„Brüllen, aber nicht beißen“

Baunatal: Murat Gürkan ist neuer Vorsitzender des Ausländerbeirats

Will ein Zeichen gegen Rassismus setzen: Murat Gürkan ist der neue Vorsitzende des Ausländerbeirats in Baunatal.
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Will ein Zeichen gegen Rassismus setzen: Murat Gürkan ist der neue Vorsitzende des Ausländerbeirats in Baunatal.

Er ist Baunatals neuer Vorsitzender des Ausländerbeirats: Nach 28 Jahren löst Murat Gürkan seinen Vorgänger ab. Wir stellen ihn im Porträt vor.

Baunatal – „Es war Zeit für einen Generationenwechsel“, sagt Murat Gürkan, neuer Vorsitzender des Ausländerbeirats in Baunatal. Der 48-Jährige war bereits zwei Legislaturperioden Mitglied in dem Baunataler Gremium, bevor er sich nun als Vorsitzender hat wählen lassen. „Es ist mir wichtig, in meiner Position ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen“, sagt er.

Er zitiert einen Kollegen, um den Ausländerbeirat zu beschreiben, der zwar kein Abstimmungs- , aber ein Antragsrecht hat: „Wir sind wie ein Löwe ohne Zähne. Wir können gut brüllen, aber nicht beißen.“ Trotzdem habe der Ausländerbeirat Einfluss. Mit klug gestellten Anträgen und guter Zusammenarbeit könne vielerreicht werden.

Murat Gürkan ist Baunatals neuer Vorstand vom Ausländerbeirat

Der zweifache Vater scheut die Aufgabe nicht, schließlich hat er in zehn Jahren schon viele Erfahrungen sammeln können und sich auf seine neue Position vorbereiten. Gürkan löst ein Urgestein ab: Sein Vorgänger Pehlül Karahan war seit 1993 im Amt. Kein einfacher Job, gab es doch zuletzt Reibereien zwischen seinem Vorgänger und der Baunataler Stadtverordnetenversammlung.

„Wichtig ist ein gutes Miteinander“, betont Gürkan mehrfach. Es sei ihm ein großes Anliegen, mit allen Fraktionen gut zusammenzuarbeiten, unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen.

Baunatal hat neuen Ausländerbeirat gewählt

Gürkan hat keinen deutschen Pass: „Ich habe die türkische Staatsbürgerschaft und darf deshalb nicht wählen“, erklärt er. Deshalb sei es ihm ein Anliegen, dass sich das Wahlrecht auf kommunaler Ebene ändere und er etwas dazu beitragen könne. „Ich wünsche mir ein Wahlrecht in meiner Heimatstadt Baunatal“, sagt er. Seit 1998 lebt Gürkan bereits in Baunatal, 2003 haben er und seine Frau Melek dort ein Grundstück gekauft und gebaut. Bis vor einigen Jahren lebten sie in ihrem Haus noch gemeinsam mit ihren zwei Töchtern.

Die Ältere studiert inzwischen Medizin in Istanbul. „Natürlich bin ich traurig, dass sie weit weg ist und wir uns wegen Corona weniger sehen konnten, aber das ist eine tolle Chance für sie“, sagt er sichtlich stolz. Seine 16-jährige Tochter geht noch zur Schule. Diesen Sommer will die vierköpfige Familie gemeinsam Urlaub in der Türkei machen: „Normalerweise bin ich mindestens zwei Mal im Jahr in der Türkei und besuche meine Eltern“, sagt der 48-Jährige, der gerne verreist.

Baunatal: Murat Gürkan übernimmt die Leitung des Ausländerbeirats

Um den Baunataler Ausländerbeirat sichtbarer zu machen, haben er und seine drei Stellvertreter – ein Mann und zwei Frauen – verschiedene Arbeitsgruppen ins Leben gerufen. So kümmert sich die AG für Senioren beispielsweise darum, dass ältere Menschen zum Arzt begleitet werden, wenn Sprachbarrieren bestehen, etwa damit auch sie ausreichend über die Corona-Impfung informiert werden können. Auch beim anschließenden Buchen der Impftermine werde Unterstützung angeboten.

Aber auch für das Anlegen eines muslimischen Friedhofs in Baunatal hat sich der Ausländerbeirat bereits erfolgreich starkgemacht. „Unser Ausländerbeirat hat eine bedeutende Funktion“, sagt Gürkan, der sich durch Fußball fit hält. In Baunatal klappe das gut, deshalb sei es wichtig, einen Akzent zu setzen und etwas zu bewegen. „Wir wollen Gas geben“, sagt Gürkan.

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