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Spaziergänger entdecken Biberspuren am Leiselsee in Baunatal

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Von: Daniel Göbel

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Deutliche Nagespuren.
Deutliche Nagespuren: Unser Leser Waldemar Paul Goj entdeckte die angefressenen Bäume beim Spazierengehen am Leiselsee und fotografierte sie. © Waldemar Paul Goj

Immer wieder entdecken Spaziergänger rund um Kassel Fraßspuren von Bibern. Darunter ist auch Waldemar Paul Goj. Beim Spazierengehen am Leiselsee in Baunatal stachen ihm kürzlich zahlreiche Nagespuren an den Bäumen ins Auge.

Baunatal - Die Fraßspuren hielt Goj mit seiner Kamera fest. „Der Biber muss hier wohl zurück sein“, lautet seine Erklärung – womit er recht zu haben scheint, wie das Regierungspräsidium auf Nachfrage bestätigt. „Uns ist bereits bekannt, dass Biber dort wieder ansässig geworden sind“, sagt Carolin Bräuer, die beim RP als Biodiversitätsbeauftragte unter anderem für das Biber-Management zuständig ist.

Bereits am Montag fände eine Besprechungsrunde statt, um das weitere Vorgehen abzustimmen. „Es kann gut sein, dass einige beschädigte Bäume gefällt werden und andere zum Schutz vor Fraßspuren beispielsweise mit Draht verkleidet werden“, so Bräuer. Viel mehr Maßnahmen kämen wohl nicht in Frage, da die Ansiedlung des Bibers im Bereich des Leiselsees relativ unproblematisch sei. Im See selbst würden die Tiere wohl keine Staudämme bauen, und in Bächen seien diese sogar im Sinne des Hochwasserschutzes, weil die Wucht des Wassers dann nicht so stark sei, erklärt die Biber-Expertin.

Woran sich die Bewohner im Landkreis Kassel und der Region aber gewöhnen müssten, sei, dass Biber künftig auch vermehrt in Siedlungsgebieten und Parkanlagen gesichtet werden könnten. „Die Population nimmt zu und somit breitet sich auch der Lebensraum der Biber aus“, so Bräuer. Deshalb sei es für sie auch überhaupt nicht überraschend gewesen, dass auch am Leiselsee Biber unterwegs sind. Die Entwicklung sei klar und absehbar: Es werden mehr und mehr Biber.

Hessenweit gibt es nach Schätzungen des RP etwa 900 Tiere, in Nord- und Osthessen sollen es rund 200 sein. Die meisten davon leben an der Fulda und ihren Zuflüssen. Biberreviere können eine Länge von etwa zwei Kilometern haben. Jungtiere wandern sogar bis zu 50 Kilometer weit.

Wichtig sei, so Bräuer, die Menschen aufzuklären, die sich mit dem Thema Biberansiedlung noch nicht genauer auseinandergesetzt hätten und etwa Schäden durch die Tiere in Wohngebieten und der Natur fürchten, was sie absolut nachvollziehen könne. „Wir können aber solche Schäden verhindern, dafür gibt es je nach Situation verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel Drainagerohre in den Staudämmen“, sagt Bräuer. Ziel müsse sein, dass der Biber tun kann, was er eben tue und alle gut damit leben könnten.

Auch der Nabu Hessen wirbt für die Akzeptanz der Nager. Damit er auch überall willkommen sei, werben ehrenamtliche Biberbotschafter mit Führungen, Exkursionen und Vorträgen für den Biber. Die weitere Ansiedlung und Ausbreitung der Tiere sei absolut begrüßenswert, teilt der Nabu weiter mit. Im 16. Jahrhundert seien die Tiere in Hessen bejagt und ausgerottet worden. Seit seiner Wiederansiedlung vor 30 Jahren im Spessart suche der Biber sich nun immer neue Lebensräume. Ein Wiederansiedlungsprojekt in den späten 1980er-Jahren ebnete den Boden für das Comeback in Hessen: Aus den anfänglichen 18 Pionierbibern im Spessart sind 900 Tiere in Hessen geworden.

Der Biber zählt mittlerweile in Europa zu den besonders geschützten Tierarten. In Deutschland darf er nach dem Bundesjagdgesetz nicht bejagt werden. Sie gelten als sehr scheue Tiere, die vor allem in der Nacht aktiv sind und stark auf Störungen aller Art reagieren. (Von Daniel Göbel)

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