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Bierbrauer ächzt unter Gaspreis: Baunataler Hütt sucht nach Wegen aus der Energiekrise

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Von: Peter Dilling

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Ohne Erdgas läuft nichts: Andreas Busse am Maisch-Kessel im Sudhaus der Hütt-Brauerei. Hier wird ein Gemisch aus Malz und Wasser von 60 auf 78 Grad erhitzt. Das Maischen ist wesentlich für den späteren Geschmack des Biers.
Ohne Erdgas läuft nichts: Andreas Busse am Maisch-Kessel im Sudhaus der Hütt-Brauerei. Hier wird ein Gemisch aus Malz und Wasser von 60 auf 78 Grad erhitzt. Das Maischen ist wesentlich für den späteren Geschmack des Biers. © Peter Dilling

Nicht nur Glashütten und Stahlwerke leiden unter explodierenden Gaspreisen. Auch das Bierbrauen ist ein extrem energiefressendes Geschäft. In Süddeutschland bangen bereits viele Brauereien um ihre Existenz, suchen nach Alternativen oder planen, wenigstens einen Teil der stark gestiegenen Kosten mit höheren Preisen für ihre Produkte zu kompensieren.

Baunatal – Auch die Hütt-Brauerei droht, in den Würgegriff von stark steigenden Preisen – die sich nicht auf Gas und Strom beschränken – und den Mangel an lieferbaren Rohstoffen zu geraten. Die Suche nach Wegen aus der befürchteten Krise gestaltet sich offenbar schwierig. „Die Zukunft wird schwierig“, sagt Braumeister Andreas Busse, Technischer Leiter der traditionsreichen Brauerei in Rengershausen.

Bis zu 50 000 Hektoliter Bier der verschiedensten Sorten braut Hütt pro Jahr. Für den gesamten Produktions- und Abfüllprozess verbraucht die Brauerei laut Busse im Schnitt drei Millionen Kilowattstunden Gas – für das sie nun auch noch die gesetzliche Umlage zahlen muss.

„Das macht allein 75 000 Euro zusätzlich aus“, rechnet Buse vor. Der Löwenanteil beim Gasverbrauch entfällt dabei auf die Erzeugung von Heißdampf, der an vielen Stellen der Produktionskette unverzichtbar ist. Unter anderem muss die Würze für das Bier erst von 60 auf 78 Grad erhitzt und anschließend längere Zeit gekocht werden, ebenso wie der Hopfen. Auch die Flaschenwaschmaschine braucht jede Menge Dampf.

Dennoch könnte sich Busse erstmal zurücklehnen – eigentlich. Mit dem Gasversorger habe man noch einen langfristigen Liefervertrag bis Ende 2023. Dieser wolle sich auch daran halten, sagt der Technische Leiter. Anders sehe es aber aus, wenn der Gashahn ganz zugedreht oder der Brennstoff kontingentiert werde. „Eine Systemrelevanz für unsere Brauerei ist wohl nicht gegeben“, meint Busse. Anders als in der Corona-Krise könne man nicht ohne Weiteres auf Staatshilfen hoffen, glaubt er.

Die Umstellung auf Heizöl sei auch keine Alternative. „Viele wollen jetzt ihre Brenner auf Öl umstellen“, sagt Busse. Das führe zu höheren Preisen und Lieferschwierigkeiten. Außerdem müsse die Brauerei dafür 400 000 Euro investieren, die Umstellung der Technik sei da noch nicht eingerechnet. Ungewiss sei weiter, wie lange der Gesetzgeber überhaupt noch Ölbrenner gestatten werde. Schließlich habe die Gasheizung eine gute Schadstoffbilanz, die wolle man nicht aufgeben.

Einen Biogas-Lieferanten finden, Methangas aus dem Abwasser der Brauerei gewinnen? Das sind erstmal nur Ideen, die Busse hat. Die Umsetzung bräuchte viel Zeit. Und Gas im Produktionsprozess einsparen, das verfolge sein Betrieb seit Jahren konsequent. Das Potenzial sei weitgehend ausgeschöpft. „Wir schauen jeden Tag, was geht“, erklärt der Braumeister.

Schon ganz konkret plant die Brauerei, Fotovoltaikanlagen auf ihren Dächern zu installieren. Denn der Strompreis klettert fast genauso schnell wie der vom Gas. Und hier laufen die Verträge von Hütt Ende des Jahres aus. Das könnte Energiekosten drücken. Doch Busse kämpft noch an weiteren Fronten. Die Preise vieler Grundstoffe wie Malz sowie für Etiketten, Flaschen und Chemikalien seien gewaltig gestiegen. Und Kohlendioxid, das ebenso im Brauprozess benötigt wird, sei derzeit nur in geringen Mengen zu bekommen. (Peter Dilling)

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