gut acht Stunden allein lassen.
Was ist die Gefahr beim Kauf eines Hundes?
Ich habe die Befürchtung, dass sich nicht jeder diese Entscheidung wirklich gut überlegt. Wenn man jetzt einen Welpen kauft, dann ist der niedlich und gesund. Die Tiere werden aber älter, und das kostet womöglich richtig viel Geld. Eine Tierarztrechnung kann sehr teuer werden. Außerdem gibt es immer mal Trends bei Hunden, also dass gewisse Rassen besonders beliebt sind. Im Moment kaufen viele Menschen gerne die Kleinsthunderassen wie Dackel und Zwergspitze und denken, dass ein kleiner Hund praktisch für die Wohnung und nicht so aufwendig ist. Das stimmt aber oft nicht: Es gibt kleine Hunde, die brauchen mehr Bewegung als große. Terrier beispielsweise sind ausgesprochen aktiv und lebhaft.
Welche negativen Effekte hat es noch, dass sich jetzt mehr Menschen einen Hund anschaffen?
Die Preise beim Hundekauf sind regelrecht explodiert. Man zahlt teilweise 2000 bis 3000 Euro für einen Rassehund. Das hat sich durch Corona so entwickelt: Weil die Nachfrage extrem ist, können Züchter höhere Preise verlangen. Viele haben lange Wartelisten. Die Frage ist, ob die Preise nach der Pandemie wieder sinken werden.
Welche Vorteile hat der Kauf eines Hundes?
Wer einen Hund hat, muss an die frische Luft; diese Verpflichtung motiviert und so bewegt man auch sich selbst. Etwas besseres fürs Herz-Kreislauf-System gibt es nicht. Viele sind durch Corona einsam und alleine, gerade Single-Haushalte. Ein Hund ist für die Psyche sehr gut, er spendet Trost, allein durch seine Anwesenheit. Insofern ist es schon verständlich, dass sich mehr Menschen einen Hund zulegen. Man sollte ihn aber nicht nur kaufen, damit man nicht einsam ist, sondern unbedingt auch die Bedürfnisse des Hundes beachten.
Was würden Sie Menschen raten, die sich einen Hund anschaffen wollen?
Man sollte sich vorher gründlich informieren. Das geht zum Beispiel bei Hundeschulen und Tierärzten. Viele überschätzen sich oder denken nur an die eigenen Bedürfnisse, nicht an die des Hundes. Ich sehe beispielsweise manchmal Leute, die gehbehindert sind und eine hochaktive Rasse haben. Diese Menschen werden das Tier vermutlich früher oder später wegen Überforderung abgeben. Auch bei Mischlingen sollte man schauen: Welche Rassen sind da mit dabei?
Außerdem ist jeder Hund ein Individuum, kein Tier gleicht dem anderen. Auch sollte man den Hund artgerecht beschäftigen – er lernt sein ganzes Leben lang. Man sollte auch bedenken, was passiert, wenn man krank wird oder in den Urlaub fährt. Es gibt Hundepensionen, die aber auch kostenpflichtig sind. Viele andere Dinge spielen ebenfalls mit hinein, zum Beispiel: Sind in meiner Mietwohnung Hunde erlaubt? Habe ich Zeit, den Hund zu erziehen?
Wenden sich oft Menschen an Sie, bevor sie einen Hund kaufen wollen?
Ich biete eine kostenlose Beratung vor dem Hundekauf an und komme bei Bedarf auch mit ins Tierheim. Das wird aber leider nur selten angenommen. Das Problem ist: Der Leidtragende ist immer der Hund, wenn Besitzer hinterher merken, dass sie es sich so nicht vorgestellt haben. Ein Hund ist ein sehr guter Seelentröster und hervorragend in der Coronazeit, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen – auch nach der Krise.

Zur Person Claudia Vaupel

Claudia Vaupel (52) ist Hundetrainerin und betreibt seit 1995 eine Hundeschule in Kassel. Angefangen hat sie in den 1980er-Jahren als ehrenamtliche Helferin im Tierheim Wau-Mau-Insel. Vaupel ist verheiratet und hat zwei Söhne. Auch die Colliedame Miwani und die Labradorhündin Angel gehören mit zur Familie, die gemeinsam in Baunatal wohnt. (Lara Thiele)

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