Erfahrungsbericht

Baunataler Zwillinge berichten von ihrer Zeit während und nach der Quarantäne

Waren rund zwei Wochen in Quarantäne: Die Zwillingsschwestern Victoria (links) und Katharina Böhle aus Baunatal besuchen die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule.
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Waren rund zwei Wochen in Quarantäne: Die Zwillingsschwestern Victoria (links) und Katharina Böhle aus Baunatal besuchen die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule.

Rund 160 Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule waren kürzlich aufgrund von Coronafällen im Jahrgang der Q1 in Quarantäne – darunter auch Victoria und Katharina Böhle aus Baunatal.

Baunatal – Die 17-jährigen Zwillinge berichten von ihren Erfahrungen: Wie es ist, nicht aus dem Haus gehen zu können, was Unterricht von zu Hause aus bedeutet und wie es jetzt ist, wieder die Schule zu besuchen.

Der Beginn

Als die Infektionszahlen im Oktober wieder gestiegen sind, „war die Stimmung in der Schule schon angespannt – man hatte ein komisches Gefühl“, sagt Katharina Böhle. Eines Abends wurden die Befürchtungen dann wahr: Ein Lehrer leitete die Mail des Gesundheitsamts weiter, dass es positive Fälle gab. Der ganze Jahrgang musste in Quarantäne, „denn es hätte sich nicht gelohnt, weiter zu unterrichten“, sagt Victoria Böhle, weil durch das Kurssystem der Schule viele Schüler abwechselnd miteinander im Raum sitzen.

Die Quarantäne

Unterricht nach Stundenplan hat trotzdem weiter stattgefunden, und zwar über Video, berichtet Katharina Böhle: Das habe auch problemlos funktioniert. Die Lichtenberg-Schule sei technisch gut ausgestattet und habe vom einen auf den anderen Tag auf Online-Unterricht umstellen können.

„Wir waren bei unserer Mutter in einem großen Haus mit Garten“, erzählt Victoria Böhle, insofern sei die Quarantäne-Situation für die Zwillinge sehr komfortabel gewesen. Für Menschen in einer kleinen Wohnung ist die Ausgangslage eine ganz andere. Katharina Böhle berichtet, dass sie am Anfang das Gefühl hatte, Covid-19-Symptome zu haben, „aber das ist eine Kopfsache gewesen“. Dennoch hatten die Schwestern Sorge, die Krankheit zu haben und möglicherweise jemanden anzustecken. Getestet wurden sie nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt nicht.

Den beiden Schülerinnen sei es schwergefallen, fast zwei Wochen nicht das Haus und den Garten zu verlassen, weder für einen Spaziergang noch zum Einkaufen. „Wir hatten trotzdem eine Struktur im Tag“, sagt Katharina Böhle, das sei beim ersten Lockdown eher nicht der Fall gewesen. Dennoch tritt Langeweile ein, denn „Irgendwann sind alle Möglichkeiten erschöpft“, sagt Victoria Böhle. Da waren laut Katharina Böhle kleine neue Ideen immer willkommen: Der Bio-Lehrer der Schwestern hat über die Video-Plattform, die sonst für den Unterricht genutzt wird, abends zum Spielen eingeladen – es waren ja schließlich alle in Quarantäne und hatten Langeweile. „Ein Vorteil ist auch, dass wir uns gegenseitig haben“, sagt Victoria Böhle.

Die Zeit danach

Nach der Quarantäne haben sich die Zwillinge aber nicht zurück ins Alltagsleben gestürzt, im Gegenteil: „Wir sehen die Regeln jetzt viel strenger“, sagt Katharina Böhle. Generell träfen sie sich nicht mit vielen Freundinnen in der Freizeit, sondern lediglich mit einer, die selbst auch ihre Kontakte stark eingeschränkt habe. Ein Spaziergang sei mittlerweile zum Highlight geworden.

„Wir sind bis heute eher pessimistisch eingestellt“, was den Präsenzunterricht angeht, sagt Victoria Böhle. Sie und ihre Schwester sind skeptisch: Was, wenn wieder jemand Corona hat und erneut eine Quarantäne ansteht? Außerdem ist laut Katharina Böhle die Konzertrationsfähigkeit in der Schule schlechter: „Wir sitzen da mit Schal, Winterjacke und Maske.“

Zudem stelle sich auch die Frage des Schulwegs: Die beiden Schülerinnen nutzen meist Bus und Bahn, die oft sehr voll seien, und an die Maskenpflicht hielten sich auch nicht immer alle Schüler. „Man ärgert sich über die Mentalität mancher Menschen“, sagt Victoria Böhle. Corona werde zu oft noch auf die leichte Schulter genommen. „Viele wissen gar nicht, was das bedeutet“, findet Katharina Böhle, und dass Quarantäne eben nicht nur „rumhängen und Nichtstun“ bedeutet. „Wenn man es erlebt hat, weiß man, dass man Verantwortung für andere trägt“, ist Victoria Böhles Meinung.

Die Zwillinge werden im Januar 18 Jahre alt – diesen besonderen Tag nicht richtig feiern zu können, „ist für uns schon ärgerlich“, sagt Katharina Böhle. Allerdings finden sie und ihre Schwester es wichtig, sich jetzt zurückzuhalten, um dann umso früher wieder in einen normalen Alltag zurückkehren zu können. (Lara Thiele)

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